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trierisch balaawern

Josef Marx.
Josef Marx. FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Zu einem gut funktionieren Körper gehören alle Teile, vor allem der Kopf. Ohne Kopf geht nichts, oder wie man in Trier sagt: iewerhaaft gaor neist.

Im Kopf sitzt die zentrale Schaltstelle, von der aus alle Lebensfunktionen gesteuert werden. Wichtig ist es deshalb, einen klaren Kopf zu behalten. So wird die Aufforderung erhoben: Haal de Kobb hiesch och wänn den Hals dräägisch öss. Behalte die Übersicht, alles andere ist zweitrangig. Das gilt auch für die Kommunikation, die vom Kopf aus geführt wird. Die Red haott kaan Kobb o kaa Schwanz. Ein Gespräch ohne Klarheit und zudem missverständlich. Wenn dann noch Kopf und Schwanz nahe beieinander sitzen, wird die Sache brenzlig. Wä Kobb onn Aorsch esu näks beijenanner haott, vir dämm moss mer seisch hieden. Bei kleinen Menschen und Hunden muss man sehr vorsichtig sein. Ebenso bei einem Kobb-Aorsch-Bodem, wie scherzhaft auch kleine Menschen genannt werden. Watt wöll dä Kobb-Aorsch-Bodem beim Handball. Oder wie Otto Rehagel treffend sagte: Kobb-Aorsch-Bodem kammer nött drainieren. Zwei-Meter-Körpergröße muss man haben. Sie kann man nicht antrainieren. Lustiger ist die Drohung an Kinder zu verstehen. Eisch stäjen der de Kobb zwöschen de Oren. Da muss ein Kind schon mal stutzig werden und überlegen, was mit ihm geschehen soll, wenngleich sein Kopf bereits zwischen den Ohren sitzt. Nun sind die Aussagen alle gut nachzuvollziehen. Und wie immer muss man sich in der Trierer Sprache auf eine Überraschung gefasst machen. Ohne sie geht es im Moseltal nicht. Ett Leni kriet de Kobb gemaach. Die Leni erhält einen Kopf. Eine Frau ohne Kopf! Wie soll das gehen? Hat der Trierer ein Alleinstellungsmerkmal? Alle Frauen ohne Kopf? Wann und wo erhalten sie dann endlich ihren Kopf, den sie zum Leben dringend benötigen? Wenn man bei dieser Prozedur anwesend ist, bemerkt man schnell, dass Leni nur eine neue Frisur erhält. Bevor die Frisur kunstvoll gelegt wird, kriet ett virhär naoch de Kobb gewäsch. Aber bitte, nein! Eine Zurechtweisung ist bei dem neuen Kopf sicherlich nicht nötig. Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>