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Universität
Uni Trier: Massenansturm und Hoffnungen für die Zukunft

Der umfassend renovierte Audimax der Universität Trier ist pünktlich vor dem Start des Wintersemesters fertig geworden. Angesichts des überraschenden Ansturms von Psychologie-Studenten kam das gerade rechtzeitig.
Der umfassend renovierte Audimax der Universität Trier ist pünktlich vor dem Start des Wintersemesters fertig geworden. Angesichts des überraschenden Ansturms von Psychologie-Studenten kam das gerade rechtzeitig. FOTO: Uni Trier / Peter Kuntz/Uni Trier
Trier. Wegen einer Panne haben 468 statt der geplanten 202 Psychologiestudenten mit dem Studium begonnen. Präsident Michael Jäckel sieht das gelassen und kündigt weitere Veränderungen an. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Blau, Türkis und Weiß sind die dominierenden Farben im renovierten Audimax der Universität Trier. Nach zwölfwöchiger Umbauzeit ist von den in die Jahre gekommenen Holzverkleidungen und dem unansehnlichen Boden nichts mehr zu sehen. „Wir sind über diese Punktlandung zum Start des Wintersemesters stolz“, sagt Uni-Präsident Michael Jäckel. Er freut sich auch über die neue Technik und die bessere Akustik, die beim Festkonzert zum Dies Academicus (siehe Info) erstmals wirklich zur Geltung kommen wird.

Die rechtzeitige Fertigstellung war auch aus anderem Grund wichtig: Wegen einer Panne bei den Einschreibeterminen im Bereich Psychologie haben Ende Oktober 468 junge Menschen statt der geplanten 202 mit ihrem Studium begonnen. Nur das Auditorium Maximum war groß genug, um allen bei der Startvorlesung Platz zu bieten.

„Natürlich war diese Zahl nicht unsere Absicht“, sagt Präsident Jäckel. Weil vier Wochen vor dem Ende der Einschreibungsfrist nur ein Fünftel der vorgesehenen Studienplätze vergeben gewesen seien, habe man den für dieses Fach geltenden Numerus Clausus schrittweise auf 1,7 gesenkt. „Es war nicht abzusehen, dass gleichzeitig über das digitale Anmeldesystem so viele Bewerbungen kommen. Aber wenn eine Zulassung erteilt ist, kann sie nicht zurückgezogen werden.“ Alle Register seien gezogen worden, um die Situation zu bewältigen. „Wir haben neues Personal eingestellt und die Größe der Lehrveranstaltungen etwas verändert“, sagt Jäckel.

Bei Studierenden und Lehrpersonal ist die Aufregung groß: „Viele Kurse und Seminare sind für kleine Gruppen angelegt“, sagt ein Insider. „Wie soll diese Qualität in Zukunft beibehalten werden? Und wer soll nach Klausuren die große Zahl von Arbeiten in angemessener Zeit korrigiert?“ Die Sorge geht um, dass die Zahl der Studierenden in den kommenden Semestern zum Beispiel durch besonders schwere Prüfungen bewusst reduziert werden könnte. Zumindest werde es schwerer, die Regelstudienzeit einzuhalten.

Will die Universität möglichst viele der Psychologie-Studienanfänger nun zum Wechsel bewegen? Diese Frage beantwortet Präsident Michael Jäckel ohne Zögern: „Das haben wir nicht vor.“ Was nun durch die unglückliche Panne passiert ist, analysiert er aber „als gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn wir Studiengänge komplett öffnen.“

Gut sind die 468 neuen Psychologiestudenten zumindest für die Statistik der Uni Trier. Denn nur mit ihnen erreicht die Zahl der Studienanfänger die Marke des Vorjahres: 2300. Das sind dennoch 200 weniger als im Jahr 2005, dessen Zahlen als Basis für Geld aus dem Hochschulpakt herangezogen werden. „Wir wünschen uns eine Abkehr von dieser Regel“, macht Jäckel klar, der Ende Oktober das Amt des Vorsitzenden der Landeshochschulpräsidentenkonferenz übernommen hat. In den kommenden zwei Jahren ist er Vermittler und Sprachrohr der Universitäten und Hochschulen in Rheinland-Pfalz gegenüber der Politik. „Wir haben die Hoffnung, dass über die Finanzierung der Universitäten vor dem Hintergrund des Hochschulzukunftsprogramms neu nachgedacht wird. Im Entwurf des Doppelhaushalts 2019/2020 zeichnet sich das leider noch nicht ab.“

Unabhängig davon will Jäckel gemeinsam mit dem Uni-Präsidium den Standort Trier attraktiver machen. Eine gemeinsame PR-Offensive mit Hochschule und der TTM (Trier Tourismus Marketing GmbH) gehört ebenso dazu wie neue Dinge bei Forschung und Lehre. „Die Universität Trier muss ein Profil erhalten, dass Bezüge zur Region und Internationalität gleichzeitig beinhaltet.“ Nach dem Vorbild von Mainz soll nicht nur das Fach Jura für das Sommersemester geöffnet werden. „Mit Ausnahme der Numerus-Clausus-Fächer wird in Zukunft in fast allen Studiengängen der Start zum Sommer möglich sein.“ Diskutiert wird auch, ob angesichts des Bedarfs von Grundschullehrern und den immer größeren Herausforderungen an den Unterricht in Trier ein Studium für das Lehramt an Grundschulen angeboten werden kann.

Grundsätzlich plädiert Jäckel für mehr fächerübergreifende Studiengänge. Die Digitalisierung nennt er ebenso als Schwerpunkt dafür wie die Gesundheitswissenschaften. Auch für den Bereich Tourismus könnte es in zwei Jahren wieder ein Studienangebot geben. Geografie, Kunstgeschichte und klassische Archäologie könnten daran beteiligt sein. In zwei Jahren, 2020, soll auch der 50. Geburtstag der neuen Uni Trier gefeiert werden. Wie viele Psychologie-Studenten dann noch dabei sein werden, kann derzeit niemand sagen.