| 18:11 Uhr

Läuft die Heizung, kommt der Bus nicht mehr weit
Trierer Elektrobus steht wieder in der Garage

 Der Stolz der Flotte außer Gefecht. Das neueste und bislang teuerste Stadtwerke-Fahrzeug,  ein Sileo-Elektrobus (rechts, zu vollen Ansicht Bild aufklappen), wurde vorsichtshalber vom Liniendienst abgezogen. Links der vom Luxemburger Verkehrsunternehmen Voyages Emile Weber ausgeliehene Irizar-Elektrobus an der Ladestation. Er wird überwiegend auf der Linie 2 von Heiligkreuz nach Zewen eingesetzt. 
Der Stolz der Flotte außer Gefecht. Das neueste und bislang teuerste Stadtwerke-Fahrzeug,  ein Sileo-Elektrobus (rechts, zu vollen Ansicht Bild aufklappen), wurde vorsichtshalber vom Liniendienst abgezogen. Links der vom Luxemburger Verkehrsunternehmen Voyages Emile Weber ausgeliehene Irizar-Elektrobus an der Ladestation. Er wird überwiegend auf der Linie 2 von Heiligkreuz nach Zewen eingesetzt.  FOTO: Roland Morgen
Trier. Nach zwei Einsatzwochen ist in Trier der erste rheinland-pfälzische Elektrobus vorübergehend aus dem Verkehr gezogen worden. Vorsichtshalber, sagen die Stadtwerke. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Letzte Woche drehte der erste Elektrobus in Rheinland-Pfalz noch zuverlässig seine Runden auf Trierer Straßen, fuhr auf der Linie 5 zwischen Castelforte (Trier-Nord) und Trier-Feyen. Jetzt ist er von der Bildfläche verschwunden. „Wir haben ihn sicherheitshalber vom Netz genommen“, erklärt Michael Schröder (48), Leiter des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Trier (SWT) auf TV-Anfrage.

Das bislang teuerste Fahrzeug (560 000 Euro) und der Stolz der SWT-Flotte nach nur zwei Dienstwochen schon außer Betrieb – das hat laut Schröder seinen „guten Grund. Es gibt Problemchen mit den Batteriezellen und der Software. Die wollen wir nicht auf eigene Faust lösen, sondern lassen uns von den Fachleuten zeigen, was Sache ist. Von denen wollen und müssen wir lernen.“

 Da fuhr er noch: der Sileo-Elektrobus der Stadtwerke am 3. Januar auf dem Nikolaus-Koch-Platz.
Da fuhr er noch: der Sileo-Elektrobus der Stadtwerke am 3. Januar auf dem Nikolaus-Koch-Platz. FOTO: Roland Morgen

Besagte Fachleute kommen aus dem niedersächsischen Salzgitter, dem Sitz der E-Bus-Herstellerfirma Sileo. Ob vielleicht schon am Freitag oder erst zu Beginn kommender Woche ist noch unklar, denn sie sind derzeit bundesweit gefragt, überall dort, wo Sileo-Fahrzeuge unterwegs sind. Das in Trier aufgetretene Problem ist kein Einzelfall.  Im Winter erweisen sich E-Busse als sehr anfällig: Die Reichweite sinkt beträchtlich, wenn die Energie aus den Akkus auch dazu genutzt wird, die Heizung zu betreiben. Im Fall des Trierer Busses kam hinzu, „dass eine Beschleunigung nicht mehr möglich war, obwohl laut Anzeige die Akkuladung noch 47 Prozent betrug“, sagt Marco Müller (43), SWT-Abteilungsleiter Technik und Parken. Also sei der Bus gleich aus dem Verkehr gezogen und durch einen Einsatzwagen ersetzt worden.

„Abgesehen davon, dass wir nicht wissen, wo genau das Problem liegt und ob wir es verschlimmern, wenn wir den Wagen weiterfahren lassen, ist es ja unser Job, die Fahrgäste pünktlich von A nach B zu bringen. Und mit geringem Tempo ist das eben nicht möglich.“

So harrt der malade Sileo nun in der SWT-Bushalle in der Gottbillstraße der Visite und der Diagnose des Spezialistenteams aus Salzgiter. Was aber nicht bedeutet, dass Trier und damit ganz Rheinland-Pfalz vorübergehend wieder E-Bus-freie Zone sind. Die Stadtwerke haben noch ein zweites Batteriegefährt im Einsatz: Der Bus des spanischen Herstellers Irizar ist für ein halbes Jahr vom luxemburgischen Verkehrsunternehmen Voyages Emile Weber ausgeliehen und aktuell vor allem auf der Linie 2 (Heiligkreuz-Zewen) unterwegs.

Der Leih-Deal basiert auf einer zukunftstorientierten Kooperation. Weber, die Stadtwerke und das Verkehrsunternehmen Bollig aus Echternach/Luxemburg haben sich zu einem Knowlegde Pool (Wissensverbund) zusammengetan, „Wir tauschen unsere Erfahrungen mit Elektromobilität aus und  schulen gemeinsam die Fahrer von E-Bussen“, erläutert SWT-Verkehrschef Schröder. Weder er noch sein Kollege  Marco Müller sehen in dem vorübergehenden Ausfall des ersten Trierer Sileo-Busses ein ernsthaftes Problem, geschweige denn einen Rückschlag in den SWT-Bemühungen, ihre 80 Wagen umfassende Busflotte nach und nach zu „entdieseln“. Es handele sich um eine neue Technologie, deren Entwicklung noch am Anfang stehe. Da seien „Kinderkrankheiten“ und Anlaufschwierigkeiten völlig normal und erwartbar. Schröder: „Wir hätten uns eher gewundert, wenn von Beginn an alles reibungslos gelaufen wäre.“

Insgesamt drei Wagen vom Typ Sileo S 10 haben die Stadtwerke bestellt. Die Anschaffungskosten betragen zusammen rund 1,7 Millionen Euro (einschließlich Lade-Infrastruktur); das Bundesverkehrsministerium gibt einen Zuschuss in Höhe von 407 000 Euro.

Triers E-Bus Nummer zwei wird gerade produziert. Sileo erhält die verglasten Rohkarossen aus der Türkei. In Salzgitter werden die Fahrzeuge dann mit Achsen, Antriebstechnik, Energiespeicher, Einrichtung und allen sonstigen Komponenten komplettiert. Schröder rechnet mit einer Auslieferung und Inbetriebnahme im Februar.

Wenige Wochen später soll das umweltfreundliche Wagen-Trio komplett sein und exklusiv auf der Linie 5 fahren. Die wäre damit die landesweit erste Linie, auf der ausschließlich E-Busse eingesetzt werden. Vorausgesetzt, es treten nicht wieder „Problemchen“ auf.