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Stadtentwicklung
Als die Plätze autofrei wurden

Ein schnöde Auto-Abstellfläche mit Pommesbude (Fritten-Max“): der Trierer Viehmarkt Mitte der 1980er Jahre vor seinem  Ausbau.
Ein schnöde Auto-Abstellfläche mit Pommesbude (Fritten-Max“): der Trierer Viehmarkt Mitte der 1980er Jahre vor seinem  Ausbau. FOTO: Stadtarchiv Trier
Trier. Stadtgespräch im Stadtmuseum: Alt-Oberbürgermeister Helmut Schröer erinnert an die heiß diskutierten Umgestaltungsprojekte in seiner Amtszeit – und übt einen Hauch von Selbstkritik.
Roland Morgen

Gesund und munter sitzt er da vor seinem knapp 40-köpfigen Publikum beim Stadtgespräch im Museum Simeonstift; dass er 75 ist, sieht man ihm nicht an. Helmut Schröer, von 1989 bis 2007 Triers Oberbürgermeister, hat die Stürme seiner Amtszeit offensichtlich gut überstanden. Auch die Verfluchungen. Beispiel: 1995 hat ihn der Teilnehmer einer TV-Leserumfrage zur Umgestaltung des Domfreifhofs als einen der (mit-) „verantwortlichen Verbrecher“ tituliert, die man nun nicht mehr an den Platanen aufhängen könne – denn die hatte die Stadt ja  gefällt.

Ja, das sei starker Tobak  gewesen, sinniert Schröer. Dennoch habe sich die Entscheidung des Stadtrats als goldrichtig erwiesen: Die Kritiker hätten ihr Urteil revidiert, weil sie nun Dom und Liebfrauen, beide Unesco-Welkulturerbe, „endlich unverstellt sehen konnten“.

Es waren d i e dominierenden Themen in seiner Zeit als Stadtoberhaupt: die Konversion (Umnutzung der nach dem Abzug der Franzosen massenhaft frei gewordenen Liegenschaften) – und eben die Umgestaltung der großen Plätze.  Zur Erinnerung: Mitte der 1980er Jahre gab es rund 4000 Gratis-Parkplätze in der Altstadt; ein Drittel davon auf dem Domfreihof, dem Kornmarkt und dem Viehmarkt.  Alles Geschichte, ausgiebig diskutiert und von Schröer selbst in seiner Buchreihe „Trierer Weichenstellungen“ (Paulinus-Verlag) ausführlich dargelegt.  Deshalb wählte Stadtgespräch-Moderator Marcus Stölb (44) einen zeitgemäßen Ansatz zur Annäherung an das Thema „Heiße Pflaster – Ringen um Triers Plätze“. Ob er sich auch unter heutigen Soziale-Medien-Gegebenheiten, in denen etwa die Debatte um den Erhalt der Tankstelle in der Ostallee zum alles bestimmenden kommunalpolitischen Thema mutiert, noch den „Platzmacher“-Job zutrauen würde? Antwort Schröer: „Als OB hätte ich es heute ungleich schwerer. Und ich bin nicht sicher, wie das  damals ausgegangen wäre.“

Aber dass damals, wenigsten aus seiner Wahrnehmung, fast alles richtig ausgegangen ist, daran lässt der Mann, der schon vor seiner OB-Zeit seit 1977 zunächst als Wirtschaftsdezernent sowie ein Jahr lang als Bürgermeister im Rathaus tatkräftig „Weichen stellte“, keine Zweifel aufkommen. Das hätten er und der damalige Baudezernent Peter Dietze (der am Freitag 76 wird), doch prima hingekriegt. Überhaupt zollt Christdemokrat Schröer seinem früheren SPD-Kollegen im Stadtvorstand höchstes Lob, in das er sich mit einschließt: „Wir waren ein Dream-Team.“

Freilich ist, wie Schröer auf Stölbs beharrliches Nachhaken einräumt, nicht alles traumhaft geworden. Die ersatzlose Überbauung eines Teiles der Jüdemerstraße durch den Neubau der damaligen Stadtsparkassen-Zentrale am Viehmarkt „würde man heute sicher nicht mehr so machen“.

Sein Lieblingsplatz? „Der Domfreihof erfüllt mich am meisten mit Stolz“, antwortet Schröer; „Auch, weil ich seinerzeit mit am meisten gelitten habe. Mein Gehalt war damals eher Schmerzensgeld.“ Sein Wunsch: „Dass sich am Rindertanzplatz endlich etwas tut. Der ist ein Schandfleck, der mich bedrückt.“

Gehörte drei Jahrzehnte dem Stadtvorstand an: Alt-OB Helmut Schröer (rechts) im Gespräch mi Moderator Marcus Stölb.
Gehörte drei Jahrzehnte dem Stadtvorstand an: Alt-OB Helmut Schröer (rechts) im Gespräch mi Moderator Marcus Stölb. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund
Stadtgespräch im Stadtmuseum  Simeonstift: Knapp 35 Besucher erleben die Diskussion zum Thema „Heißes Plaster – Ringen um Triers Plätze“.
Stadtgespräch im Stadtmuseum Simeonstift: Knapp 35 Besucher erleben die Diskussion zum Thema „Heißes Plaster – Ringen um Triers Plätze“. FOTO: Roland Morgen / Trierischer Volksfreund