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Trierer Wahrzeichen

Seit 40 Jahren im Städtischen Museum Simeonstift: Das Original des Marktkreuzes von 958.Foto: Roland Morgen
Seit 40 Jahren im Städtischen Museum Simeonstift: Das Original des Marktkreuzes von 958.Foto: Roland Morgen
TRIER. (rm.) Marktkreuz-Original im Städtischen Museum Simeonstift - so lautet die Lösung unseres Bilderrätsels. Bei dem Kreuz auf dem Hauptmarkt handelt es sich um eine Kopie des ältesten noch existierenden deutschen Marktkreuzes.

So farbenfroh wie der heutige Nachfolger präsentierte sich das Original auch einmal. Erzbischof Heinrich I. ließ es 958 auf dem frisch vor der Domstadt angelegten Platz aufstellen. Heinrich hatte den Markt vom Römerbrücken-Gelände direkt vor die Domstadt verlegt. Das Kreuz symbolisierte die Macht des Erzbischofs und dessen Anrecht auf Steuern und Marktzölle, aber auch den gesicherten Marktfrieden an dem zur Festung ausgebauten Dom-Bering. Das Wahrzeichen entstand aus einer bemerkenswerten Kombination von Alt und Neu: Kreuz (mit Gotteslamm, Kreuzstab und Banner) und Blattkapitell saßen auf einer recycelten römischen Granitsäule, die wie der Domstein aus dem Odenwald stammt. Die Säule wiederum stand auf einem Stufensockel. Fast ein Jahrtausend trotzte das Denkmal allen Stürmen und Wirren und wurde nur einmal, beim großen Hauptmarkt-Umbau Anfang des 20. Jahrhunderts, um wenige Meter versetzt. 1943 baute die Stadt es aus begründeter Furcht vor Luftangriffen ab und mottete es in einem Felsenbunker ein. Kurz nach Kriegsende, am 29. Juni 1945 (Peter und Paul), erlebte das Wahrzeichen seine von den Trierern gefeierte Renaissance: als Symbol des Friedens und beginnenden Wiederaufbaus der weitgehend zerstörten Stadt. Bis zum nächsten Abbau von Kreuz und Kapitell vergingen nur knapp zwei Jahrzehnte. Ein Kunststein-Abguss ersetzte ab 1964 das angewitterte Original, das seither vor Wind und Wetter geschützt im Simeonstift zu bewundern ist. Weil auch an der Kopie der Zahn der Zeit und Umwelteinflüsse ganz bedenklich nagten, entschloss sich die städtische Denkmalpflege zu einer "richtigen" Nachbildung à la Mittelalter. Bildhauer Thomas Föhr fertigte 1988 den Marktkreuz aus Sandstein einschließlich des spätgotischen Petrus-Reliefs und einer Sonnenuhr, die dem Original im 15. Jahrhundert hinzugefügt worden war. Die Namen der Rätsel-Gewinner lesen Sie in der Montagausgabe.