| 18:45 Uhr

Stadtbild
Der Karl-Marx-Platz, der so nicht heißen soll (Video)

Jan Koschinski und Gernot Loser (von links) verlegen Granitsteine mit Daten und Zitaten zu Karl Marx.
Jan Koschinski und Gernot Loser (von links) verlegen Granitsteine mit Daten und Zitaten zu Karl Marx. FOTO: Christiane Wolff
Trier. Der neue Eckplatz an der Einmündung der Jüdemer- in die Brückenstraße ist fast fertig. Zurzeit werden Steine mit Zitaten und Daten verlegt. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Vier Karl-Marx-Zitate, acht Merksätze zu Stationen aus seinem Leben und knapp 50 längliche Granitsteine mit Daten und Satzfragmenten: Ein bisschen ist es auch ein Puzzlespiel, das die beiden Pflasterer Gernot Loser und Jan Koschinski lösen müssen. „Aber wir haben ja einen Plan, auf dem alles steht“, sagt Loser.

Den studieren die beiden Männer tatsächlich ganz genau, bevor sie die einzelnen Granitsteine zu den Marx’schen Sinnsprüchen zusammensetzen. Mindestens noch am heutigen Dienstag werden sie damit beschäftigt sein, die gelblichen Steinplatten zu verlegen und die Fugen zu verschließen. Dann soll der neu gestaltete Platz an der Ecke Brückenstraße/Jüdemerstraße fertig sein. Die drei Robinien sind stehen geblieben. Grünes Flair bringen die Bäume dem Platz allerdings nicht. Vielmehr gleichen ihre glatten hohen Stämme ein bisschen der neu aufgestellten modern schlichten LED-Lampe, die etwa in der Mitte des Platzes thront. Drei feuerrote Sitzbänke sind ebenfalls neu auf dem Platz aufgestellt worden. Unter jedem Baum eine und so weit voneinander entfernt, dass es zumindest zwischen zufälligen Passanten, die sich auf den Sitzgelegenheiten ausruhen wollen, wohl eher nicht zu Diskussionen über die in den Boden eingelassenen Marx-Zitate kommen wird (siehe Info).

Der Naturstein, in den die Buchstaben und Ziffern aus hellem Edelstahl eingelassen sind, stammt übrigens aus China: Padang Yellow heißt das Material, das vor allem aus Steinbrüchen in Nähe der südchinesischen Gemeinde Shijing abgebaut wird. Das neue Pflaster des Platzes reicht weit bis in die Jüdemerstraße. Die Zufahrt von dort über den Platz in die Brückenstraße soll allerdings weiter möglich sein – zumindest vorerst. Triers Baudezernent Andreas Ludwig hatte allerdings angekündigt, über eine Sperrung der Durchfahrt nachzudenken. Ebenfalls noch nicht fest steht, ob auf dem Platz ein Straßencafé eingerichtet wird. Unter anderem hatte die Inhaberin des angrenzenden italienischen Restaurants Klein Florenz Interesse bekundet, „Es gibt entsprechende Anfragen“, bestätigt Rathaussprecher Michael Schmitz, „diese sind aber noch nicht so weit bearbeitet, dass eine Entscheidung getroffen werden könnte.“

Einen Namen hat der neu gestaltete Platz übrigens noch nicht. Der Stadtvorstand hatte eine potenzielle Umbenennung – etwa in Karl-Marx-Platz oder -Plätzchen – nicht weiter verfolgt. Grund: Für einige Anlieger würde sich dann die Post-Adresse ändern. Ein großer Aufwand, der auch mit einigen Kosten verbunden sein kann. Der Ortsbeirat, anfangs nicht abgeneigt, den Platz umzu­taufen, hat sich in dieser Frage der Haltung des Stadtvorstandes angeschlossen.