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Trierisch balaawern

Horst Schmitt. Foto: privat
Horst Schmitt. Foto: privat FOTO: (h_lalu )
Es wird vermutet, dass man aus der Anzahl der Wörter, die eine Sprache für ganz bestimmte Dinge und Tätigkeiten kennt, ablesen kann, wie wichtig die entsprechenden Inhalte für die jeweilige Gesellschaft sind. Was die Trierische Sprache beispielsweise an Bezeichnung für das Essen oder Trinken besitzt, bestätigt diese Annahme.

Auch die kaum zu überschauende Zahl von Schimpfwörtern scheint die Theorie zu untermauern. Dann ist es aber ein Rätsel, warum die erwiesenermaßen hochgradig friedfertigen Trierer mit einem riesigen Arsenal von "Schlagwörtern" aufwarten. Zugegeben: Prügel waren früher im häuslichen Raum als erzieherische Maßnahme akzeptiert. Das reichte von der Baddsch, dem leichten Klaps, über die mittelschweren Kläbb, Wiks oder Knibb bis zur Körperverletzung, nämlich durch Faoz, Schwaord oder Flauches. Zugegeben auch: Ein gelegentlich willkommener Anlass für Handgreiflichkeiten war auch die bekannte Auseinandersetzungen zwischen jungen Burschen bei der Kirmes. Gravierender aber und für die Menschen beschämend war die ungebremste Freude am Zuschlagen durch die Obrigkeit in Gestalt der Polizei und des Militärs sowie der Lehrpersonen in den Schulen. Sie alle konnten dann wählen, welche Art der nonverbalen Kommunikation sie anwandten: aan baddschen, aan dachdeln, aan schmeeren, baddern, bimmsen, drääschen, iewer ett Knie lääjen, faozen, flauchen, fladdschen, flummen, gärwen, klobben, schlaon, schwaorden, verklobben, versoolen oder verwamschen. Die Lösung des oben gestellten Rätsels ist dann vielleicht diese: Die vielen zitierten Wörter sind kein Beleg dafür, dass die Menschen das Schlagen so liebten, sondern dass Geschlagen-Werden hassten. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind ab sofort auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trie rer Handel erhältlich, unter Telefon 0651/7199-997 sowie im Internet unter der Adresse <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreundshop.de" text="www.volksfreundshop.de" class="more"%>