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Elvira Garbes ist seit fünf Monaten neue Bürgermeisterin in Trier
„Aus der Region zu stammen, schafft Verbindung“

Seit Februar Bürgermeisterin von Trier: Elvira Garbes.
Seit Februar Bürgermeisterin von Trier: Elvira Garbes. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Seit fünf Monaten ist Elvira Garbes als neue Bürgermeisterin und Sozialdezernentin von Trier im Amt. Zeit für eine erste Bilanz. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

„Ah, dann sprechen Sie ja auch unser Platt!“ Diesen Satz habe sie in ihren ersten Monaten als neue Bürgermeisterin und Sozialdezernentin von Trier bei ihren Antrittsbesuchen durchaus häufiger gehört, sagt Elvira Garbes (Grüne). „Aus der Region zu stammen, schafft halt doch Verbindung – und das macht vieles einfacher“, sagt die 62-Jährige, die in Wallenborn bei Daun in der Eifel geboren und aufgewachsen ist.

Seit Februar verantwortet sie im Trierer Stadtvorstand die Ressorts Soziales und Wohnen, Jugend, Schule, Bildung und Sport. Zuvor war sie Amtsleiterin in Bornheim in der Nähe von Köln. Ihr Ehemann wohnt weiterhin dort. Auch Garbes hat ihren Wohnsitz nicht nach Trier verlegt – trotz Bürgermeisteramt. „Ich habe eine Zweitwohnung zur Miete in der Zuckerbergstraße – und das bleibt auch erstmal so“, sagt sie. Im Schnitt fahre sie etwa jedes zweite Wochenende nach Hause nach Köln. Nicht bei allen Terminen und Veranstaltungen in Trier könne sie daher dabei sein.

Manche in ihrer Partei, aus dem Rathaus und auch Vertreter von Schulen und aus dem Sport sähen die Bürgermeisterin – immerhin zweithöchste Repräsentantin Triers – gerne häufiger in der Stadt. „Dabei übernehme ich durchaus jede Menge repräsentative Termine und arbeite viele, viele Stunden – mehr geht nicht“, verteidigt sich die dreifache Mutter und zweifache Oma.

Einige der großen Projekte, die nun in ihre Zuständigkeit fallen, wurden schon lange vor ihrer Amtszeit eingetütet. Zum Beispiel die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft. „Das läuft derzeit noch über den Schreibtisch von Oberbürgermeister Wolfram Leibe“, sagt Garbes, „aber wenn die Gesellschaft steht, wird sie in meine Verantwortung übergehen.“

Den Entschluss, nach Jahrzehnten wieder selbst als Bauherr in den sozialen Wohnungsbau einzusteigen, hatte die Stadt vor mehreren Jahren gefasst – zwei große städtische Sozialneubauten in Mariahof und Filsch befinden sich mittlerweile vor der Fertigstellung.

Auch der langwierig entwickelte Schulentwicklungsplan steht, und das strittige Thema um die Sanierung der maroden Egbert-Schule ist für die Dezernentin abgehakt. „Der Stadtrat hat beschlossen, dass die Schule saniert werden soll, und das werden wir auch umsetzen“, sagt sie.

Überwunden ist auch der Höhepunkt der Trierer Sportstättenkrise: Der von Baudezernent Andreas Ludwig vorangetriebene Neubau von gleich vier großen Turnhallen – am Mäusheckerweg, am Wolfsberg sowie in Feyen und Trier-West – ist beschlossene Sache, die Finanzierung scheint gesichert. Mittlerweile hat Ludwig das Sportressort an Garbes übergeben.

Beim Pressegespräch über ihre Bilanz nach gut fünf Monaten im Amt bleibt ihr nur noch, die Spatenstiche für die Mäusheckerhalle und die Bezirkssporthallen in Feyen und West für „diesen Herbst“ anzukündigen. Auch das Thema Flüchtlinge – als Sozialdezernentin ist Garbes für deren Unterbringung und Versorgung zuständig – drängt lange nicht mehr so wie noch vor einem Jahr.

Angesichts der auf den Weg gebrachten großen Themen läuft die bisherige Amtszeit der studierten Pädagogin und Soziologin denn auch zumindest bislang recht geräuschlos.

Komplett zufrieden ist ihre eigene Partei, die Grünen, allerdings trotzdem nicht. Anders als ihre Vorgängerin Angelika Birk, ebenfalls eine Grüne, besucht Garbes nicht regelmäßig die Sitzungen der grünen Stadtratsfraktion. „Es passt terminlich leider nicht“, sagt die Sozialdezernentin. Auch den Obulus, den grüne Amtsträger obligatorisch bei ihren Kreisverbänden abliefern, falle bei Garbes „deutlich geringer“ aus als erwartet, beschwert sich ein Parteimitglied.

Garbes räumt gegenüber dem TV die Diskussion über ihre Parteiabgabe ein, will sich aber nicht konkret zu diesem Thema äußern. „Echte Probleme gibt es nicht zwischen mir und den Trierer Grünen“, betont sie ausdrücklich., „Anfängliche Missverständnisse sind ausgeräumt. Und dass ich nur an wichtigen Fraktionssitzungen teilnehme, ist so abgesprochen und vereinbart.“

Vielleicht rührt ihre Distanz zur eigenen Partei auch aus ihrem Einstand in Trier. Denn anders als die CDU bei Nominierung und Wahl der beiden weiteren Abgeordneten im Stadtvorstand – Thomas Schmitt und Andreas Ludwig – hatte Garbes’ eigene Partei bei ihrem Karrieresprung ins Trierer Rathaus eher keine Rolle gespielt. Im Gegenteil:

Die Grünen hatten die Bewerbung der Kölnerin sogar noch vor den Bewerbungsgesprächen aussortiert. Erst, als ausgerechnet die SPD die Grüne ins Rennen um den Chefsessel im Sozialdezernat brachte, ließen sich auch die Grünen auf die 62-Jährige ein. Am Ende wurde Garbes im Stadtrat mit 47 von 52 Stimmen gewählt – eine breite Mehrheit, die ihr eine gewisse Unabhängigkeit von der eigenen Partei geben dürfte.

Mittlerweile hat allerdings auch die SPD ihre Kritikpunkte gefunden: „Öffentliche Auftritte liegen ihr nicht so gut, wie man sich das von einer Bürgermeisterin wünschen würde“, äußert ein Mitglied der SPD-Spitze gegenüber dem TV.

Im persönlichen Gespräch eloquent und selbstsicher, scheint Garbes sich auf der Bühne – etwa beim Interview zum Trierer Sportgroßevent Firmenlauf oder bei der Sportlerehrung der Stadt – tatsächlich nicht wirklich wohl zu fühlen. Und wenn Oberbürgermeister Leibe bei mehrstündigen Stadtratssitzungen die Sitzungsleitung kurzzeitig an seine Stellvertreterin übergibt, wird ihr Mangel an Erfahrung darin sofort deutlich: Sie verhaspelt sich, bringt Abstimmungsreihenfolgen durcheinander, spricht leise und wirkt unsicher.

„Doch, doch! Ich mag auch öffentliche Termine – das gehört schließlich zum Job der Bürgermeisterin genauso dazu wie die Schreibtischarbeit!“, sagt Garbes dazu.

Noch liegt der erfahrenen Amtsleiterin, die vor Trier schon in drei anderen Verwaltungen gearbeitet hat,  das konzeptionelle, inhaltliche Arbeiten allerdings offenbar deutlich mehr als das bürgermeisterliche Repräsentieren. Aber ihre achtjährige Amtszeit hat ja auch gerade erst begonnen.