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Freizeit
Neue Halle löst das Platzproblem des Tus Trier-Euren nicht

Der marode Rasenplatz des Tus Euren ist in keinem guten Zustand. Der Verein wünscht sich dringend einen Neubau.
Der marode Rasenplatz des Tus Euren ist in keinem guten Zustand. Der Verein wünscht sich dringend einen Neubau. FOTO: Clemens Sarholz
Trier. Der Tus Euren ist enttäuscht von der Stadt Trier. Schon seit Längerem beklagt der Verein den Zustand seiner Sportflächen. Ein Bauprojekt der Stadt könnte nun das Problem noch verschärfen. Von Clemens Sarholz

Schon seit den 1990er Jahren beklagt der Turn- und Sportverein (Tus) Trier-Euren den Zustand seiner Trainingsstätten. „Unser Rasenplatz ist so marode, dass er oft nicht bespielbar ist“, berichten Jörg Snijder (erster Vorsitzender) und Hans-Willy Birkel (Geschäftsführer). „Der Lehmboden verträgt kein Wasser und der Platzwart sperrt ihn häufig, wenn es geregnet hat.“ Dann werden Training und Spiele auf den Hartplatz verlegt.

Die Kicker verteufeln den Schotter. Wer auf ihm fällt, riskiert blutige Schürfwunden an Knie, Ellenbogen und Schienbein. Im heißen Sommer verschwinden Spieler in dichten Staubwolken, und im Winter wird ein Fußballspiel schnell zur Schlammschlacht.

 „Uns laufen die Spieler davon. Viele haben sich schon abgemeldet“, sagt Snijder. „Sie sagen, wenn wir einen ordentlichen Rasenplatz hätten, würden sie sofort zurückkommen.“ Genaue Zahlen gibt es zu der Behauptung nicht. Birkel ergänzt: „Die Spieler teilen uns oft nicht mit, warum sie sich abmelden. Häufig sehen wir sie dann aber bei den anderen Vereinen spielen, die Kunstrasen- oder Rasenplätze haben.“ Die ehemalige B-Jugendmannschaft hat sich bereits mangels Spieler aufgelöst. Insgesamt hat der Verein etwa 600 Mitglieder, von denen etwa 250 Fußballer  sind.

Platzwart Ludwig Dahler sagt, der Rasenplatz sei in einem besseren Zustand, als von den Vorstandsmitgliedern behauptet. „Fast alle Spiele können auf dem Rasenplatz gespielt werden. Der Lehmboden verträgt sehr viel Wasser. Aber es stimmt schon, dass der Platz mal saniert werden sollte.“

Dahler ist Angestellter der Stadt. Die Stadt investiert derzeit etwa 30 Millionen Euro in den Bau vier neuer Sporthallen (der TV berichtete). Auch auf der Bezirkssportanlage Trier-West entsteht eine neue Halle für mehr als fünf Millionen Euro. Und das wird das Problem des Vereins noch verschärfen. Denn dem Hallenbau muss ein Trainings- und Spielfeld der Jugendmannschaften weichen. Die Trainingseinheiten müssten auf den Hartplatz ausweichen. Der Verein mutmaßt, dass in diesem Fall viele weitere Spieler zu anderen Vereinen wechseln würden.

Die Stadt verspricht Abhilfe: Wenn die neue Halle im Herbst 2019 fertig ist, soll das zugebaute Trainingsfeld an anderer Stelle in einer Größe von 30 mal 60 Metern ersetzt werden. Die Stadt hat dafür rund 264.000 Euro eingeplant.

Der Tus Euren ist mit diesem Plan nicht zufrieden – denn die problematische Spielfeldsituation angesichts des angeblich schlecht bespielbaren Hartplatzes werde dadurch nicht gelöst. Der Verein ist außerdem enttäuscht, dass die Stadtverwaltung ihn nicht in die Planungen eingebunden hat.

„Unser Problem wäre gelöst, wenn der Hartplatz in einen neuen Rasenplatz umgewandelt würde“, schlägt Birkel vor. „Dann hätten wir eine Fläche von 60 mal 90 Metern, die für das Training und für die Spiele genutzt werden könnte.“ Das kleine Spielfeld diene ja ohnehin vorrangig nur dem Training der Jugendmannschaften.

Für die Umrüstung des Schotterplatzes in einen Naturrasenplatz hat der Verein ein Angebot der Firma Sportstättenbau Cordel eingeholt. Für eine Summe zwischen 80.000 Euro und 150.000 Euro könne der Schotterplatz in kürzester Zeit in einen Rasenplatz verwandelt werden, heißt es in dem Angebot.

Mit einer Förderung durch das Land könne außerdem gerechnet werden, meint Birkel. Joachim Winkler, Pressesprecher des Ministeriums des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz, bestätigt: „Für den Umbau eines Tennen-Großspielfeldes in einen Rasenplatz“ sei „eine pauschalierte Zuwendung von grundsätzlich 80.000 Euro vorgesehen.“

Gegenüber der Rechnung des Vereins für einen neuen Rasenplatz scheint die von der Stadt veranschlagte Summe von 264.000 Euro für die Verlegung des Kleinspielfelds zumindest auf den ersten Blick sehr hoch. Auch Jan Cordel, Geschäftsführer der Sportstättenbau-Firma Cordel, kann sich nicht erklären, wie die Stadt auf eine Summe von 264.000 Euro kommt. „Aber ich arbeite ja auch nicht bei der Stadt – die werden bestimmt einen Wust an Auflagen erfüllen müssen“, fügt er an.

Das bestätigt die Stadt. In das Angebot der Firma Cordel habe sie keinen Einblick, daher könne sie es nicht bewerten, sagt Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier. In den 264.000 Euro für das Kleinspielfeld seien allerdings auch Architekten, externe Planer und andere Posten eingeplant. Die Summe sei nach einer DIN Norm berechnet worden.

Die Sache auf dem kleinen Dienstweg zu erledigen, sei ohnehin nicht zulässig. „Bei einem so großen Projekt ist die Stadt dazu verpflichtet, die Arbeiten öffentlich auszuschreiben, eventuell sogar europaweit“, sagt Schmitz. An eine vom Tus ausgewählte Firma könne der Auftrag nicht einfach so vergeben werden.

„Wir können keine zwei Jahre warten, bis die Stadt uns ein neues Trainingsfeld gibt“, halten Snijder und Birkel im Gespräch mit dem TV dagegen. Das haben sie dem Rathaus auch per Brief geschildert, in dem auch von einem „letzten Hilferuf“ die Rede ist.

Elvira Garbes, Sportdezernentin der Stadt Trier, ist ebenfalls informiert.

„Die Problematik wird von uns anerkannt. Dass die Spieler lieber nach Tarforst fahren, um auf Rasen oder Kunstrasen zu spielen, ist ein Riesenproblem für den Verein“, räumt Rathaussprecher Schmitz ein.