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Weltkulturerbe
Trierer Ada-Evangeliar: Golden und unschätzbar wertvoll - Antwort der Unesco zum Weltkulturerbe-Antrag

Ada-Evangeliar
Ada-Evangeliar FOTO: Stefanie Braun
Trier. Einer der größten Trierer Schätze könnte schon bald zum Unesco-Weltkulturerbe werden - das Ada Evangeliar, eine der kostbarsten Handschriften aus der Hofschule Karls des Großen. Jörg Pistorius

Der prachtvolle Einband ist aus Gold, der lateinische Text der vier Evangelien ist mit goldener Tinte geschrieben. Das Ada Evangeliar gehört zu den kostbaren alten Werken, die in der Trierer Stadtbibliothek beschützt und gehütet werden. Die im Zeitraum zwischen 790 und 810 entstandene Schrift könnte bereits im kommenden Jahr ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen werden. Der Antrag läuft bereits.
Bürgermeisterin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen) hatte im Kulturausschuss gute Nachrichten im Gepäck, denn die Unesco hat geantwortet: "Die Unesco hat empfohlen, mit den Inhabern der weiteren Prachthandschriften Kontakt aufzunehmen und eine Gemeinschaftsnominierung in Betracht zu ziehen."

Die weiteren Handschriften, von denen Birk sprach, gehören zur sogenannten Ada-Gruppe. Diese umfasst Werke der Buchmalerei am Hof Karls des Großen, die nach dem Ada-Evangeliar benannt wurden. Dazu gehören das Godescalc-Evangeliar und das Angilbert-Evangeliar aus Sankt Médard in Soissons, beide werden gehütet in der Bibliothèque Nationale de France in Paris. Das Lorscher Evangeliar wird in der Nationalbibliothek Bukarest und der Vatikanischen Bibliothek in Rom aufbewahrt.

Die Unesco hat die gemeinsame Nominierung dieser Werke empfohlen. Das hat Sinn, denn es gibt keine Obergrenzen für multinationale Nominierungen. "Auf diesem Weg wäre eine Einreichung bereits 2018 möglich", erklärte Birk. Eine Einzelnominierung des Ada Evangeliars könnte dagegen frühestens 2020 in Angriff genommen werden.
Über die Herkunft des Wortes Ada gibt es zwei zentrale Theorien. Beide gehen davon aus, dass es sich um einen weiblichen Vornamen handelt und dass die Dame die Auftraggeberin der Ada-Handschrift war. Theorie eins besagt, Ada sei eine Schwester Karls des Großen gewesen. Theorie Nummer zwei beruht auf anderen Quellen und hält Ada für eine Äbtissin.

Bibliotheksdirektor Professor Michael Embach hat bereits Bibliotheken in Österreich, Rumänien, Italien, England und Frankreich angeschrieben. Ob eine Einreichung 2018 möglich ist, wird sich bald entscheiden.

Das Ada Evangeliar ist übrigens nicht die einzige unschätzbar wertvolle Schrift in den Räumen der Stadtbibliothek Trier. Sie hütet auch die Trierer Apokalypse und den Codex Egberti - der älteste Bildzyklus, der das Leben Jesu Christi zeigt, und eine der weltweit bedeutendsten Handschriften aus dem Mittelalter ist.

Die kostbaren alten Werke liegen hinter drei gepanzerten Türen, und nur wenige Auserwählte bekommen sie tatsächlich zu sehen. Innen ist modernste Technik am Werk. Diese sorgt nicht nur für konstante 18 bis 20 Grad und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit, sondern wird auch jeden Versuch eines Einbruchs aussichtslos scheitern lassen.
Die Stadt Trier hat in höchstem Maße von der Französischen Revolution und der Säkularisation profitiert. Als Frankreich die Klöster und Stifte aufhob und deren Bibliotheken herrenlos wurden, sind viele Schriften verkauft oder - aus heutiger Sicht unvorstellbar - verschenkt worden.

Da Trier unter französischer Herrschaft die Hauptstadt des Saardepartements war, erhielt die Stadt 1802 die sehr alten Handschriften und Drucke, die heute zu den wertvollsten Dokumentationen des Christentums im Mittelalter gehören.