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Berufe
Hieroglyphen und Klammeraffen: So arbeiten Übersetzerinnen

Julia Käfer.
Julia Käfer. FOTO: Julia Käfer
Trier. Sie arbeiten im Hintergrund – aber ohne sie geht oft nichts: So arbeiten vier Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen in der Region. Von Julia Schulz

Klammeraffen, Hieroglyphen und Kriminalfälle: Julia Käfer, Carola Bauer, Petra Schulz und Silke Pätz erleben in ihren Jobs als Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen so manche Überraschung. Ihre Arbeit mache sehr viel Spaß, da sind sich die vier Frauen einig.

Doch manchmal haben sie ganz schön zu kämpfen: mit mangelnder Anerkennung und Lohndumping zum Beispiel.

Die vier professionellen Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen aus Trier gewähren einen Einblick in den Arbeitsalltag ihres Berufsstands, ohne den in vielen Kanzleien, Gerichten und Verwaltungen in der Region vieles nicht rund liefe. Auch die europäischen Institutionen im benachbarten Luxemburg sind auf professionelle Dolmetscher und Übersetzer angewiesen – viele Angehörige des Berufsstands pendeln jeden Tag von Trier aus über die Grenze.

Übersetzer und Dolmetscher unterscheidet, dass Übersetzer die ihnen vorgelegten Texte schriftlich von einer in die andere Sprache übertragen, während Dolmetscher dagegen mit der gesprochenen Sprache arbeiten.

Julia Käfer, freiberufliche Diplom-Übersetzerin in Trierweiler: Seit wann helfen Klammeraffen dabei, Knochenbrüche zu heilen? Das hat sich Julia Käfer beim Korrekturlesen einer übersetzten Produktbeschreibung von medizinischen Schienen gefragt. Im Französischen gebe es sehr ähnliche Begriffe für Schiene und Klammeraffe, die der Übersetzer verwechselt habe. Wäre Käfer dieser Fehler nicht aufgefallen, hätten sich die französischen Kunden sicherlich gewundert. Dieser Fall zeige, wie wichtig qualifizierte Übersetzer gerade für Unternehmen seien, sagt Käfer. Hauptberuflich übersetzt sie die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch.

Carola Bauer, freiberufliche Diplom-Übersetzerin in Trier: Neben einem Studium der Übersetzungswissenschaften in Saarbrücken hat Carola Bauer auch ein komplettes BWL-Studium absolviert. Ihr mache es Spaß, in ihren Fachgebieten Wirtschaft, Urkunden, Verträge und Recht so lange an Texten in französischer, englischer oder deutscher Sprache herumzufeilen, bis sie zufrieden sei. Eine Herausforderung, der sich Übersetzer aktuell stellen müssten, seien die neuen „Übersetzungstools“ wie Google-Übersetzer zum Beispiel. Viele Auftraggeber gingen davon aus, dass sie dadurch schneller übersetzen könne. Nicht immer sei das realistisch.

Petra Schulz, freiberufliche Diplom-Übersetzerin in Trier: „Manchmal arbeite ich auch als Hieroglyphenleserin“, erzählt Petra Schulz. Sie übersetzt juristische Fachtexte, Urkunden und Zeugnisse ins Englische, Deutsche oder Italienische. „Da ist auch schon mal ein handgeschriebenes Testament auf 50 Jahre altem Papier dabei. Den Autor kann ich dann leider nicht mehr fragen, was genau er gemeint hat.“ Obwohl sie ihren Job gerne macht, frustriert sie oft die geringe Wertschätzung, die Übersetzern entgegengebracht werde. Ihr Stundenlohn sei ungefähr so hoch wie der eines Handwerkers, doch viele Menschen seien nicht bereit, für eine Übersetzungsleistung diesen Preis zu zahlen. Sogar Behörden hätten ihr Rahmenverträge angeboten, um das gesetzlich festgelegte Gehalt zu umgehen. Dennoch arbeitet sie gerne als Übersetzerin und findet es schön, „Menschen zu helfen, sich zu verstehen“.

Silke Pätz, Dolmetscherin beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg: Kindesentführungen und Inhaftierungen: Mit diesen Themen sind nicht nur Polizisten, sondern auch die Dolmetscher beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg konfrontiert. Sie tragen dazu bei, dass am Ende eines langen Prozesses nicht der falsche Mensch verurteilt wird. Silke Pätz’ Spezialgebiet ist das Simultandolmetschen: Sie übersetzt, während der Redner weiterspricht. Das kann sie gleich aus fünf Sprachen - Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Niederländisch - ins Deutsche. „Schwierig wird es allerdings, wenn nervöse Redner zum Beispiel ihr Plädoyer im Eiltempo verlesen“, erzählt sie. Eins schätzt sie an ihrem Beruf besonders: „Es wird nie langweilig.“

Carola Bauer.
Carola Bauer. FOTO: Carola Bauer
Petra Schulz.
Petra Schulz. FOTO: Julia Schulz
Silke Pätz.
Silke Pätz. FOTO: Silke Pätz