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Stadtbild
Mahatma Gandhi, der unerwartet Große

Trier. Fast wie bei Karl Marx: Auch die geschenkte Büste, die auf einem Schulhof aufgestellt werden soll, fällt größer aus als erwartet.
Christiane Wolff

„Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ Wer hat’s gesagt? Richtig, Mahatma Gandhi.

Nun hatte der indische Freiheitskämpfer und Pazifist dabei fraglos anderes im Sinn als das Trierer Stadtbild. Trotzdem passt das Zitat zur aktuellen Stadtgeschichte wie die Faust aufs Auge, oder – passender gesagt, haha – die Karl-Marx-Statue auf den Simeonstiftplatz.

Es schickt sich nämlich die Wiederholung einer vieldiskutierten Episode der Stadtgeschichte an. In viel kleinerem Format, zugegeben. Der Déjà-vu-Effekt ist trotzdem frappierend.

Es trug sich nämlich zu, dass der indische Botschafter nach seinem Besuch in Trier im Jahr 2016 der Stadt ein Geschenk anbot. Eine Büste des indischen Nationalhelden Mahatma Gandhi. Die Stadt sagte Ja und wählte als Standort den Schulhof des Auguste-Viktoria-Gymnasiums, das seit Jahrzehnten Benefiz-Projekte für Indien veranstaltet.

Das Rathaus ging von einem kleinen Geschenk aus. Mit „einem Kopf mit Schultern in Lebensgröße“ habe man gerechnet, erklärt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage. Für die kleine Büste sollte ein kleiner Sandsteinsockel gebaut werden, etwa 30 mal 30 Zentimeter groß. Geschätzte Kosten: 5000 Euro.

Na, klingelt’s schon? Geschenk aus dem Fernen Osten, Denkmal, kleiner, billiger Sockel – das war doch alles schon mal so geplant. Und jetzt steht ein von China geschenkter 5,40 Meter großer Marx-Koloss auf dem Simeonstiftplatz.

Bei Gandhi sind die  Ausmaße nicht ganz so beeindruckend. Aber auch er wird deutlich größer als die geplanten 30 mal 30 Zentimeter. Und der Sockel gut dreimal so teuer.

„Die Büste wird 1,06 Meter breit, 66 Zentimeter tief, knapp einen Meter hoch und 200 Kilogramm schwer“, beschreibt die Stadt, was in der indischen Kunstwerkstatt Ram Sutar Fine Arts für Trier geschaffen wurde.

Das Konzept des Rathauses, die Büste so aufzustellen, dass sie insgesamt der Lebensgröße Gandhis entspricht, sei damit nicht mehr umzusetzen, räumt Schmitz ein. Gandhi – der im nächsten Jahr übrigens 150. Jahre alt würde – war ganze 1,64 Meter groß. Bei einer Büste von 1,06 Metern blieben also noch 58 Zentimeter für den restlichen Körper. Ohne Sockel.

Apropos Sockel: Statt einer zierlichen Stele wird jetzt gemauert, um dem Mega-Kopf eine stabile Basis zu geben. Dazu kommen vier Sitzbänke für die Schüler und eine Gedenktafel für Gandhi. Derzeit prognostizierte Kosten für die Stadtkasse: rund 16 000 Euro. Die Büste selbst ist übrigens bereits in Trier angekommen, allerdings noch gut verpackt. Fotos gibt’s keine. Aufgestellt werden soll das Denkmal in diesem Herbst. Die indische Botschafterin wird zur Enthüllung und Einweihung erwartet.