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Tankstellenstreit
Grüngürtel gegen blaue Lagune

Ein Foto aus dem Jahr 2004: Schon damals diskutierte man in Trier intensiv über die Tankstelle in der Ostallee. Sie hat sich bis heute nicht bewegt oder verändert. Foto: Archiv/Marc Rauen
Ein Foto aus dem Jahr 2004: Schon damals diskutierte man in Trier intensiv über die Tankstelle in der Ostallee. Sie hat sich bis heute nicht bewegt oder verändert. Foto: Archiv/Marc Rauen
Trier. Die Zukunft einer Tankstelle lässt gegensätzliche Philosophien über ein modernes Stadtbild aufeinanderprallen. Jörg Pistorius

Trier Der Tag der Entscheidung rückt näher. Am 10. Dezember sind 86 000 wahlberechtigte Trierer aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Soll die Aral-Tankstelle in der Ostallee wie vom Stadtrat beschlossen zum Jahresende für immer schließen, oder soll ihr Pachtvertrag um zehn Jahre - plus eine Option auf weitere fünf - verlängert werden?
Die Stadtverwaltung Trier tritt der Idee einer Pachtverlängerung gestern auf einer Pressekonferenz mit geballter Kompetenz entgegen. Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) appelliert eindringlich an alle Trierer: "Bitte halten Sie Ihre eigene Bequemlichkeit und das Einkaufen rund um die Uhr doch nicht für wichtiger als Tausende Jahre Stadtentwicklung." An seiner Seite und nicht weniger eindringlich erläutern Iris Wiemann-Enkler (Stadtplanungsamt), Christine-Petra Schacht (Grünflächenamt) und Angelika Meyer (Abteilungsleiterin Denkmalpflege) die historische, bauliche, optische und gesundheitliche Bedeutung des Grüngürtels um den Alleenring herum. Ihre Botschaft ist klar: Die Tankstelle muss weg.
Dem gegenüber stehen die Argumente der Befürworter, deren Initiative den ersten Bürgerentscheid der Stadt Trier ermöglicht hat. Sie wollen die Tankstelle an Ort und Stelle in der Ostallee erhalten, der Stadt die Pachteinnahmen und den Trierer Nachtschwärmern das Einkaufen rund um die Uhr sichern.
Doch wie geht es weiter nach dem 10. Dezember? Baudezernent Ludwig nimmt Stellung.
"Wenn die Mehrheit für die Tankstelle stimmt und das Quorum von 15 Prozent der Wahlberechtigten, rund 13 000 Stimmen, erreicht wird, dann werden wir uns daran halten und den Pachtvertrag verlängern", sagt Ludwig. Der blaue Spritversorger bleibt weitere zehn Jahre in der Ostallee - so wie er jetzt ist. Denn eine Modernisierung oder Erneuerung lässt der Bebauungsplan nicht zu. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Stadtrat oder die vielen anderen Institutionen, die in einem solchen Fall zu hören sind, neues Baurecht schaffen, damit die Tankstelle sich erneuern kann." Das im März diskutierte Angebot des Ölkonzerns BP, eine neue und schönere Tankstelle mit Ladestationen für Elektromobile und einem Wasserspiel zu bauen, ist damit endgültig passé.
Sagt die Mehrheit am 10. Dezember dagegen "Nein Tanke", dann will die Stadt den Ölversorger sofort an seine vertraglichen Pflichten erinnern: den schnellstmöglichen Abriss der blauen Lagune und dazu die Zahlung von 200 000 Euro an die Stadt Trier. "Mit dieser Summe können wir schon was machen", sagt Andreas Ludwig. "Wir werden einen Wettbewerb starten und Ideen sammeln."
Der Trierische Volksfreund veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Verein Baukultur Trier ein öffentliches Diskussionsforum am Montag, 4. Dezember, um 20 Uhr im kleinen Saal der Tufa Trier. Mit dabei sind Baudezernent Andreas Ludwig, Markus Römer, Initiator des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Tankstelle; Lothar Schmitz, Betreiber der Aral-Tankstelle; Matthias Sieveke, Professor für Konstruktion und Gebäudetechnologie an der Hochschule Trier.
Parallel zur hitzigen Diskussion hat der Trierer Frank Jöricke eine Online-Petition gestartet. Sein Ziel: Das rheinland-pfälzische Ladenöffnungsgesetz muss geändert werden, so dass Kioske oder Büdchen nicht nur in Bahnhofsnähe, sondern überall betrieben werden dürfen - auch zwischen 22 Uhr und sechs Uhr. Die Zeichnungsfrist endet am 8. Januar, bisher gibt es 37 Unterstützer.Meinung

Trier braucht ein klares Votum
Tiefkühlpizza nachts um halb zwei oder ein Grünstreifen ohne blaue Unterbrechung: Am 10. Dezember fällt die Entscheidung. Es gibt dann tatsächlich nur einen einzigen Fehler, den jeder der 86 000 Wahlberechtigten in Trier machen kann - gar nicht abzustimmen. Die Quote von 15 Prozent muss erreicht werden, ein klares Votum der Mehrheit ist hier unglaublich wichtig. j.pistorius@volksfreund.de