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Bildung
Mädchengymnasium künftig auch offen für Jungs?

In Zukunft könnte es am Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasium Trier (AMG) erstmals auch eine Jungenklasse geben.
In Zukunft könnte es am Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasium Trier (AMG) erstmals auch eine Jungenklasse geben. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund
Trier. Das Trierer Angela-Merici-Gymnasium ist ein reines Mädchengymnasium, das von Schülerinnen aus der Stadt Trier, dem Landkreis Trier-Saarburg und aus Orten darüber hinaus besucht wird. Nun könnten Veränderungen anstehen. Von Harald Jansen
Harald Jansen

Sie kommen aus der Stadt Trier, aus Konz, Saarburg, Schweich und auch aus dem Saarland. Bisher sind die Klassen 5 bis 10 des bischöflichen Angela-Merici-Gymnasiums (AMG) eine weibliche Domäne. Ebenso wie in der ebenfalls in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Trierer Blandine-Merten Realschule ist das AMG (siehe Info) eine reine Mädchenschule. Reine Jungenschulen gibt es in der Region Trier hingegen nicht.

Nach einem längeren Diskussionsprozess kann sich nun die Schulgemeinschaft des AMG vorstellen, künftig auch Jungen aufzunehmen. Dazu sagt Direktor Dr. Mario Zeck: „Es hat immer wieder Diskussionen gegeben.“

Nun sei man zum Schluss gekommen, künftig neben zwei reinen Mädchen- auch eine reine Jungenklasse aufzunehmen. Gründe dafür gibt es nach Worten des Direktors einige. „Wir werden immer wieder gefragt, ob wir nicht auch ein Angebot für Jungen haben“, sagt Zeck. Daran mangele es in der Bischofsstadt. Zwar gebe es mit der Grundschule am Dom eine christlich geprägte Schule. Für Jungen gebe es danach jedoch kein weiterführendes Angebot im Gymnasialbereich.

In der Eifel sieht es beispielsweise in dieser Beziehung ganz anders aus. Dort gibt es seit vielen Jahren in Prüm-Niederprüm und Biesdorf zwei Gymnasien in katholischer Trägerschaft – beide übrigens über viele Jahre hinweg reine Jungenschulen.

In Bitburg gibt es zudem die katholische Sankt-Matthias-Schule, die eine Realschule plus und ein Gymnasium unter einem Dach vereint. In Bitburg ebenso wie im evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Schweich werden gemischte Klassen unterrichtet.

Daneben gibt es noch die katholische Blandine-Merten-Realschule Trier, die eine reine Mädchenschule ist. Und das soll nach Auskunft von Rektor Ulrich Holkenbrink auch so bleiben. „Unsere Schule war, ist und bleibt eine Mädchenschule“, sagt er. Er verweist darauf, dass es für das kommende Schuljahr 96 Anmeldungen für drei fünfte Klassen gibt. Es bestehe in dieser Hinsicht kein Grund, sich zu öffnen.

Dem Trierer Angela-Merici-Gymnasium liegen aktuell 70 Anmeldungen vor. Diese Zahl ist jedoch noch nicht endgültig (siehe weiteren Text). Gemischte Klassen soll es dort in Unter- und Mittelstufe nicht geben.

Es ist vielmehr daran gedacht, jeweils zwei Mädchen- und eine Jungenklasse aufzunehmen. So kann nach Aussage Zecks besser auf die entsprechenden unterschiedlichen Anforderungen von Jungen und Mädchen eingegangen werden.

In der Oberstufe würde diese Unterteilung dann wegfallen. Das tut sie nach Auskunft des Direktors bereits heute. Denn in Fächern wie Sport, Bildende Kunst oder Latein gibt es immer wieder gemeinsame Kurse mit dem Humboldt- und dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.

Die Vertreter des AMG können sich vorstellen, zum Schuljahr 2019/20 die erste Jungenklasse aufzunehmen. Ob es dazu kommt, ist jedoch noch nicht ausgemachte Sache. Denn bisher ist die Öffnung für Jungen nur der Wunsch der Schule.

Simone Bastreri, Pressesprecherin des Bistums, sagt: „Die Schulabteilung sieht diesen Vorschlag aus ihrer Erfahrung mit anderen Schulen positiv – gute Traditionen könnten so bewahrt werden und gleichzeitig könnte auf individuelle Lernunterschiede gut eingegangen werden.“

Aus der Schulgemeinschaft sei vor rund zwei Jahren die Anregung an den Träger (das Bistum) gekommen, ob eine Öffnung des Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasium für Jungen nicht angedacht werden könne.

Die Schulabteilung habe die Projektgruppe gebeten, das Votum der Gesamtkonferenz zu einem Konzept auszuarbeiten. Laut Pressesprecherin soll dies als Grundlage für eine Beschlussvorlage für die Leitungskonferenz des Bischöflichen Generalvikariats dienen.

Diesem Gremium gehören unter anderem der Bischof, der Generalvikar, die Weihbischöfe, die Bischofsvikare, die Leiter der Zentral- und Strategiebereiche, der Kanzler der Kurie und der Priesterreferent an. Laut Bastreri gibt es noch keinen Termin für eine endgültige Entscheidung.

Wohin die Schüler nach den Sommerferien gehen:

Der Elternwille ist entscheidend. Und bewirkt, dass einige Schulleitungen in Stadt und Landkreis alljährlich Kinderüberraschungen erleben. Denn in manchen Schulen schwanken die Anmeldezahlen für die neuen fünften Schuljahre stark. Hingegen sind sie in anderen Lehranstalten nahezu konstant.

Laut der vorläufigen Zahlen sind es beispielsweise beim Gymnasium Saarburg nur 135 Anmeldungen. Im Vorjahr waren es noch 154. In Konz steigt die Zahl von 105 auf 125, in Hermeskeil von 80 auf 114 und in Schweich von 209 auf 225. Wobei in Schweich 123 Schüler der Realschule plus zugerechnet werden. Das private Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Schweich meldet 60 neue Schüler (59).

Den größten Zulauf bei den Realschulen plus im Landkreis gibt es in Saarburg mit 111 Schülern (95 im Vorjahr). Konz hat 77 Anmeldungen (65), Waldrach 35 (30) und Kell am See 30 (22).

Bei der IGS Hermeskeil sind es 112 Anmeldungen. Im Vorjahr waren es zum Anmeldeschluss im März 90.

Kinder aus der Stadt und dem Landkreis besuchen Trierer Schulen. Bei der Maximin-Schule mit 78 (75) und der Blandine-Merten-Realschule mit 96 (96) Anmeldungen – beide in kirchlicher Trägerschaft – sind die Zahlen nahezu unverändert. Die Realschulen plus in der Stadt verzeichnen starke Rückgänge. In Ehrang ging die Zahl von 62 auf 37 zurück. Bei der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Trier-West sinkt die Zahl von 53 auf 33, bei der Nelson-Mandela-Realschule geht es von 62 auf 35 Anmeldungen runter.

Bei den Gymnasien hat das Humboldt-Gymnasium mit 148 die meisten Fünftklässler nach den Sommerferien (105). Es folgen das Auguste-Viktoria-Gymnasium mit 124 (104), das Max-Planck-Gymnasium 111 (132), das Friedrich-Spee-Gymnasium 90 (88), das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium 84 (83) und das Angela-Merici-Gymnasium 68 (86). Die Trierer IGS hat 112 Anmeldungen (101).

Bisher haben hier ausschließlich junge Frauen ihr Abitur abgelegt: das Bischöfliche Angela-Merici-Gymnasium (AMG) Trier.
Bisher haben hier ausschließlich junge Frauen ihr Abitur abgelegt: das Bischöfliche Angela-Merici-Gymnasium (AMG) Trier. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund