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Sicherheit
Weihnachtsmarkt 2018: Trierer Händler wollen Poller verschieben

Blick zurück: Udo Gräber (links) und Jörg Schlicker haben einem der tonnenschweren Betonpoller, die den Weihnachtsmarkt vor terroristischen Anschlägen bewahren sollten, ein hölzernes Kerzenlicht aufgesetzt. Insgesamt 18 dieser Poller standen an den Zufahrten von Hauptmarkt und Domfreihof.
Blick zurück: Udo Gräber (links) und Jörg Schlicker haben einem der tonnenschweren Betonpoller, die den Weihnachtsmarkt vor terroristischen Anschlägen bewahren sollten, ein hölzernes Kerzenlicht aufgesetzt. Insgesamt 18 dieser Poller standen an den Zufahrten von Hauptmarkt und Domfreihof. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Roland Morgen
Trier. In vier Wochen beginnt der Trierer Weihnachtsmarkt. Händler der anliegenden Straßen wollen eine Änderung bei den massiven Sicherheitsvorkehrungen – und machen Vorschläge. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Es war am 19. Dezember 2016 gegen 20 Uhr, als ein islamistischer Terrorist mit einem zuvor gekaperten Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz fuhr. Zwölf Menschen starben bei dem Attentat. Seitdem gibt es kaum einen größeren Weihnachtsmarkt in Deutschland, bei dem die Zufahrten nicht durch Poller oder andere Barrieren abgeriegelt sind – nicht nur, um ähnliche Terrorfahrten zu vermeiden, sondern auch, um den Besuchern der Märkte ein Gefühl der Sicherheit zu geben.

Auch in Trier wurde 2017 das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt auf Hauptmarkt und Domfreihof massiv aufgestockt (siehe Info). Gastronomen, Händler und Dienstleister in den anliegenden Straßen haben mit den Betonpollern allerdings ein Problem: „Die Betonringe und die Polizeiwagen daneben wirken auf die Besucher des Weihnachtsmarkts wie Barrieren und halten die Kunden davon ab, weiter die Straßen hinabzuschlendern“, klagt Jürgen Poss, Inhaber des Kinderschuhgeschäfts O’magga nagga in der Dietrichstraße und des Mephisto-Schuhladens in der Sternstraße.

Im vorigen Jahr sollten die Poller ursprünglich direkt an den Straßeneinmündungen zum Hauptmarkt aufgestellt werden. „Da haben wir dann Gott sei Dank noch kurzfristig mit Stadt und Polizei einen Kompromiss hinbekommen, und die Barrieren wurden zumindest noch ein paar Meter weiter in die Straßen hinein versetzt“, sagt Carmen Wagner, Inhaberin der Boutique Carmen-Mode in der Jakobstraße 4.

„Ich persönlich glaube ohnehin nicht, dass jemand, der wirklich etwas Böses vorhat, von den Pollern abgehalten wird – derjenige findet dann einen anderen Weg“, sagt Wagner. „Aber ich muss schon einräumen, dass einige Kunden mir bestätigt haben, dass ihnen die Betonklötze ein subjektives Gefühl der Sicherheit vermitteln.“ Auf den Betrieb im Geschäft wirkten die Poller trotzdem wie ein Gift.

Der Vorschlag von Poss und Wagner: In der Dietrichstraße sollten die Poller bis auf Höhe des Frankenturms verschoben werden, in der Jakobstraße bis runter zum Stockplatz. „Uns ist klar, dass das für die Polizei ein höherer Aufwand wäre, die Anlieger durchlassen müsste“, sagt Poss. Und Wagner ergänzt: „Auch der Lieferverkehr müsste dann am Stockplatz stoppen, und die Lieferanten müssten ein paar Meter weiter zu den Geschäften laufen – aber das wäre zeitlich beschränkt auf die vier Wochen des Weihnachtsmarkts!“

Wie und wo die Poller in diesem Jahr aufgestellt werden, dazu kann die Stadt noch keine Auskunft geben. Das Konzept sei noch in der Absprache, teilt Ordnungsdezernent Thomas Schmitt auf TV-Nachfrage mit. „Aber wir versuchen, die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen und einen guten Kompromiss zwischen der Sicherheit für die Besucher des Weihnachtsmarktes und den Interessen der Geschäftsinhaber zu finden“, betont der zuständige Beigeordnete im Stadtvorstand.

Jürgen Poss ist mit dieser Ankündigung nicht zufrieden: „Wir haben im Januar bereits darauf aufmerksam gemacht, dass dringend Verbesserungen überlegt werden müssen hinsichtlich der Poller – und bis jetzt ist nichts passiert!“, kritisiert der Einzelhändler. Ärgerlich sei das inbesondere, weil die Einzelhändler in den Straßen rund um Hauptmarkt und Domfreihof das ganze Jahr über ihre Steuern an die Stadtkasse entrichteten – der Fokus beim Sicherheitskonzept aber auf die zum großen Teil auswärtigen Händler des Weihnachtsmarkts gerichtet sei.

Dass das Konzept noch nicht fertig ist, sei kein Zeichen dafür, dass man in Verzug geraten sei, betont Polizeipressesprecher Uwe Konz auf TV-Nachfrage. Vielmehr werde die Sicherheitslage tagtäglich beurteilt, um bis zum Weihnachtsmarkt das Konzept laufend zu aktualisieren. „Mit Annäherung an den Termin Weihnachtsmarkteröffnung findet eine engmaschige, verstärkte Beurteilung statt, die dann schließlich in die bestehende Konzeption eingearbeitet wird“, erklärt Konz.

Schlimme Terrorfahrten in Menschenmengen wie beim Berliner Weihnachtsmarkt oder zuvor im Juli 2016 am Strandboulevard von Nizza, danach im Frühjahr 2017 in London und Stockholm und im August 2017 in Barcelona hat es in jüngerer Zeit nicht mehr gegeben. Ob das Sicherheitskonzept des Trierer Weihnachtsmarkts deswegen abgespeckt werde, könne laut Polizei noch nicht gesagt werden.