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Türen auf für die Maus

Die Aufgaben eines Restaurators kennt nun jedes Kind. TV-Foto: Viola Merten
Die Aufgaben eines Restaurators kennt nun jedes Kind. TV-Foto: Viola Merten FOTO: (h_st )
Trier. Kinder entdecken zusammen mit der Sendung mit der Maus das Stadtmuseum Simeonstift und lernen, wie man Kunst fälscht. Viola Merten

Trier Leise surrt die Glasschiebetür auf und lässt das Publikum in den Eingangsbereich mit Kasse und Shop ein. Doch so einfach wie hier kann man sich im Stadtmuseum Simeonstift nicht immer bewegen, zumindest nicht als Besucher. "Genau darum geht es am Maus-Türöffner-Tag", sagt Organisatorin Dorothée Henschel. "Kinder dürfen bei dieser speziellen Führung hinter die Kulissen schauen und Räume in unserem Haus erkunden, zu denen sonst nur das Personal Zutritt hat." Die bundesweite Aktion der Sendung mit der Maus, die seit 2011 immer am 3. Oktober stattfindet, ist zum ersten Mal im Stadtmuseum Trier zu Gast und die 72 Plätze dort waren schnell belegt. "Die Maus zieht immer", sagt Henschel lächelnd.
Währenddessen teilen Hanna-Verena Knopp und Rita Ketler die jungen Besucher ab vier Jahren in zwei Gruppen ein. Die erste Tür, durch die der Weg anschließend führt, ist direkt neben der Garderobe versteckt. Im Keller angekommen, betrachten die Kinder die vollgepackten hohen Regale zu beiden Seiten. "Das ist das Lager für Museum und Shop", erklärt Ketler. Zwei Mädchen kichern, als sie unter einem niedrig hängenden Rohr durchgehen. "Das ist aber nichts für große Leute!" Auf dem Weg zurück nach oben passiert die Gruppe die gläserne Aufzugstür und zwei weitere weiße Türen, die sich nur mit einem elektronischen Schlüssel, dem Transponder, öffnen lassen. "Es riecht nach alten Bildern", bemerkt der junge Jonas stirnrunzelnd. Auf dem Arbeitstisch steht ein großes Modell des Hauptmarkts, das "der Mann, der alte Sachen wieder heile macht" auch gebaut hat. "Damit es aber überhaupt Dinge im Museum gibt, die restauriert werden können, braucht man Archäologen, die alte Sachen ausgraben. Oder wir ersteigern Kunstwerke auf einer Auktion", erklärt Ketler.
Ein Stockwerk weiter oben schwingt die zweiflügelige Glastür vor dem Roten Saal automatisch auf, aber trotzdem spielt ein ganz besonderer Schlüssel eine wichtige Rolle: "Jedes Bild hier ist mit Spezialschrauben an der Wand befestigt, die sich nur mit diesem Schlüssel öffnen lassen", sagt die Führerin und hält ein flaches Metallstück mit eckiger Ausstanzung hoch. Doch bis jetzt wurde noch nie etwas gestohlen.
Kunst und Kriminelle gehören wohl zusammen, denn auch Fälscher verstehen die Details ihres Handwerks. "Nur wenn ein Bild wirklich alt ist, hat es kleine "Krakelee"-Risse. Damit neue Farbe abplatzt, legen Fälscher ihre Werke oft in den Backofen." Zum Ende der Führung dürfen die Kinder so etwas Ähnliches ausprobieren. Sie übermalen ausgedruckte Meisterwerke und föhnen diese anschließend. Doch es gibt ein Problem: "Alles hat mir super gefallen", sagt Jonas, der schon zum fünften Mal beim Türöffner-Tag ist, "aber ich brauche noch eine Stunde für mein Gemälde!"