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Einsparungen
Wie viele Vorstände braucht die Sparkasse Trier?

Peter Späth (rechts) rückt für Günther Passek (Mitte) an die Verwaltungsspitze der Trierer Sparkasse auf. Martin Grünen (links) bleibt Vorstandsmitglied.
Peter Späth (rechts) rückt für Günther Passek (Mitte) an die Verwaltungsspitze der Trierer Sparkasse auf. Martin Grünen (links) bleibt Vorstandsmitglied. FOTO: h_st <h_st@volksfreund.de>
Trier. Ende 2019 geht der Trierer Sparkassenchef Günther Passek in den Ruhestand. Diskutiert wird, ob die Bank weiterhin einen dreiköpfigen Vorstand braucht. Ein Professor für Finanzen rechnet im TV vor, wie viel das Geldhaus sparen könnte. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

18 im Landkreis Trier-Saarburg, fünf in der Stadt: Die Sparkasse Trier hat seit 2016 insgesamt rund ein Drittel ihrer Filialen dicht gemacht. Der Grund: Immer weniger Kunden erledigen ihre Bankangelegenheiten in den kleinen Geschäftsstellen. Immer mehr nutzen das Internet für Überweisungen und andere Geldgeschäfte.

1,2 Millionen Euro pro Jahr wollte die Sparkasse mit den Filialschließungen einsparen. Die Geschäfte laufen zwar gut, aber auch die Sparkasse erhält zurzeit für ihre eigenen Geldanlagen kaum noch Zinsen. Um die Gewinne zu schützen, hat sie daher in den vergangenen Jahren zum Beispiel ihre Unterstützung für Vereine und Organisationen heruntergefahren. Unter anderem erhält der Kreismusikverband Trier-Saarburg nur noch 60 000 Euro als Jahresspende statt 70 000 Euro.

Peanuts im Vergleich zum aktuellen Sparpotenzial in der Chefetage der Bank: Insgesamt verdient der dreiköpfige Vorstand nach TV-Informationen inklusive Boni rund eine Million Euro im Jahr. Im Durchschnitt sind das rund 333 000 Euro pro Vorstand. Wobei der Vorstandsvorsitzende Günther Passek entsprechend mehr verdient als seine beiden Mitvorstände (siehe Extra).

Passek geht zum 31. Dezember 2019 in Pension. Für ihn rückt sein Vorstandskollege Peter Späth als Bankenchef nach. Das hat der mit je sechs Kommunalpolitikern aus dem Landkreis und aus der Stadt sowie sieben Sparkassenmitarbeitern besetzte Verwaltungsrat der Sparkasse kürzlich so entschieden (der TV berichtete).

Die freiwerdende Stelle im dreiköpfigen Vorstand, zu dem außerdem noch Martin Grünen gehört, wird ausgeschrieben. Nicht nur mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats, auch Arnold Schmitt, CDU-Landtagsabgeordneter aus Riol, hatten das kritisiert: „Wenn die Sparkasse Filialen schließt, um zu sparen, dann kann sie auch in der Chefetage mit einem Vorstand weniger zurechtkommen“, sagt Schmitt.

Drei Vorstände seien „im Hinblick auf die Größe und Bedeutung des Instituts und der weiter steigenden regulatorischen Anforderungen angemessen“, betonen dagegen Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD), Vorsitzender des Verwaltungsrats, und sein Stellvertreter in diesem Amt, Landrat Günther Schartz (CDU).

Sven Teuber, Trierer SPD-Landtagsabgeordneter, sieht das ebenfalls so: „Auch Sparkassen müssen – etwa wegen neuer europäischer Vorgaben – immer mehr Regulierungen nachkommen. Da ist es gut, wenn die Aufgaben auf drei Paar Schultern verteilt werden können“, sagt Teuber. Dass ein komplettes Vorstandsgehalt bei einer Reduzierung eingespart werden könne, stimme zudem nicht. „Bei Banken mit zwei Vorständen müssen erweiterte Vertretungsregeln umgesetzt werden – und die Mitarbeiter, die diese Aufgaben übernehmen, dafür mehr Geld erhalten.“

Ralf Jasny, Professor für Finanzdienstleistungen an der Universität Frankfurt, stimmt zu: „Die Bankenaufsicht Bafin lässt zwar einen nur zweiköpfigen Vorstand zu, drei Vorstände sind bei einer Bilanzsumme von 4,5 Milliarden allerdings auch absolut in Ordnung – zumal in Nordrhein-Westfalen ähnlich große Sparkassen durchaus auch gerne mal vier Vorstände beschäftigen.“

Die Rechnung, dass bei einem zweiköpfigen Vorstand das eingesparte Gehalt durch dann fällig werdende höhere Zahlungen an zusätzliche Vertreter aufgefressen werde, stimme allerdings nicht.

„Es darf nicht nur das Jahresgehalt eines Vorstands gegengerechnet werden, sondern auch die hohen Pensionszahlungen, die dieser bis zu seinem Tod aus der Kasse der Bank erhält – zusätzlich zur gesetzlichen Rente. Die Rückstellungen für diese Pensionen sind gewaltig: Die Bilanz 2017 der Sparkasse Trier weist für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen mehr als 17 Millionen Euro aus.“ Zum Vergleich: Der Bilanzgewinn der Bank belief sich im Jahr 2017 unterm Strich auf rund neun Millionen Euro. „Wenn Sparkassenvorstände vorzeitig unverschuldet ausscheiden, erhalten sie bis zu ihrem Eintritt ins Rentenalter ein Ruhegehalt von 50 Prozent ihrer letzten Bezüge, bei sehr alten Vorstandsverträgen können es auch noch 75 Prozent sein. So kommt ein Sparkassenvorstand mit einem Gehalt von 300 000 Euro auf ein monatliches Ruhegehalt von 12 500 Euro“, sagt Professor Jasny.

Triers Sparkassenchef Günther Passek scheidet zum 31. Dezember 2019 aus dem Dienst. Reguläres Rentendatum ist für den im Februar 1955 geborenen Banker laut Rentenbeginnrechner der Deutschen Rentenversicherung der 1. Dezember 2020.

Die Sparkassen-Filiale am Trierer Viehmarkt.
Die Sparkassen-Filiale am Trierer Viehmarkt. FOTO: Christiane Wolff