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Unfassbare Bluttat für 90 Mark Beute

Ein Gedenkstein am Ort des Raubüberfalls erinnert an die heute vor 25 Jahren verstorbene Mutsuko Ayano. TV-Foto: Roland Morgen
Ein Gedenkstein am Ort des Raubüberfalls erinnert an die heute vor 25 Jahren verstorbene Mutsuko Ayano. TV-Foto: Roland Morgen
Mutsuko Ayano hatte keine Chance. Beim verzweifelten Versuch, ihre Handtasche zu retten, stürzte die junge Frau - ihr Todesurteil. Janusz Komar stieß ihr erst mit den Knien ins Gesicht, trat dann auf das wehrlose Opfer ein. Heute vor 25 Jahren erlag die Japanerin ihren Verletzungen. Der Täter sitzt noch immer hinter Gittern. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier/Regensburg. Donnerstag, 17. November 1983. Die Germanistik-Studentin Mutsuko Ayano macht sich morgens von ihrem Zimmer in der Kurfürstenstraße auf zur Uni. Sie geht den Kreuzweg zum Petrisberg hinauf. Unterhalb der Kapelle trifft sie auf Janusz Komar. Der polnische Schaustellergehilfe will ihre Handtasche. Er nimmt ihr auch das Leben und verschwindet unerkannt. Beute: 90 Mark. Spaziergänger finden das bewusstlose und furchtbar verstümmelte Opfer. Vier Tage später erliegt die 27-Jährige ihren schwersten Verletzungen.

Wie kaum ein anderes Gewaltverbrechen wühlt der brutale und heimtückische Überfall die Trierer auf. Und die Polizei hat nichts in der Hand. "Ein Alptraum! Wir ermittelten rund um die Uhr in alle Richtungen und landeten immer wieder im Nichts. So wie im Vermisstenfall Tanja Gräff", erinnert sich Bernd Michels (62), Leiter der Sonderkommission. Ausländerfeindliche Schmierereien auf Uni-Toiletten, ein Nichtsesshafter, der in einer Kneipe einen 1000-Yen-Schein zückt - 262 Spuren verfolgt die Kripo. Ohne Erfolg. Komar, damals 20, hat sich abgesetzt.

Regensburg, 5. Dezember 1983: Komar überfällt die Blumenhändlerin Maria Weis in ihrem Laden, tötet die 68-Jährige mit bestialischen Stiefeltritten. Beute: 300 Mark. Tags darauf stellt er sich der Polizei, gesteht aber nur den Raubmord im Blumenladen. Den entscheidenden Hinweis gibt er unfreiwillig: Er habe für eine Schaustellerfirma aus Erlangen bei der Allerheiligenmesse in Trier gearbeitet. Als das Ermittlungs-Ersuchen aus Regensburg bei der Kripo Trier eintrifft, ahnt Bernd Michels: "Das ist unser Mann!" Mit dem Kollegen Peter Bouzonville reist er nach Bayern und überführt Komar.

Der erste Prozess am Landgericht Regensburg platzt wegen Befangenheit eines Gutachters, im zweiten Anlauf setzt sich Staatsanwalt Günther Ruckdäschel durch: "Ich habe mich sehr bemüht, dass Komar nicht nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wird." Für den 60-Jährigen, heute Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg, in unauslöschlicher Erinnerung: "An den Stiefeln Komars klebte das Blut beider Opfer." Das Urteil fällt am 24. Mai 1985: neun Jahre Haft wegen Raubes mit Todesfolge und lebenslänglich wegen Raubmordes.

Komar sitzt noch immer in der JVA Straubing (Oberbayern) und hat nach Einschätzung von Günther Ruckdäschel "keine Aussicht auf Entlassung in Deutschland". Ein Antrag auf Abschiebung zur Strafvollstreckung in Polen blieb bislang ohne Resonanz. Extra Die Universität lädt für heute, 12.30 Uhr, zu einem Gedenken an Mutsuko Ayano ein, von 1981 bis 1983 Studentin in Trier. Treffpunkt ist der Gedenkstein am Ort des Überfalls nahe der Kreuzweg-Kapelle auf dem Petrisberg. Den vom Rotary-Club gestifteten Gedenkstein hat der Trierer Künstler Jupp Zimmer (1919-1995) gestaltet. Franz-Josef Becker (67) aus Trier-Kürenz pflegt den Erinnerungsort und schmückt ihn mit Blumen: "Das habe ich den Eltern von Mutsuko Ayano versprochen." (rm.)

Unvergessen: Mutsuko Ayano (1956-1983). TV-Foto: Archiv
Unvergessen: Mutsuko Ayano (1956-1983). TV-Foto: Archiv