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Glaube
Trierer Synagoge öffnet ihre Türen für Besucher

Jeanna Bakal, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Trier, begrüßt die Besucher.
Jeanna Bakal, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Trier, begrüßt die Besucher. FOTO: Bodo Bost
Trier. Die Synagogengemeinde Trier hat erstmals zu einem Tag der offenen Tür in die Kaiserstraße eingeladen. Schon seit mehr als 60 Jahren steht die neue Trierer Synagoge dort.

Die Präsidentin der Synagogengemeinde, Jeanna Bakal, freute sich, dass sehr viele Besucher der Einladung zur Premiere gefolgt waren – mehr als 100 Besucher. Bakal berichtete vom Neuaufbruch in der Gemeinde, die heute 470 Mitglieder zählt, seit der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, die heute 95 Prozent der Gemeindemitglieder stellen. Leider kämen auch diese Zuwanderer seit 1990 nicht aus intakten jüdischen Gemeinden, erklärte sie, sondern seien auf der Suche nach ihren jüdischen Wurzeln auch in Trier. Zu diesen Wurzeln gehören das berühmte osteuropäische Shtettl, die jiddische Sprache und die Klezmer-Musik. Der Chor der Synagoge gab einen Einblick in sein Können.

Peter Szemere führte durch die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde Trier, durch Sitten und Gebräuche und das Synagogengebäude. Fast 800 Mitglieder zählte die Gemeinde noch 1938. Nach dem Holocaust waren nur noch 14 Überlebende in die alte Heimat zurückgekehrt. Schließlich bauten sie auch eine neue Synagoge, die alte war durch die Nazis und Bomben zerstört worden.

Martin Przybilski, Professor für ältere deutsche Philologie in Trier und Jiddist, vertrat den Rabbiner, den es in Trier wegen der geringen Anzahl der Mitglieder nicht mehr gibt. Er öffnete den Torahschrank, wo sich einer der ältesten Torahmäntel Deutschlands aus dem 17. Jahrhundert befindet, eines der wenigen Utensilien, die aus der alten Synagoge in der Zuckerbergstraße 1938 bei deren Zerstörung gerettet werden konnte.