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Kommunalpoltik
Geschichten, die Geschichte machten

Erzählt auch in seinem neuen Buch „Trierer Geschichten“: Helmut Schröer, von 1989 bis 2007 Triers Oberbürgermeister.
Erzählt auch in seinem neuen Buch „Trierer Geschichten“: Helmut Schröer, von 1989 bis 2007 Triers Oberbürgermeister. FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Alt-OB Helmut Schröer betätigt sich auch in seinem neuen Buch als Historiker. Vorgestellt wird es übermorgen in der Stadtbibliothek.
Roland Morgen

„Mögest du in interessanten Zeiten leben!“ ist ein alter chinesischer Fluch. „Den kenne ich!“, lacht Helmut  Schröer (75) und legt noch einen drauf: „Was mich betrifft: Ich lebe sogar in sehr interessanten Zeiten!“ Ausgefressen habe er aber nichts, beteuert er, und er kenne auch niemanden, der ihn nachhaltig hätte verfluchen wollen. Nein, wenn Schröer von interessanten Zeiten spricht, dann ist das durch und durch positiv gemeint. Es sei ein regelrechter Glücksfall, Epochen wie die vergangenen Jahrzehnte in Trier „erlebt und auch mitgestaltet haben zu dürfen“.  Das hat er fraglos.

 Belege dafür liefert er auch. In Büchern. Zwei Bänden „Trierer Weichenstellungen“ (2009, 2011) folgten ab 2016 „Trierer Geschichten“, von denen nun Band zwei frisch erschienen ist, wie gehabt im Paulinus-Verlag.

Die Begründung, die der Autor für seinen beachtlichen Output liefert, klingt durchaus plausibel: „Ich werde immer wieder und von vielen Menschen gefragt: Wie war das damals? Daraus leite ich ein großes Interesse ab.“ Und wenn er es nicht schriftlich festhalte, wie es damals war, „dann tut es kein anderer, und dann besteht die Gefahr, dass spannende Geschichten in Vergessenheit geraten.“ Wohl wahr. Bis etwa Mitte der 1980er Jahre hat Emil Zenz (1912-1994) sich als akribischer Stadtgeschichts-Chronist betätigt – der langjährige Bürgermeister war studierter Historiker.

In die Fußstapfen seines Kollegen, der vor seiner Stadtvorstands-Tätigkeit ebenfalls Lehrer war, will Schröer nicht treten. Er beschränkt sich auf Geschichten, die er selbst erlebt hat und die (nicht zuletzt dank seines Zutuns) ein gutes Ende fanden. Und beim Leser ankommen und Erinnerungen an seinerzeit hochkochende Emotionen wachrufen.

Wie war das noch? Zum Beispiel 1984, als die Stadt Trier ihren 2000. Geburtstag feierte? Ein denkwürdiges Jubiläumsjahr mit vielen Facetten. Schröer widmet sich hier neben den „Diskussionen an der Jubiläumsfront“ dem von Stardesigner Celestino Piatti kreierten Plakatmotiv und der Festschrift „Trierer Spaziergänge“ des kürzlich gestorbenen Schriftstellers Ludwig Harig. Beides seinerzeit heftig und kontrovers diskutiert.

Oder dem Turm Luxemburg, seit der Landesgartenschau 2004 eine Landmarke auf dem Petrisberg. Schröer nennt das fast 300 000 Euro schwere Geschenk Luxemburgs an Trier ein Symbol mit europäischer Strahlkraft.

Die Flutlichtanlage, die vor dem DFB-Pokal-Halbfinale der Eintracht gegen den MSV Duisburg 1998 im Moselstadion entstand – „ohne“ hätte das Spiel möglicherweise in Saarbrücken ausgetragen werden müssen –  schenkten nicht zuletzt die Bürger der Sportstadt Trier: Das Projekt wurde maßgeblich durch Spenden finanziert.

Die weiteren der insgesamt neun  Kapitel (auf 168 Seiten) sind Schloss Monaise, dem Ehrenbürger Jean-Claude Juncker, dem Ehrensiegel-Träger Franz Grundheber und der Städtepartnerschaft mit Pula 1991/92  in den Zeiten des Balkankrieges gewidmet. Und der Wasserversorgung Triers.   Schröer: „Ohne das Kylltalwasserwerk, das vor dem Hintergrund des Notstands des extrem trockenen Sommers 1976 gebaut wurde, wären wir in den vergangenen Monaten aufgeschmissen gewesen. Die Riveris-Talsperre allein hätte ganz sicher nicht gereicht.“

Ein Helmut Schröer hat jenseits der eigenen Wahrnehmung und Erinnerung natürlich seine Quellen. Im Vorwort des neuen Buchs findet sich ein bemerkenswerter Satz: „Mein besonderer Dank gilt dem Stadtarchiv. Ich gebe zu, dass ich den Wert dieser städtischen Einrichtung nicht immer richtig gewürdigt habe. Ein solches Stadtarchiv ist für eine Stadt ein besonderer Schatz. Jetzt weiß ich es.“

Band drei der Trierer Geschichten in Aussicht? Gut möglich. Schröer hat sein Pulver noch längst nicht verschossen: „Themen gibt es genug.“ Es darf also wieder gefragt werden: „Wie war das noch?“

Für die Sportstadt Trier ein Glücksfall: Die 1998 vor dem DFB-Pokal-Halbfinalspiel der Eintracht gegen Duisburg gebaute Flutlichtanlage im Moselstadion.
Für die Sportstadt Trier ein Glücksfall: Die 1998 vor dem DFB-Pokal-Halbfinalspiel der Eintracht gegen Duisburg gebaute Flutlichtanlage im Moselstadion. FOTO: Roland Morgen
Strahlt seit 1998 in frischem Glanz: Schloss Monaise. Zuvor war das einzigartige Denkmal lange Zeit dem Verfall preisgegeben.
Strahlt seit 1998 in frischem Glanz: Schloss Monaise. Zuvor war das einzigartige Denkmal lange Zeit dem Verfall preisgegeben. FOTO: Roland Morgen
Dem Turm Luxemburg auf dem Petrisberg widmet Helmut Schröer ein eigenes Kapitel. Foto: Roland Morgen
Dem Turm Luxemburg auf dem Petrisberg widmet Helmut Schröer ein eigenes Kapitel. Foto: Roland Morgen FOTO: Roland Morgen
Dem Turm Luxemburg auf dem Petrisberg und seiner Entstehungsgeschichte widmet Helmut Schröer ein eigenes Kapitel.
Dem Turm Luxemburg auf dem Petrisberg und seiner Entstehungsgeschichte widmet Helmut Schröer ein eigenes Kapitel. FOTO: Roland Morgen