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Geschichte
Trierer Gymnasiasten suchen in Auschwitz nach ermordeten Mitschülern

Die sechs Schüler des MPG mit dem luxemburgischen Europa-Abgeordneten und früheren Verteidigungsminister Charles Goerens, dem Gründer von „ Témoins de la 2ème Génération“.
Die sechs Schüler des MPG mit dem luxemburgischen Europa-Abgeordneten und früheren Verteidigungsminister Charles Goerens, dem Gründer von „ Témoins de la 2ème Génération“. FOTO: Jens Kornmüller
Trier. Elf  ehemalige jüdische Schüler und Lehrer des Max-Planck-Gymnasiums wurden von den Nazis in Auschwitz getötet. Jetzt haben sechs Jugendliche einen der letzten Auschwitz-Überlebenden getroffen und nach dem Schicksal der ehemaligen Schüler im Konzentrationslager geforscht.

(red) Sechs Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums haben im polnischen Oświęcim einen der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz getroffen. Sie zeigten sich von seiner Lebensgeschichte tief beeindruckt. Der inzwischen 92-jährige Belgier Paul Sobol war 1944 als 17-Jähriger in das Vernichtungslager verschleppt worden.

Seine Eltern wurden im Holocaust ermordet. Sobol berichtete ihnen, wie er nur durch Zähigkeit und Glück seiner Ermordung entkommen konnte. Eingebettet waren diese Gespräche in Führungen durch das Stammlager Auschwitz I sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, bei denen Sobol von seinem Überleben im Lager berichtete.

„Hier dieselben Gebäude zu betreten, in denen die Häftlinge in den letzten Stunden und Tagen ihres Lebens sein mussten, ist schon bedrückend. Auch der Anblick der Krematorien, der Folterkeller sowie der Berge von abgeschnittenen Haaren oder geraubten Koffern, Brillen und Schuhen bewegt sehr. Das ist nur schwer zu ertragen“, äußert sich Nina von Wenzlawowicz.
Im Museum des Konzentrationslagers Auschwitz I suchten die Jugendlichen im „Großen Buch“ auch nach den Namen der elf  ehemaligen jüdischen Schüler und Lehrer des Max-Planck-Gymnasiums, die in Auschwitz getötet wurden.

Nur zwei ehemalige MPG-Schüler wurden von den Alliierten befreit und überlebten. „Das hat dann noch einmal eine andere Wirkung, wenn man realisiert, dass hier auch Menschen ermordet worden sind, die in dieselbe Schule wie ich gegangen sind und in denselben Klassenräumen gesessen haben“, sagt Schülersprecher Titus Pütter.

Der in Auschwitz ermordeten Schüler will das Max-Planck-Gymnasium im Juni durch die Verlegung von „Stolpersteinen“ gedenken. „Wir haben bisher nur einen einzigen Stolperstein verlegt. Nun werden wir im Sommer 2019 zunächst einmal mehr als 30 weitere Gedenksteine verlegen lassen“, kündigt Geschichtslehrer Jens Kornmüller an, der im Vorfeld des 200. Jahrestags der Schulgründung Nachforschungen angestellt hat.

Auf das heutige MPG sind zwischen 1880 und 1920 jährlich 35 bis 40 Schüler jüdischen Glaubens gegangen. Das entsprach bis zu 15 Prozent der Schülerschaft – bei einem Anteil von etwa einem Prozent in der Trierer Bevölkerung. An dieses Erbe wolle das MPG nun endlich erinnern.

„Wir sind dankbar, dass wir als einzige deutsche Schule von der luxemburgischen Organisation  „Témoins de la 2ème Génération“ eingeladen worden sind, um gemeinsam mit etwa 150 Jugendlichen aus Luxemburg nach Auschwitz reisen und diese Erfahrungen machen zu dürfen“, bedankte sich der Oberstufenschüler Moritz Müller bei Luxemburgs ehemaligem Verteidigungsminister Charles Goerens, der die Organisation vor 22 Jahren gegründet hat.

Die Studienreise endete für die Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums mit einem Rundgang durch die Stadt Krakau, der zu den Drehorten des Films „Schindlers Liste“ führte.