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Stadtentwicklung
Triers neues schönes Moselufer

Ufer mit Ausblick: Die Sitzbänke gehören zu den neuen Elementen.
Ufer mit Ausblick: Die Sitzbänke gehören zu den neuen Elementen. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Nach zwei Jahren Bauzeit und einer Investition von mehr als fünf Millionen Euro ist der Deich in Zurlauben wieder fit und sicher. Doch das ist bei weitem nicht alles. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Ein trüber und wolkenverhangener Tag Ende Juni 2016. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) stehen am Moselufer im Norden Triers und sprechen über ihre Pläne. „Wir wollen, dass die Leute wieder gerne an die Mosel gehen“, sagt Leibe und stellt seine Vision für ein sicheres und schönes neues Moselufer in Zurlauben vor.

Triers Verwaltungschef wirkt während dieses Termins zwar optimistisch, aber dennoch weiß er ebenso wie der Baudezernent, dass große Visionen auch Risiken bergen, dass große Bauprojekte ihre Budgets gnadenlos überschreiten können und dass auch die besten Pläne manchmal durch politische oder wirtschaftliche Realitäten vereitelt werden.

Am Samstagmorgen werden Leibe und Ludwig wieder am Moselufer stehen. Um Risiken, Budgets oder ein mögliches Scheitern müssen sie sich dann keine Sorgen mehr machen. Die Stadt Trier und das Land Rheinland-Pfalz wollen den sanierten Deich und das neu gestaltete Zurlaubener Ufer feierlich eröffnen. Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) kommt aus Mainz und hat die Ehre, das Projekt freizugeben.Schließlich trägt das Land rund 90 Prozent der Kosten.

Zwei Jahre lang war Zurlauben eine Baustelle. Der Zeitrahmen wurde wegen Wetter- und Lieferproblemen gesprengt, das beliebte Moselfest musste Sperrungen und Einschränkungen hinnehmen (der TV berichtete mehrmals). Doch jetzt ist die Bauphase abgeschlossen. Der 80 Jahre alte Hochwasserschutzdeich wurde auf  600 Metern zwischen Kaiser-Wilhelm-Brücke und Jugendherberge saniert – das war das primäre Ziel des millionenschweren Bauprojekts. Die Stadt Trier hat die Chance genutzt und das beliebte Moselufer bei Zurlauben nach dem Motto „Wenn wir schon mal dabei sind“ mit wenigen, aber effektiven Griffen klar aufgewertet.

Stadt-Sprecher Michael Schmitz fasst zusammen: „Die städtebaulichen Aktionen waren der Neubau der Freitreppe als Achse zwischen oberer und unterer Uferpromenade, die bessere Erschließung zum Georg-Schmitt-Platz, die  beleuchtete Uferpromenade, die Aufwertung durch Sitzsteine, Sitzstufen und Bänke, barrierefreie Zugänge sowie die integrierten, neu gestalteten Außenterrassen für die Gastronomie.“

Die Summe all dieser Aktionen ist die bisher klarste und erfolgreichste Umsetzung des Prinzips „Stadt am Fluss“, das seit mehr als zehn Jahren immer mal wieder in der Stadtpolitik auftaucht, aber aufgrund fehlender Mittel, Möglichkeiten und Motive nie umgesetzt worden ist.

Die Stadt Trier hat 800 000 Euro in Zurlauben investiert. Den Löwenanteil des Projekts, 4,5 Millionen Euro, zahlt das Land. Damit hat das Großprojekt den vor zwei Jahren angekündigten Kostenrahmen von insgesamt fünf Millionen Euro knapp um 300 000 Euro überschritten. Es hätte schlimmer kommen können – bei Vorhaben dieser Größenordnung ist eine Überschreitung um zehn Prozent oder mehr nicht selten.

Trotz aller Erfolge war die Bauphase sehr lang. Wie sehen die Gastronomen im Uferbereich die Lage? Paul Bauer ist der Vorsitzende der siebenköpfigen Interessengemeinschaft Wirte in Zurlauben.

„Die Neugestaltung des Hochwasserschutzes und der Straße Zurlaubener Ufer mit ihren Terrassen kann man positiv bewerten“, sagt Bauer auf Anfrage des TV. „Ob mehr Besucher kommen werden, kann ich nicht beurteilen, sondern nur hoffen. Denn es steht fest, dass die Bauarbeiten und die schlechte Parkplatzsituation den Umsatz erheblich beeinträchtigt haben.“

Kommentar:

Klarer Erfolg mit kleinen Schritten

Die arme und hoch verschuldete Stadt Trier hat kein Geld, keine Chance, keine Möglichkeiten, aus ihrem Moselufer in seiner gesamten Länge ein Schmuckstück der Naherholung zu machen. Damit liegt ein enormes Potenzial völlig brach, doch die vielen Pflichten und Zwänge des Haushalts und Brennpunkte wie das Jugendzentrum Exhaus, das dringend Hilfe braucht und aktuell in der Tat wichtiger ist, lassen es nicht zu, der Mosel Priorität einzuräumen.

In dieser Situation sah die Rathausspitze eine Chance und ergriff sie. Die Sanierung des Damms in Zurlauben stand an, das Land zahlte den Großteil der Rechnung – und die Stadt klinkte sich ein, investierte in kleine, aber effiziente Schritte und erreichte damit eine deutlich sichtbare und wirtschaftlich machbare Aufwertung des enorm wichtigen Uferstücks in Zurlauben. Das ist nicht der große Wurf zum schon ewig diskutierten Thema Stadt am Fluss, doch es ist ein klarer Erfolg. Mehr als kleine Schritte, mehr als das Erreichen des Machbaren gibt die Kommunalpolitik eben sehr oft nicht her.

j.pistorius@volksfreund.de