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Hochschulen
Universität Trier soll Teil einer europäischen Hochschule werden

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Symbolfoto FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Heute starten rund 11 500 Studenten ins neue Semester. Die Politik arbeitet an Perspektiven für sie. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Nicht nur in den Schulen von Rheinland-Pfalz beginnt heute nach den Osterferien wieder der Alltag. An den Universitäten startet das Sommersemester. In Trier bedeutet das für 11 536 Studierende den Wiedereinstieg auf dem Weg zum Bachelor-Abschluss oder Staatsexamen. Anders als zum Wintersemester ist die Zahl der Ersteinschreibungen allerdings traditionell gering und auf wenige Fächer beschränkt. Nur 89 junge Frauen und Männer nehmen nach Auskunft der Universität ihr Studium in den Fächern Wirtschaftsinformatik, Informatik, Angewandte Mathematik oder Wirtschaftsmathematik auf.

In einigen Jahren könnten sich aber auch für diese Studenten neue Perspektiven ergeben. Denn nach Vorstellungen der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und von Wissenschaftsminister Konrad Wolf soll die Universität der Großregion, zu der auch Trier gehört, europäische Universität werden. Die Landesregierung greift damit den Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf, den er zuletzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigt hatte: Bis ins Jahr 2024, so der Vorschlag Macrons, soll ein europäisches Universitätsnetzwerk mit 20 europäischen Universitäten entstehen.

Als Grenzland mitten in Europa sei Rheinland-Pfalz dafür ideal geeignet, an diesem Projekt teilzuhaben, so Ministerpräsidentin Dreyer. „Unsere Universitäten Kaiserslautern und Trier in der Großregion Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie gehören bereits seit 2008 zum Zusammenschluss von sechs Universitäten. Sie sind ein idealer Startpunkt, um eine eng verbundene europäische Universität im Herzen Europas zu gründen.“

Aus Kreisen des Wissenschaftsministeriums ist zu hören, dass es sich bei dem Projekt keinesfalls um ein reines Lippenbekenntnis handele. Vielmehr müsse das Land jetzt dabei sein, wenn es bei der Vergabe der Standorte eine Chance haben wolle. Schließlich geht es auch um viel Geld aus den Töpfen der Europäischen Union. Positive Signale für die Bewerbung zu einer europäischen Universität gibt es auch vom saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans.

Michael Jäckel, Präsident der Uni Trier, kennt die Vorstellungen des französischen Präsidenten. „Die Universität der Großregion hat Macrons Gedanken bereits aufgegriffen und diskutiert“, sagt er im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Bei der nächsten Ratssitzung im Mai werde das erneut Thema sein. „Wir haben das auf unserer Agenda. Wie wollen unsere Erfahrungen einbringen und uns diesem Wettbewerb stellen“, sagt Jäckel.

Die Universität der Großregion wird von der EU gefördert und umfasst vier Länder und sechs Universitäten. Neben den beiden Universitäten Trier und Kaiserslautern gehören die Hochschulen in Liège, Luxemburg, die Université de Lorraine und die Universität des Saarlandes dazu. Mehr als 135 000 Studierende sind dort eingeschrieben. 7500 Promovierende und über 10 000 Dozenten und Forscher sind in dem Verbund beschäftigt. Die Geschäftsstelle der Universität der Großregion liegt in Metz und Saarbrücken.

Nach Aussage von Wissenschaftsminister Konrad Wolf soll mit dem Verbund derzeit vor allem die Mehrsprachigkeit im Grenzgebiet gefördert werden, um die Studierenden und Promovierenden auf den Arbeitsmarkt der Großregion vorzubereiten.