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Stadtentwicklung
Manche mögen’s süß: Heiße Waffeln in der Trierer Fleischstraße

 Die Franchise-Kette Waffle Brothers eröffnet am Samstag in der Trierer Fleischstraße.
Die Franchise-Kette Waffle Brothers eröffnet am Samstag in der Trierer Fleischstraße. FOTO: Christiane Wolff
Trier. Diesmal keine Burger und auch keine Currywurst, sondern Gebäck: Am Samstag eröffnet der nächste neue Gastro-Laden in der Trierer City. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Feine Pflanzenranken klettern an der Fassade des Jugendstilhauses in der Trierer Fleischstraße 45 bis ins Dachgeschoss. Das Besondere: Äste und Blattwerk sind aus Sandstein akkurat herausgearbeitet, nicht aus Gipsstuck wie üblich bei ähnlichen Bauten aus den Jahren um 1900. Das Haus, das seine beiden Nachbargebäude um gut eineinhalb Stockwerke überragt, steht wegen seiner für die Trierer Altstadt einzigartigen Jugendstilfassade denn auch unter Denkmalschutz.

Das Ladenlokal im Erdgeschoss steht seit fast eineinhalb Jahren leer. Im Oktober 2017 schloss das Markenschuhgeschäft Ragazza nach 24 Jahren seine Türen zum letzten Mal. Der Konkurrenzdruck durch das Internet sei besonders in der Schuhbranche groß, bei gleichzeitig steigenden Mieten das Geschäft nicht mehr zu halten, begründete das Inhaberehepaar damals die Aufgabe ihres Geschäfts.

Mit einer Waffelbäckerei soll der leerstehende Laden nun wiederbelebt werden. Am Samstag eröffnen dort die Waffle Brothers. Im Sortiment: belgische Waffeln, Herzwaffeln und Waffeln am Stiel, so genannte Waffellollies, für Kinder. Zu den Waffeln – wahlweise auch in zucker-, milch- und mehlfreien Varianten und auch vegan – stehen rund ein Dutzend verschiedene Soßen zum Garnieren zur Auswahl, dazu Früchte und etliche Beilagen, von bunten Schokolinsen bis zum Mandelkrokant. Dass er mit dem Gastrokonzept den Fleischstraßen-Mietzins stemmen kann, davon ist Serdal Oerdek überzeugt. „Wir haben uns Trier ganz bewusst ausgesucht: Viele Touristen, viele Luxemburger und die große Anziehungskraft als Einkaufsstadt haben uns überzeugt“, sagt der 40-Jährige, der den Waffel-Brothers-Laden als Franchisenehmer betreiben will. Erfahrung als Gastronom hat der gebürtige Pfälzer, der seit 25 Jahren in Köln lebt, nicht. „Wir sind Quereinsteiger, aber überzeugt von dem Konzept“, sagt Oerdek.

Die Waffle Brothers haben sich 2015 in Berlin gegründet. Dort gibt es mittlerweile drei Filialen, eine vierte ist geplant. Die Berliner Läden haben bis spät in den Abend auf, an Wochenenden sogar bis Mitternacht. Die Franchise-Kette, bei der Interessierte den Markennamen, Konzept und Rezepte gegen Gebühr übernehmen und eigene Läden eröffnen können, hat bislang zwölf Läden in ganz Deutschland und ist auf Expansionskurs.

„Die Miete in der Fleischstraße liegt im mittleren Bereich“, verrät Franchise-Nehmer Serdal Oerdek. „In Köln müssten wir in ähnlich guter Lage für die gleiche Größe mindestens das Doppelte hinlegen, in Berlin definitiv auch mehr als in Trier, aber nicht so viel wie in Köln.“ Zunächst soll der Waffle-Brothers-Laden in der Fleischstraße von 10 bis 21 Uhr geöffnet sein, „später vielleicht auch länger“, sagt Oerdek. „Und wenn die Stadt es uns genehmigt, würden wir im Sommer auch gerne vier, fünf Tische auf die Fleischstraße stellen als Außenterrasse.“ Ein entsprechender Antrag liegt der Stadtverwaltung noch nicht vor. Rathaussprecher Michael Schmitz: „Wir können zu dem Thema daher erst etwas sagen, wenn die geplante Nutzung konkret beantragt wird und das erforderliche Anhörverfahren der beteiligten Fachämter durchgeführt ist.“