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Stadtentwicklung
Eingezogen wird erst später

Der Rohbau steht: In Trier-Filsch, nahe Tarforst, ist ein dreistöckiger Modul-Bau entstanden, in dem 41 Wohnungen Platz finden sollen.
Der Rohbau steht: In Trier-Filsch, nahe Tarforst, ist ein dreistöckiger Modul-Bau entstanden, in dem 41 Wohnungen Platz finden sollen. FOTO: Christiane Wolff
Trier. Nicht Stein auf Stein, sondern Modul auf Modul: Quasi über Nacht ist in Trier-Filsch ein großer Neubau mit 41 Wohnungen gen Himmel gewachsen. Rechtzeitig fertig wird das städtische Bauprojekt trotzdem nicht. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Mittlerweile geht es flott auf der Baustelle in der Karl-Carstens-Straße, die zwar direkt ans Tarforster Neubaugebiet grenzt, aber auf dieser Seite schon zur Gemarkung des Nachbarstadtteils Filsch gehört.

Die drei Stockwerke, die sich in einer Art weit geöffnetem U vom Kreisverkehr in der Kohlenstraße entlang der Karl-Carstens-Straße und der Straße Auf Ewes erstrecken, sind binnen drei Wochen aus großen Fertigmodulen errichtet worden. Die bereits vorab mit Fenstern ausgestatteten Container, aus denen die 41 Wohnungen zusammengesetzt werden, wurden dafür über mehrere Nächte von Schwerlast-LKW angeliefert.

Mittlerweile ist die Holzunterkonstruktion, in die das Flachdach eingesetzt wird, bereits fertig. Rund um den Rohbau lagern große Pakete mit Steinwolle, mit denen die Wände gedämmt werden. „Die Arbeiten an der Fassade beginnen in den nächsten Tagen“, sagt der Trierer Mario Herzberger, der für den Generalunternehmer Kleusberg die Bauleitung übernommen hat. Drinnen sind bereits die Elektriker, Trockenbauer und Heizungsmonteure am Werk.

Bauherr ist das Trierer Amt für Soziales und   Wohnen. Erstmals nach Jahrzehnten ist die Stadt mit dem Projekt in Filsch und dem Schwester-Bau in Mariahof (siehe Extra) wieder in den sozialen Wohnungsbau eingestiegen.

Allerdings nicht ohne Schwierigkeiten: Für den Filscher Neubau hatte das Sozialamt im Oktober 2017 beim städtischen Bauamt – also nur ein paar Türen weiter im Rathaus – den Bauantrag eingereicht. Genehmigt wurde dieser allerdings erst im April 2018. Laut der ursprünglichen Pläne, die die Stadt im Frühjahr 2017 vorgestellt hatte, sollten zu diesem Zeitpunkt die Bauarbeiten längst begonnen haben.

„Wir hatten uns einfach zu viel vorgenommen. Und dann sind auch noch Mitarbeiter erkrankt, und mehr als arbeiten können wir nicht“, hatte Baudezernent Andreas Ludwig dazu gegenüber dem TV erklärt.

Die Steuerung des Projekts hat die Stadt mittlerweile an ein externes Büro abgegeben, die NPS Bauprojektmanagement GmbH mit Sitz in Ulm und Stuttgart. Die mittlerweile doch recht vielen Ansprechpartner von Wohnungsamt, Gebäudewirtschaft und externen Beratern machen die Absprachen allerdings zeitaufwendig, wie aus informierten Kreisen zu vernehmen ist.

Der von der Stadtverwaltung vor zwei Monaten angekündigte Einzugstermin für den Filscher Neubau – Oktober 2018 – ist jedenfalls offenbar nicht zu halten. Im Bauzeitenplan vorgesehen ist die Übergabe an die Stadt mittlerweile für Dezember 2018 oder Januar 2019.

Wer dann einziehen darf, ist noch offen. Die Liste der Bewerber, die beim städtischen Wohnungsamt ihr Interesse an einer Sozialwohnung bekundet haben, ist jedenfalls lang. „Vergeben werde die Wohnungen nach sozialen Kriterien“ hatte Hans-Werner Meyer, Leiter des städtischen Wohnungsamts, dazu erklärt.

Anders als der neue Sozialwohnungsbau in Mariahof wird der Filscher Bau im Passivhausstandard errichtet. Das heißt, Wände und Dach werden so gut gedämmt, dass zum Heizen der Wohnungen pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche nicht mehr als der Energiewert von 1,5 Liter Heizöl nötig sein darf.

Pro Wohnung werden 1,25 Parkplätze gebaut, bei 42 Wohneinheiten aufgerundet 53.

Geplant ist auch ein Spielplatz, der zur Wohnanlage gehört – im eigentlichen Sinne also kein öffentlicher Spielplatz. Aber Kinder aus den Nachbarstraßen werden dort auch spielen dürfen, versichert die Stadtverwaltung.

Die Baukosten sind insgesamt mit 7,65 Millionen Euro veranschlagt. Das Land übernimmt davon 4,3 Millionen Euro. Zusätzlich gewährt das Land der Stadt günstige Kredite für den Sozialwohnungsbau. Im Gegenzug sind die Mieten gedeckelt auf sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter. Für Mieter gelten fixe Gehaltsgrenzen: Singles dürfen beispielsweise maximal ein Jahresbruttoeinkommen von etwa 23 000 Euro haben. Bei zwei Erwachsenen mit einem Kind darf das Jahresbrutto nicht über 41 000 Euro liegen, bei zwei Erwachsenen und drei Kindern nicht über 58 600 Euro.