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Auszeichnung
Preis für Zivilcourage in der Region Trier: Menschen zeigen in Extremsituationen Mut

Das Foto zeigt die Geehrten mit Polizeipräsident Rudolf Berg (oben links) und Oberbürgermeister Wolfram Leibe (oben rechts).
Das Foto zeigt die Geehrten mit Polizeipräsident Rudolf Berg (oben links) und Oberbürgermeister Wolfram Leibe (oben rechts). FOTO: Polizei
Trier . Die Stadt Trier und das Polizeipräsidium ehren Bürger, die anderen mit ihrem Engagement geholfen haben. Manche Einsätze haben auch etwas im Leben der Preisträger bewirkt. Von Elisabeth Jäckel

Polizeipräsident Rudolf Berg bringt es in seiner Rede auf den Punkt: „Ihr Verhalten schreckt ab – und zwar die Straftäter.“ Gemeinsam mit Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat Berg am Mittwochabend den Trierer Preis für Zivilcourage verliehen. Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Präventionskampagne „Wer nichts tut, macht mit“ ehrt die Stadt damit seit 2012 Menschen, die in schwierigen Lagen konkrete Hilfe geleistet haben. Die einzelnen Fälle, die an diesem Abend geehrt werden, zeigen aber auch, in welch unterschiedlichen Situationen Zivilcourage gefragt ist.

Volker Kron aus Konz leistet im Wissenschaftspark auf dem Petrisberg in Trier bei einem Arbeitsunfall Erste Hilfe. Als ein Arbeiter in eine Fensterscheibe stürzt, kümmert er sich um den Verletzten und drückt bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes eine stark blutende Wunde ab.

Als ein 34-jähriger Familienvater bei Piesport in die Mosel springen will, um sich umzubringen, greifen Johannes Hain aus Piesport und Jessica Huber aus Trittenheim ein. Gemeinsam mit einem weiteren Helfer können sie durch gutes Zureden den Mann von seinem Vorhaben abbringen. Sie kümmern sich bis zum Eintreffen der Polizei um ihn.

Eric Samel ist im Juni 2017 auf der Autobahn in Richtung Hermeskeil unterwegs, als er am Straßenrand ein Auto und ein Polizeifahrzeug sieht. Eine 55-jährige Fahrerin hat  einen Herzanfall erlitten und wird von einem Polizeibeamten reanimiert. Samel – von Beruf Staatsanwalt – bietet sofort seine Hilfe an. Gemeinsam mit dem Polizeibeamten und einer weiteren Zeugin wechselt er sich bei der Reanimation der Frau ab, bis ein Notarzt eintrifft.

Petra Canisius aus Idar-Oberstein ist als Taxifahrerin unterwegs, als sie eine 88-jährige Seniorin zur Bank fahren soll. Als ihr Fahrgast wissen will, in welcher Bankfiliale man hohe Geldbeträge abheben könne, wird Petra Canisius misstrausich. Sie fragt nach, um wie viel Geld es sich denn handelt. „Die Frau nannte einen sehr hohen Betrag, und ich dachte: Da stimmt was nicht“, erinnert sie sich im Gespräch mit dem TV.

Ganz behutsam erzählt sie der 88-Jährigen von sogenannten Enkeltrickbetrügern. Diese geben sich als Verwandschaft von älteren Menschen aus, um diese dazu zu bringen, ihnen größere Geldsummen zu überweisen. Natürlich sei es eine Überwindung gewesen, in die Privatsphäre eines fremden Menschen einzugreifen. Nachdem sie die Seniorin allerdings erneut nach den genauen Umständen für ihren Bankbesuch fragt, ist für Petra Canisius klar: Nichts zu tun, ist auch keine Lösung. Gemeinsam rufen die beiden Frauen die Polizei, und der Verdacht bestätigt sich. Es handelt sich tatsächlich um Enkeltrickbetrüger.

Lukas Niemas aus Kasel rettet gemeinsam mit einem Helfer eine Frau aus der Mosel. Die beiden Männer befinden sich bei einer Veranstaltung in einem nahe gelegenen Hotel, als sie die Frau im Fluss sehen. Sie verlassen das Hotel, um die 71-Jährige aus dem Wasser zu ziehen. Anschließend leisten sie Erste Hilfe.

Zwei weitere Preisträger sind Oliver Korb und sein Sohn Steven Korb, die der Polizei nach einem schweren Unwetter aktiv Hilfe geleistet haben. Als am 27. Mai unter anderem die Ortsdurchfahrt von Fischbach im Kreis Birkenfeld überflutet wird,  sind die beiden noch vor der Polizei vor Ort. Sie ziehen ihre Warnwesten an, stellen sich auf die Straße und regeln den Verkehr, bis die Einsatzkräfte zurstelle sind. Rund zwei Stunden bleiben sie an ihren Posten und unterstützten so die Polizei.

Dass er und sein Vater die Ersten an der Stelle waren, sei mehr oder weniger Zufall gewesen, erzählt Steven Korb. Auf dem Rückweg von einem Restaurantbesuch bekommen sie mit, wie einige Einsatzkräfte an ihnen vorbeifahren. Als sie selbst schließlich im Ort ankommen, wird ihnen auch klar, warum: Riesige Wassermassen fließen durch die Straßen, umgekippte Bäume versperren den Weg. Vater und Sohn positionieren sich an einer Stelle, an dem zu diesem Zeitpunkt noch keine Einsatzkräfte zu finden sind. Gemeinsam warnen sie den Verkehr vor den Wassermassen. Einen vorbeifahrenden Bauern bitten sie, mit seinem Traktor die umgekippten Bäume zur Seite zu schieben.

Ohne die Hilfe der beiden wäre die Einsatzbewältigung sicher schwieriger gewesen, sagt Polizeipräsident Rudolf Berg rückblickend.

Überwindung habe sie ihr Einschreiten nicht gekostet, sagt Oliver Korb: „Trotzdem waren wir am Ende erleichtert, dass alles gutgegangen ist. Man trägt ja ein Stück weit die Verantwortung.“ Seit einiger Zeit engagiert sich Steven auch in der freiwilligen Feuerwehr. Die Ereignisse an diesem Tag seien ein Grund dafür, sagt der 20-Jährige. Er möchte weiterhin Menschen helfen, wenn es darauf ankommt.

Im Juni 2017 beobachtet Johannes Hansen aus Föhren einen Mann an der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Trier, der sich offenbar das Leben nehmen will. Der 35-Jährige steht bereits auf dem Geländer, doch Hansen kann ihn von seinem Vorhaben abbringen. Johannes Hansen informiert die Polizei, die den Mann in ärztliche Behandlung bringt.

Toni Schneider ist auf dem Weg nach Hause, als ihm in Trierweiler-Sirzenich ein Mann auffällt, der auf einer Brücke über der Autobahn steht. Schneider entschließt sich, einzugreifen. Er kann den  59-Jährigen davon überzeugen, sich nicht das Leben zu nehmen. Anschließend bringt er den Mann in seinen Garten. Gemeinsam mit seiner Frau kümmerte er sich um den Geretteten, bis die Polizei eintrifft.

Zur Preisverleihung versammeln sich insgesamt 18 Männer und Frauen aus der Region in der Beletage des Palais Walderdorff, um die Ehrungen aus den Händen von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Polizeipräsident Rudolf Berg entgegenzunehmen „Dieses Engagement muss gewürdigt werden“, sagt Leibe, „heute vielleicht noch mehr als vor ein paar Jahren.“ Jeder der Preisträger erhält deshalb eine Urkunde sowie eine Flasche Wein.

Polizeipräsident Rudolf Berg lobt ebenfalls das Engagement der Preisträger. „Ihr Verhalten wird Nachahmer finden, denn diese aktiven Beiträge zur Sicherheit helfen uns allen“, bekräftigt er.

Diese Fälle zeigten, dass es nicht immer die großen Taten sein müssten, sagt Berg im Anschluss an seine Rede. Es gehe darum, einfach zu helfen. An jedem Tag und zu jeder Gelegenheit, die sich bietet.

Für Menschen, die sich in einer ausweglosen Lage wähnen oder sogar erwägen, sich das Leben zu nehmen, gibt es spezielle Hilfsangebote, etwa bei der Telefonseelsorge. Die Telefonnummern lauten: 0800/1110111 oder 0800/1110222. Auch Gespräche im eigenen Umfeld können helfen, Auswege aus einer Krisensituation zu finden.