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Stadtentwicklung
Ende einer Ära: Die Halle am Mäusheckerweg wird abgerissen

Manuel Becker von der Firma MTB steuert den Greifarm des Roboters, der das ehemalige Kassenhäuschen abreißt. Auch im Inneren der Mäusheckerhalle hat die Demontage begonnen.
Manuel Becker von der Firma MTB steuert den Greifarm des Roboters, der das ehemalige Kassenhäuschen abreißt. Auch im Inneren der Mäusheckerhalle hat die Demontage begonnen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Ein Roboterbagger zerlegt die Innenaufbauten, bis Ende November soll der komplette Bau verschwunden sein. Für Juni 2020 plant Dezernent Andreas Ludwig die Einweihung des anschließenden Neubaus. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Guildo-Horn-Konzerte, Pfalzeler Karneval, hartes Handballtraining und wohl manche Träne, die verdrückt wurde, weil man im Schulsport mal wieder als letzter ins Team gewählt wurde. Und – natürlich – legendäre Spiele der Trierer Basketballer (siehe Bericht „Die Charly-Show bleibt unvergessen“): Die Sporthalle am Mäusheckerweg hat seit ihrem Bau in den 1970ern viel erlebt – und war wohl für Tausende Trierer ein fester Bezugspunkt.

Wegen Baufälligkeit ist die große Dreifeldhalle seit 2014 geschlossen. Der Schul- und Vereinssport ist seitdem auf andere Sporthallen im ganzen Stadtgebiet aufgeteilt.

Ein Blick ins Innere der alten Mäusheckerhalle lässt ahnen, warum deren Sanierung wohl fast so teuer geworden wäre wie ihr Neubau. Hinter den bereits abgebauten Prellwänden ist das Mauerwerk zu sehen. Nicht versetzt, sondern exakt übereinander sind die Ziegel gesetzt, mit schnurgeraden, meterlangen Senkrechtfugen. „Und die Mauer ist auch nirgendwo verankert“, sagt Triers Baudezernent Andreas Ludwig beim Pressetermin vor Ort. „Das hätte so nie gebaut werden dürfen – und jederzeit umfallen können“, sagt der gelernte Architekt. Auch ein Blick in Richtung Dach offenbart Mängel: Deutlich ist zu sehen, dass sich die Betonplatten, die zwischen den Trägern liegen, die die Halle quer überspannen, deutlich durchbiegen. „Das hätten wir alles abreißen und neu machen müssen bei einer Sanierung, dazu alle Versorgungsleitungen, Barrierefreiheit und so weiter – da ist ein Neubau wirtschaftlicher“, ist Ludwig überzeugt.

Sportgeräte, Matten, Bälle wurden schon vor Jahren aus der Halle geräumt, um sie woanders zu nutzen. Jetzt wird der Innenaufbau abgerissen. Die Firma Mehringer Tiefbaugesellschaft MTB setzt dafür einen etwa 2,5 Meter hohen Roboter mit Greifarm ein, der von Vorarbeiter Manuel Becker per Fernsteuerung gelenkt wird. „Der Roboter arbeitet so viel wie fünf Männer – wir bekommen den Abriss also schneller erledigt beziehungsweise mit weniger Leuten“, sagt Dirk Umbach, MTB-Geschäftsführer. Wo seine Arbeiter sonst mit dem Schneidbrenner die Metallrahmen des ehemaligen Kassenhäuschens im Foyer zerteilen würden, beißt der Roboter einfach ab und räumt die Rahmenteile auf einen Haufen. „Für meine Mitarbeiter ist das viel ungefährlicher, als wenn sie das per Hand erledigen würden – und auch gesünder, weil sie weniger Baustaub einatmen“, sagt Umbach. Gefährliche Altlasten habe man in der Halle weniger gefunden als befürchtet. „Wir haben wenig Steinwolle, ganz wenig Asbest und auch nur ein bisschen PCB-Kleber zu entsorgen“, sagt Umbach.

Sind die Innenaufbauten weg, kommen ab Anfang November große Bagger und Kräne zum Einsatz, um das Stahlbetonskelett der Halle zu zerlegen. Ende November wird die legendäre Trierer Sportstätte endgültig Geschichte sein. Die Erdarbeiten zum rund 10,2 Millionen Euro teuren Neubau sollen im Dezember starten. „Ab Februar legen wir dann mit dem Rohbau los“, sagt Ludwig. Im Juni 2020 werde Einweihung gefeiert, hofft der Dezernent.

Um sich kurzfristig um einen Zuschuss aus einem von Bund und Land aufgelegten Sondertopf bewerben zu können, hatte die Stadt zunächst den von einem beauftragten Architekturbüro vorgelegten Neubauplänen kritiklos zugestimmt. Nach Protesten von Sportfunktionären und Vereinen wurden die Pläne in den vergangenen Monaten allerdings mehrfach geändert: Statt einer Galerietribüne mit stark eingeschränkter Sicht aufs Spielfeld werden nun Ausziehtribünen eingebaut, die sich vom Hallenboden nach oben erstrecken.

Auch die ursprünglich geplante monströse Treppen- und Rampenanlage als Zugang zur Halle wird nicht gebaut. „Wir haben die barocken Pläne abgespeckt“, sagte Ludwig. Wie genau die Zuwegung stattdessen aussehen soll, stehe noch nicht fest. „Aber wir wollen möglichst einfache, möglichst kurze Wege für Fußgänger und Rollstuhlfahrer vom Parkplatz in die Halle“, verspricht Ludwig.

Abriss in der Mäusheckerhalle. Foto: Friedemann Vetter
Abriss in der Mäusheckerhalle. Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
FOTO: Christiane Wolff