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Trierer Weihnachtsmarkt bleibt fest in privater Hand

Morgen in einem Monat eröffnet der Trierer Weihnachtsmarkt. Welche Händler dort ihre Ware verkaufen dürfen, entscheidet der private Veranstalter, die Unternehmerfamilie Bruch, ganz alleine. TV-Foto: Roland Morgen
Morgen in einem Monat eröffnet der Trierer Weihnachtsmarkt. Welche Händler dort ihre Ware verkaufen dürfen, entscheidet der private Veranstalter, die Unternehmerfamilie Bruch, ganz alleine. TV-Foto: Roland Morgen FOTO: Roland Morgen
Trier. Eigentlich wollte die Stadtverwaltung ab diesem Jahr mit darüber entscheiden, welche Händler, Kunsthandwerker und Imbiss-Betreiber auf dem Trierer Weihnachtsmarkt zum Zuge kommen. Geworden ist daraus genauso wenig wie aus der angekündigten Ausweitung des Markts auf die umliegenden Straßen der Altstadt. Morgen in einem Monat, am 23. November, eröffnet der Markt. Christiane Wolff

Alle Jahre wieder… sieht der Trierer Weihnachtsmarkt mit seinen 95 Ständen genauso aus wie immer. Nein, nicht ganz: "Voraussichtlich werden diesmal sieben neue Anbieter vertreten sein", kündigt Claudia Holdorf an. Wer als Aussteller im Weihnachtsdorf auf Hauptmarkt und Domfreihof Premiere feiern darf, will sie allerdings noch nicht verraten. Holdorf ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Trierer Weihnachtsmarkt, hinter der die Unternehmerfamilie Oskar Bruch steckt.

Seit 1980 organisieren die Bruchs im Auftrag der Stadt Trier den Markt - unbestritten mit viel Liebe: Die Holzhäuschen sind hübsch, etliche LKW-Ladungen voll frischem Tannengrün werden angekarrt, um den Markt zu schmücken, die Organisation läuft reibungslos, und im vorigen Jahr haben die Bruchs die aus Tausenden LED-Lichtern bestehende Beleuchtung komplett erneuert. "Im Laufe der Jahre haben wir über sechs Millionen Euro in den Standort Trier investiert", sagt Holdorf.
2013 hatte ein Anbieter italienischer Spezialitäten vor dem Trierer Verwaltungsgericht geklagt, weil die Bruchs seine Bewerbung jahrelang nicht berücksichtigt hatten. Das Gericht empfahl daraufhin der Stadtverwaltung, die Vergabe der kompletten Marktorganisation an die Familie Bruch zu überdenken und für mehr Transparenz bei der Händlerauswahl zu sorgen.

Prompt brach der zuständige Beigeordnete im Rathaus, Thomas Egger, in emsige Geschäftigkeit aus und schlug vor, den Vertrag mit der Familie Bruch aufzukündigen. Die Stadt könne dann frei überlegen, wie der Markt weiterentwickelt und nach welchen Kriterien die Händler ausgewählt werden könnten. SPD-Fraktionschef Sven Teuber erklärte damals, dass bei der Pacht, die die Bruchs an die Stadt für die Nutzung der städtischen Plätze zahlen, noch Luft nach oben sei. Letztlich bekam der Stadtrat allerdings kalte Füße und Angst, den Markt ohne die Bruchs nicht stemmen zu können. Die Vertragsauflösung wurde aufgeschoben.
Voriges Jahr kündigte Egger dann die Gründung eines Weihnachtsmarkt-Beirats an, über den die städtische Marketingtochter - die Tourismus Trier Management GmbH (TTM) - Mitspracherecht bei der Händlerauswahl erhalten sollte. Außerdem sei denkbar, dass die TTM in eigener Regie den Markt auf andere Straßen und Plätze der Altstadt erweitere, erklärte das städtische Presseamt im November 2014.
Geworden ist daraus nichts. Der Beirat wurde zwar gegründet und hat auch am 20. Juni 2015 erstmals getagt. "Bei dieser Sitzung wurden die Themen festgelegt, die im Beirat zukünftig besprochen werden sollen", erklärt Rathaus-Pressesprecher Ralf Frühauf auf TV-Nachfrage. Eine zweite Sitzung des Beirats gab es bislang allerdings nicht - und damit auch keine konkrete Änderungen für den Weihnachtsmarkt 2015.

Und so entscheiden die Bruchs weiter alleine darüber, wer bei dem umsatzstarken Markt seine Ware an die Besucher verkaufen darf und wer nicht.
Auf die Frage, nach welchen Kriterien die Bruchs die Händler auswählen, antwortet Unternehmenssprecherin Holdorf eher vage: Die Vergabe richte sich nach der im städtischen Vertrag festgehaltenen Vorgabe, dass das Angebot "weihnachtlich ausgerichtet" sein soll. Dabei werde auf "ein ausgewogenes, attraktive Angebot geachtet", sagt Holdorf. Gute und seriöse Händler zu finden, sei "nicht sehr einfach", da diese auch von anderen Städten umworben würden. "Aus diesem Grund greifen wir gerne auf beim Publikum bekannte und beliebte Händler zurück."
An die Stadt zahlen die Bruchs rund 60.000 Euro Gebühr für die Nutzung von Hauptmarkt und Domfreihof. Zu welcher Pacht die Bruchs die Verkaufshäuschen an die jeweiligen Händler weitervermieten, dazu will sich Unternehmenssprecherin Holdorf nicht äußern. Sämtliche Glühweinstände und die meisten Imbissstände betreiben die Bruchs selbst.
Extra


Händler oder Veranstalter von Märkten zahlen für die sogenannte Sondernutzung von städtischen Plätzen und Straßen an die Stadt eine festgelegte Gebühr. Bis 2013 zahlten die Bruchs als Veranstalter des Weihnachtsmarkts also genausoviel pro Quadratmeter Verkaufsfläche auf dem Hauptmarkt wie die Blumenhändler. Mittlerweile hat die Stadt die Weihnachtsmarktgebühr verdoppelt auf mehr als 60?000 Euro. Neben dieser Gebühr tragen die Bruchs die Kosten der Beleuchtung und Installation des Weihnachtsbaumes auf dem Hauptmarkt, für Abfallentsorgung, Wasser, Strom, Straßenreinigung, Feuerwehr, Brandschutz, Sicherheitsdienst, Auf- und Abbau und Tüv-Abnahme. Auch die komplette Werbung für den Trierer Weihnachtsmarkt und das Rahmenprogramm zahlen die Bruchs. woc
Meinung

Von Christiane Wolff

Weihnachtsmärkte sind ein einträgliches Geschäft: Allein nach Trier kommen alljährlich Hunderttausende, die wohl mehrere Millionen Euro in Glühwein, Reibekuchen, Weihnachtsschmuck, Bonbons, Wollmützen und Geschenke investieren. Einige Händler bestreiten mit dem Markt den Löwenanteil ihres Jahresgeschäfts und sichern sich so ihre Existenz. Da wundert es nicht, dass in mehreren deutschen Städten - Mainz, Worms, Freiburg und Köln zum Beispiel - Händler sich in die Märkte einklagen wollten. Alle Gerichte haben den Städten aufgetragen, die Kriterien, nach denen Zuschläge erteilt werden, transparent und nachvollziehbar zu machen - und bei solch umsatzstarken Veranstaltungen auf öffentlichem Gelände für Wettbewerbsgerechtigkeit zu sorgen.
Triers Dezernent Thomas Egger lässt sein Vorhaben, für mehr Transparenz zu sorgen, dagegen offenbar im Sande verlaufen.
Keine Frage: Der Trierer Weihnachtsmarkt ist schön - was allerdings nicht zuletzt an der spektakulären Kulisse von Domfreihof und Hauptmarkt liegt. Auf anderen Märkten haben längst viel mehr hochwertige Kunsthandwerker mit kreativen und originellen Waren Einzug gehalten und die Günstigwaren aus China verdrängt. Auch für den Trierer Weihnachtsmarkt darf nur das Beste gut genug sein. Die Händlerauswahl komplett einem privaten Veranstalter, der zudem selbst Stände auf dem Markt betreibt, zu überlassen, ist da nicht optimal.
c.wolff@volksfreund.de