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Verkehr
Trierer Ratsmehrheit fordert: Denkt auch an Radfahrer und Fußgänger!

Ein schwieriges Pflaster für Radfahrer: die Verkehrswege in Trier.
Ein schwieriges Pflaster für Radfahrer: die Verkehrswege in Trier. FOTO: roland morgen (rm.) - roland morgen (rm.)
Trier. Die Stadtverwaltung legt dem Rat am Mittwoch, 26. September, das Straßenbaukonzept der kommenden zehn Jahre vor. Doch die Mehrheit aus CDU und den Grünen sagt: Dieses Werk ist uns nicht genug. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Das Urteil von Bernhard Hügle ist eindeutig. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Trierer Stadtrat sagt: „Das ist viel zu wenig, und vieles geht auch klar zu langsam.“ Hügle spricht von einem Schwergewicht der heutigen Stadratssitzung (ab 17 Uhr im großen Rathaussaal am Augustinerhof): Auf der Tagesordnung steht ein Zehnjahreskonzept der Trierer Straßenbauprojekte.

Hügle will mehr. „Es fehlen die Akzente außerhalb des Autoverkehrs“, sagt er. Im Klartext: Radfahrer und Fußgänger kommen wieder zu kurz. Ein in Trier oft erhobener Vorwurf. Die Grünen wollen die Beschlussvorlage der Verwaltung deshalb mit einem eigenen Antrag ergänzen, den sie gemeinsam mit der CDU erarbeitet haben. Beide Fraktionen bilden eine Verantwortungsgemeinschaft und haben zusammen mit 29 der 56 Sitze die Mehrheit im Rat.

„Ich gehe davon aus, dass am Mittwoch alle Fraktionsmitglieder anwesend sind“, bestätigt Hügle, und Thomas Albrecht, stellvertretender Fraktionschef der CDU, stimmt vorsichtig zu: „Wobei man das ja nie so genau wissen kann.“

Verkehrspolitik in Trier ist eine Frage von Jahren, Jahrzehnten und manchmal Generationen. Alle Projekte des aktuellen Zehnjahresplans, der heute im Stadtrat mit Sicherheit heiß diskutiert wird, stehen bereits im 2013 vom damaligen Rat einstimmig beschlossenen Mobilitätskonzept 2025 (der TV berichtete mehrmals). Doch ein Konzept hat keine Beschlusskraft, es besteht aus Zielen, Idealen und Richtlinien auf einem Papier. Was dann später tatsächlich beschlossen wird, steht auf einem anderen Blatt. Das sei sicher unbefriedigend, aber nicht zu ändern, räumen Hügle und Albrecht ein. „Sollen wir deshalb keine Konzepte mehr entwerfen?“, fragt der Christdemokrat Albrecht. „Das kann es ja auch nicht sein.“

In der Beschlussvorlage der Verwaltung geht es im Kern um die Verkehrsprojekte in  Trier-West, deren nächster Schritt die Neugestaltung des westlichen Brückenkopfs der Römerbrücke ist,  sowie um die Schaffung des erweiterten Tangentenrings, der mit der Sanierung der Aulstraße und dem Neubau der Aulbrücke den südlichen Alleenring entlasten soll. Ebenfalls mit drin im Zehnjahresplan sind die Neuanbindung Aveler Tal über den Grüneberg zur Autobahn und der Moselbahndurchbruch über das alte Bahngelände von der Kürenzer Straße in die Metternichstraße.

CDU und Grüne fragen: Wo bleiben Radfahrer, Fußgänger, ÖPNV? Auch sie sind Säulen des Mobilitätskonzepts 2025. Albrecht und Hügle präsentieren einen gemeinsamen  Änderungsantrag, in dem Projekte zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs sowie des ÖPNV in das Konzept der Verwaltung eingearbeitet werden sollen, und zwar „mit gleicher Wichtigkeit“.

Dazu gehören unter anderem eine Ostanbindung zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof für Fußgänger, eine Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit einem Bereich für Fernbusse, ein Ausbau des Radwegs beidseits der Mosel und eine barrierefreie Anbindung der Innenstadt an den Moselfuß- und Radweg über die Krahnenstraße und Johannisstraße. Diese soll durch eine Unterführung des Krahnenufers mit Fluttor zum Hochwasserschutz und gleichzeitiger Innenstadtentwässerung bei Starkregen führen.

„Es ist uns bewusst, dass all das auch Geld kostet“, räumt Hügle ein. „Aber wenn der Rat diesen Antrag annimmt, ist die Stadtverwaltung gefordert, Fördermöglichkeiten durch Bund und Land auszuschöpfen.“

CDU und Grüne können ihren Antrag durchbringen, wenn alle 29 Fraktionsmitglieder anwesend sind und dafür stimmen. Doch die anderen Fraktionen sehen nicht tatenlos zu (siehe Info).

Kommentar

Wenn der Jubel schließlich

in Frust umschlägt

Der Zehnjahresplan des Straßenbaus in Trier zeigt wieder deutlich, wo die Gefahr bei der Schaffung großer Konzepte liegt. Ob es um Schulentwicklung, Kulturförderung oder die Mobilität in Trier geht – ein Konzept ist eine Sammlung von hohen Zielen, die zusammengepackt werden, ohne die Realität auch nur mit einem Seitenblick zu streifen. Im Konzept steht schlicht alles drin, was wünschenswert, fortschrittlich und einfach toll ist. Das bringt Aufmerksamkeit. Der Wähler freut sich. Doch dann, meist Jahre später, schlagen Alltag und Realität zu. Von den hohen Zielen des Konzepts bleibt nur ein Bruchteil übrig, und alle zucken mit den Schultern, als hätten sie das nicht kommen sehen können. Der Wähler freut sich nicht mehr, sondern ist frustriert. Verständlicherweise.

j.pistorius@volksfreund.de