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Kurioses
Oh Schreck, die Nase des Trierers ist weg – aber nicht wirklich

Derzeit riecherlos: Franz Weißebachs Relief im Trierer Palastgarten. Das fehlende Stück ist entgegen aller Befürchtungen in Sicherheit bei Denkmalpfleger Peter Ahlhelm (rechts).
Derzeit riecherlos: Franz Weißebachs Relief im Trierer Palastgarten. Das fehlende Stück ist entgegen aller Befürchtungen in Sicherheit bei Denkmalpfleger Peter Ahlhelm (rechts). FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Da freut sich auch Günther Jauch: Der Riecher seines Ur-Urgroßonkels, der Triers Stadtpark stiftete, kommt bald wieder. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Das Lächeln wirkt mehr gequält als schelmisch. Verständlich, denn Franz Weißebach (1860-1925) liegt um eine Nasenlänge zurück. Genauer gesagt: Dem Gedenkrelief mit dem Antlitz des legendären und schalkhaften Trierers fehlt das Riechorgan. Ein Manko, das doppelt ins Gewicht fällt. Denn Weißebach hatte nicht nur eine stattliche Nase, sondern auch einen im wahrsten Wortsinne guten Riecher. Er wusste, wie er die Kommunalpolitiker seiner Heimatstadt jahrelang auf Trab hält und sich selbst nachhaltig in Erinnerung bringt. Weißebach – ein Unikum. Seine Tätigkeit als Kaufmann hängte er früh an den Nagel und lebte fortan von seinem Erbe, zu dem ein Anteil am elterlichen Weingut (heute von Othegraven, im Besitz von Thea und Günther Jauch) im Vorort Kanzem gehörte. Der Junggeselle genoss seinen Ruhestand in vollen Zügen. 1925 starb er plötzlich und hinterließ der Stadt sein beträchtliches Vermögen samt einigen Fudern Saarweins des Jahrhundertjahrgangs 1921. Seine Stiftung hatte der Schalk freilich mit der hinterlistigen Auflage verbunden, ein Krematorium zu bauen – ausgerechnet im erzkatholischen Trier. Einziger Ausweg aus dem Dilemma: Wenn der Stadtrat das Ansinnen fünf Jahre lang jeweils ablehnt, kann von dem Geld ein Volksgarten angelegt werden. Der Rat setzte den Krematoriumsbau notgedrungen Jahr für Jahr auf die Tagesordnung und stimmte ebenso vorhersehbar immer wieder aufs Neue dagegen. Und so wurde Weißebach zum Stifter des Palastgartens, des Volksparks, der auf dem zuvor größtenteils als Exerzierplatz genutzten Areal vor dem Kurfürstlichen Palais angelegt wurde. 1937 ehrte die Stadt den Gönner mit einer steinernen Gedenktafel, geschaffen von Bildhauer Paul Siegert (1905-1982).

1994 hieb ein Unbekannter dem Muschelkalk-Weißebach die Nase ab, die seither spurlos fehlt. Zwei Jahre später spendierte der Verein Trierisch einen neuen Riecher aus Künstlerhand – doch nun ist auch der weg. Erneut ein Fall von Vandalismus? Jedenfalls herrscht große Aufregung. Auf TV-Nachfrage gibt es Entwarnung aus dem Rathaus: „Das gute Stück liegt uns wohlbehalten vor“, erklärt Denkmalpfleger Peter Ahlhelm. Ins Bau-Bürgerbüro gebracht hat Martha Halmer das markante Teil: „Ich wohne in der Nähe und erfreue mich fast täglich an unserem schönen Palastgarten. Die Nase habe ich auf dem Boden unter der Weißebach-Gedenktafel gefunden“, berichtet die 69-Jährige.

 Die Geschichte steuert auf ein Happy End zu. Steinmetz Stefan Raquet wird, „wenn das Wetter mitspielt“, am Freitag im Palastgarten wieder zusammenbringen, was zusammengehört. „Und zwar so, dass es dauer­haft hält.“ Als Honorar hätte er gerne „eine gute Flasche Wein. Es muss ja kein 1921er sein“.

Günther Jauch reagiert mit weiße­bach’schem Humor: „Ich bin froh und erleichtert, dass sich die Nase meines Ur-Urgroßonkels gefunden hat. Im Notfall hätte ich mit meinem Zinken Modell gestanden – eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich ja nicht leugnen“, sagt der 62-jährige Fernsehmoderator zum TV.

Am Boden liegend gefunden und bei der städtischen Denkmalpflegeabteilung abgeliefert: Die Nase vom Weissebach-Relief aus dem Palastgarten. Foto: Roland Morgen
Am Boden liegend gefunden und bei der städtischen Denkmalpflegeabteilung abgeliefert: Die Nase vom Weissebach-Relief aus dem Palastgarten. Foto: Roland Morgen FOTO: TV / Roland Morgen