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Straßenverkehr
Nach Bürger-Protesten: Nur 26 Zebrastreifen fallen in Trier weg

Zwei Zebrastreifen führen von der Konstantinbasilika über die Weberbach zur City. Beide haben Überlänge und müssen weg. TV-Foto: Christiane Wolff
Zwei Zebrastreifen führen von der Konstantinbasilika über die Weberbach zur City. Beide haben Überlänge und müssen weg. TV-Foto: Christiane Wolff FOTO: Christiane Wolff
Trier. Nach massiven Protesten hat das Rathaus nochmal geprüft, ob tatsächlich 138 Fußgängerüberwege aus dem Trierer Straßennetz verschwinden müssen. Das Ergebnis ist eine dicke Überraschung. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Alles ist eine Sache der Perspektive, von der aus man die Dinge betrachtet. Das gilt auch für die Trierer Zebrastreifen. Vor gut einem Jahr war die Stadtverwaltung noch davon überzeugt, dass 138 Fußgängerüberwege im Stadtgebiet nicht mehr den gesetzlichen Sicherheitsvorgaben entsprechen. Die weißen Streifen sollten ersatzlos aus dem Asphalt gefräst werden. Der Stadtrat – insbesondere die Grünen-Fraktion – protestierte und trug dem Rathaus auf, die Sache nochmal zu prüfen. Das überraschende Ergebnis präsentierte Baudezernent Andreas Ludwig am Dienstagabend in der Sitzung des Bauausschusses: Nur 26 Zebrastreifen müssen tatsächlich weg. Die übrigen fraglichen Überwege können durch neue Beleuchtung oder durch Umgestaltung verkehrssicher gemacht werden.

Wie kann es sein, dass die Trierer Stadtverwaltung innerhalb von zwölf Monaten zu zwei so unterschiedlichen Ergebnissen kommt? „Anfangs haben wir die fraglichen Fußgängerüberwege streng nach den Vorgaben der neuen Richtlinien geprüft. Bei der zweiten Runde sind wir dann von einer anderen Voraussetzung ausgegangen – nämlich, dass alle Fußgängerüberwege bei ihrer Herstellung ja schließlich von der Verkehrsbehörde angeordnet wurden gemäß der damaligen Vorschriften“, erklärte Tiefbauamtsleiter Wolfgang van Bellen am Dienstag.

Bei der zweiten Prüfung ist der Fokus daher lediglich auf offensichtliche Abweichungen von den neuen Vorschriften gelegt worden. Festgestellt worden sei, dass bei vielen problematischen alten Zebrastreifen eine zusätzliche Beleuchtung oder ein Umgestaltung des Umfelds doch ausreiche, um den Vorschriften Genüge zu tun.

Sämtliche 235 Zebrastreifen im Stadtgebiet wurden bei der neuerlichen Untersuchung in vier Gruppen eingeteilt:

Zu Gruppe 1 gehören 84 Überwege neueren Datums, die bleiben können, wie sie sind. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise die Fußgängerüberwege in der Hornstraße in Trier-West auf Höhe des Lidl-Marktes und in der Wisportstraße in Heiligkreuz auf Höhe des Aldi-Supermarktes.

Zu Gruppe 2 gehören 98 Zebrastreifen, die so aufgerüstet werden können, dass sie den Sicherheitsansprüchen genügen. Der Zebrastreifen an der Einmündung der Herzogenbuscher Straße in den Verteilerkreis Nord etwa kann durch eine Beleuchtungsanlage verkehrssicher gemacht werden. Die Nachrüstung – vor allem mit Beleuchtung – aller 98 Zebrastreifen wird etwa 1,1 Millionen Euro kosten.

In Gruppe 3 wurden 27 Fußgängerüberwege einsortiert, die insgesamt für etwa 400 000 Euro umgestaltet werden sollen, etwa durch andere Querungshilfen wie Mittelinseln oder dadurch, dass sie zu verkehrsberuhigten Bereichen erklärt werden, in denen Fußgängern besondere Rechte zukommen. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise die beiden Zebrastreifen, die von der Konstantinbasilika zur Konstantinstraße führen. Alleine schon wegen ihrer starken Überlänge können beide Überwege nicht bleiben. Damit Fußgänger trotzdem weiterhin sicher über die Weberbach kommen, wird das Areal zu einem „verkehrsberuhigtem Geschäftsbereich“ umgewandelt, in dem Tempo 20 gilt und alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Auto- und Radfahrer etwa – gleichberechtigt sind. Wie die Sache praktisch umgesetzt wird, müsse noch im Detail geplant werden, sagt Tiefbauamtsleiter van Bellen.

Gruppe 4 umfasst letztendlich noch 26 Fußgängerüberwege, die nicht mehr den heutigen Regeln angepasst werden können und deswegen entfernt werden müssen. Ein Beispiel dafür ist der Zebrastreifen über die Zufahrt von der Böhmerstraße zum Irminenfreihof. Da die Straße, über die der Zebrastreifen führt, lediglich auf einen Parkplatz führe und Fußgänger auf solchen Zuwegungen ohnehin Vorrang haben, könne dieser Überweg entfallen, argumentiert die Stadtverwaltung.

Weil die Verwaltung dazu verpflichtet ist, gesetzliche Vorgaben umzusetzen, kann die letztliche Entscheidung über die Zebrastreifen nicht den Bürgern oder dem Stadtrat überlassen werden. Nichtsdestotrotz will die Verwaltung ihr Vorgehen dieses Mal für alle Bürger möglichst transparent machen: Die komplette Liste mit allen 235 Zebrastreifen inklusive der Argumente für die Zuordnung zu einer der genannten Gruppen soll ab Montag, 11. Juni, auf der Internetplattform www.trier-mitgestalten.de verfügbar sein. Jeder könne auf der Internetseite Kommentare und Anmerkungen hinterlassen. Auch den Ortsbeiräten würden die kompletten Listen und Entscheidungsvorgänge zur Verfügung gestellt. „Anmerkungen dazu werden dann von unseren Fachleuten geprüft und gegebenenfalls noch in das Konzept eingearbeitet“, verspricht Baudezernent Andreas Ludwig. Das endgültige Ergebnis, was genau mit welchem Zebrastreifen passieren soll, will Ludwig dann nach den Sommerferien dem Stadtrat vorlegen.