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Stadtentwicklung
Trierer Stadtrat kritisiert Pläne für Neubau der Mäusheckerhalle

Die Sporthalle am Mäusheckerweg wird durch einen Neubau ersetzt. Der bisherige Planentwurf ist allerdings umstritten.
Die Sporthalle am Mäusheckerweg wird durch einen Neubau ersetzt. Der bisherige Planentwurf ist allerdings umstritten. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Aus dem Trierer Stadtrat hagelt es Kritik zum Entwurf der künftigen Sportstätte am Mäusheckerweg. Dass die Halle für Kulturveranstaltungen mit bis zu 1500 Besuchern ausgerichtet werden soll, behagt vor allem CDU und SPD nicht. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Den Beschluss, dass die Sporthalle am Mäusheckerweg für 10,2 Millionen Euro neu gebaut werden soll, hat der Stadtrat in seiner Märzsitzung mit großer Mehrheit gefasst (der TV berichtete). In der Ratssitzung verzichteten die Fraktionen auf eine Diskussion über die vorgesehenen Nutzungsmöglichkeiten der Halle und die Planungsfehler bei der Tribüne, von der die Sicht aufs Spielfeld schlecht ist.

Der Gesprächsbedarf ist allerdings noch groß, wie die Nachfrage des TV bei den Stadtratsfraktionen zeigt: Die UBT schimpft, dass alle nachträglichen Umplanungen nur noch „Kosmetik“ seien. CDU und SPD mahnen an, dass der Hallenbau nicht auf Großveranstaltungen ausgerichtet werden darf. Die Linke dagegen fordert, dass es keinesfalls zu Verzögerungen beim Bau der Halle kommen dürfe.

Hier die kompletten Stellungnahmen der Fraktionen, die zeigen, dass das letzte Wort in Sachen Planung und Nutzungskonzept noch nicht gesprochen ist:

Hans-Alwin Schmitz, UBT: „Braucht Trier noch eine weitere Versammlungsstätte neben Arena, Europahalle und Messepark? Das fragen Vereine, die die Mäusheckerhalle nutzen. Dies sollte nach Meinung der UBT die Verwaltung schlüssig beantworten, vor allem angesichts der Situation, dass die Halle nach wie vor an den Wochenenden gänzlich ausgebucht sein wird. Daher zu Recht die Frage, in welchem Umfang und wann andere Veranstaltungen noch stattfinden können, mit bis zu 1500 Besuchern? Die derzeitigen Baukosten von über zehn Millionen Euro sind neben der Barrierefreiheit der Mehrzwecknutzung geschuldet! Eine rein sportliche Auslegung wäre billiger und würde wieder 100-prozentige Sicht garantieren. Das Ganze ist letztlich Ergebnis schlechter Planung. Alles, was jetzt kommt, ist nur noch Kosmetik!“

Dominik Heinrich, Bündnis 90/Grünen: „Der Entwurf liegt der Stadtverwaltung seit Oktober 2017 vor und hätte im Architektur- und Städtebaubeirat beraten werden müssen. Die Pläne wurden dem Ausschuss erst am 6. März vorgestellt. Unsere Kritik an der Planung und den hohen Baukosten haben wir deutlich formuliert. Möglichkeiten zur Kostenreduzierung sehen wir in einem kompakteren Entwurf sowie einer Verringerung der Zuschauerplätze und den Veranstaltungsgrößen. Der Hinweis des Handballverbands ist berechtigt. Dieses Problem kann in der Ausführungsplanung behoben werden. Trotz unserer Kritik haben wir in der jüngsten Stadtratssitzung dem Baubeschluss zugestimmt – auch um die Fördermittel nicht zu gefährden. Diese Sporthalle ist für die Realschule und den Trierer Vereinssport unerlässlich! Wir vertrauen der Zusicherung der Stadtverwaltung, dass in der weiterführenden Planung alle Möglichkeiten zur Kostenreduzierung geprüft und umgesetzt werden.“

Thorsten Wollscheid, CDU: „Wir haben in der Stadtratssitzung über nichts weniger abgestimmt als über die Frage, ob wir die Halle am Mäusheckerweg weiterhin brauchen. Die CDU hat dies mit einem deutlichen Ja beantwortet. Bei der Planung wurden Fehler gemacht, zum Beispiel bei den Tribünen. Die Verwaltung muss hier unter Beteiligung der Vertreter des Sports nachbessern. Der Baubeschluss war wichtig, um im Förderprogramm des Bundes zu bleiben; eine Finanzierung wäre sonst ungewiss. Die Mäusheckerhalle ist in erster Linie eine für Schul- (Moseltal Realschule und Friedrich-Spee-Gymnasium) und Vereinssport wichtige Turnhalle, unter anderem als Heimstätte der Dolphins. Ein Neubau dieser Größenordnung muss versammlungsstättentauglich sein, das heißt, es müssen mehr als 200 Besucher hierfür zugelassen sein. Es ist aber nicht das Ziel, sie für Bundesliga­sport oder Großveranstaltungen zu errichten – hierfür gibt es die Arena.“

Marco Marzi, SPD: „Der SPD-Fraktion ist es wichtig, dass der Status quo erhalten bleibt – sprich: dass die Halle für den Schul- und Vereinssport genutzt wird, barrierefrei ist und auch die entsprechenden Zuschauer aufnehmen kann. Als Veranstaltungshalle soll sie lediglich für die ein oder andere Schulveranstaltung dienen. Baudezernent Ludwig hat uns zugesagt, dass das Thema „Sichtbarkeit von den Tribünen“ dahingehend berücksichtigt wird, dass es keine Einschränkungen geben wird. Dabei soll auch die Nachrüstung von ausziehbaren Tribünen vorgesehen werden. Auf der Basis dieser Aussagen haben wir in der Stadtratssitzung dem Bau zugestimmt, um das Projekt endlich anzugehen und mit dem Abriss der alten Halle zu beginnen. Klar ist aber, dass wir von Herrn Ludwig erwarten, die Gremien stetig zu informieren und im Sinne des Sports zu agieren!“

Michael Frisch, AfD: „Die AfD-Fraktion wird sich bei den anstehenden Beratungen dafür einsetzen, dass keine Tribünenplätze mit eingeschränkter oder nicht vorhandener Sicht auf das Spielfeld gebaut werden. Die Zahl der Zuschauerplätze ist dem tatsächlichen Bedarf anzupassen, über dessen Größe noch einmal zu diskutieren sein wird. Besonders wichtig ist für uns eine enge Einbindung der fachlichen Expertise der Sportverbände in die weiteren Planungen und in die Entscheidungsfindung. Und natürlich sind die Kosten angesichts der Haushaltslage der Stadt so gering wie möglich zu halten. Auch wenn das ganze Projekt unter einem hohem Zeitdruck steht, können wir uns keine Fehlplanungen leisten.“

Theresia Görgen, Die Linke: „Die Linksfraktion befürwortet ein multifunktionales Hallenkonzept für Sport und Kultur, welches den Bedarf der gesamten Stadt Trier an Veranstaltungshallen ergänzt und aber auch einen sozial sehr bedeutsamen Einfluss auf die betroffenen Randstadtteile haben wird. Der Neubau einer Halle, die mehrere Funktionen miteinander vereinbaren soll, verlangt Anpassungen und Kompromisse von allen zukünftigen Nutzern und Nutzerinnen. Die Prioritäten liegen klar auf der Hand: An erster Stelle wird eine hochwertige Schulsporthalle benötigt, dann eine Halle für den Breiten- und Freizeitsport der Vereine, eine Veranstaltungshalle für soziale und kulturelle Angebote ebenso wie eine Halle für Sportveranstaltungen. Die Barrierefreiheit muss gewährleistet sein. Verzögerungen durch eine grundsätzlich neue Planungsphase darf es nicht geben!“

Tobias Schneider, FDP: „Grundsätzlich ist aus Sicht der FDP klar, dass für die neue Halle die Nutzung für den Schulsport und als Veranstaltungshalle im Vordergrund steht. Diese Nutzungsformen müssen gesichert sein. Bei einem Kostenvolumen im zweistelligen Millionenbereich sollten allerdings durchaus auch die Interessen der Handball- und Basketballspieler Berücksichtigung finden können. Entscheidend sind am Ende die Kosten einer Umplanung. Sollte dies relativ einfach möglich sein, ist dies auch aus Sicht der FDP kein Problem, wenn damit deutliche Verbesserungen gegenüber der ursprünglichen Planung erreicht werden können. Bei deutlichen Veränderungen der Kosten müsste man hierüber wohl nochmal reden. Wir erwarten, dass die Verwaltung in diesem Fall nun bald Klarheit schafft und Lösungen präsentiert.“