| 21:10 Uhr

Verzögerungen am Trierer Hauptbahnhof - Termin für Fertigstellung noch ungewiss

Trier. Die Deutsche Bahn AG hat im Herbst eine umfassende Erneuerung von Teilen des Trierer Hauptbahnhofs begonnen. Doch nun sind die Arbeiten ins Stocken geraten, weshalb Reisende weiterhin einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen. Wann die neue Überdachung des Bahnsteigs an Gleis 11 fertiggestellt sein wird, ist offen. Marcus Stölb

Trier. Wer dieser Tage am Trierer Hauptbahnhof ankommt oder abfährt, für den führt kaum ein Weg an der Baustelle vorbei. Nahezu der komplette Hausbahnsteig am Gleis 11 ist gesäumt von Absperrungen und Baumaschinen. Der nördliche Zugang zur Bahnsteigunterführung ist dicht. "Zu den Zügen" weisen Schilder den Reisenden den Weg, doch der führt zunächst ins Freie. Schließlich wurde das marode Bahnsteigdach schon vor Monaten demontiert, und der Ersatz lässt auf sich warten.

Denn die Arbeiten an der größten Bahnstation der Moselstadt sind ins Stocken geraten. Die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn AG vermögen derzeit nicht zu sagen, wann die Erneuerung des Hauptbahnhofs abgeschlossen werden kann. An Gleis 11 soll auf einer Länge von 73 Metern eine völlig neue Überdachung des Bahnsteigs errichtet werden (wir berichteten). So weit der Plan, der auch denkmalpflegerische Belange berücksichtigen muss. Allerdings scheint die Tatsache, dass der zwischen 1950 und 1954 errichtete und insgesamt mehr als 90 Meter lange Gebäudekomplex unter Denkmalschutz steht, das geringere Problem zu sein.

Bei den Arbeiten zur Neuerstellung des Bahnsteigdaches sei es "zu weiteren Verzögerungen gekommen", bestätigt auf Anfrage eine Sprecherin der DB AG und berichtet, dass sich "die Gründung der neuen Stützen aufgrund des Untergrundes erschwert hat und teilweise neue Planungen erforderlich waren." Die Konsequenz: "Einen endgültigen Fertigstellungstermin für den Hausbahnsteig können wir derzeit auch aufgrund der Witterungsverhältnisse noch nicht benennen." Wer sich vor Ort ein Bild vom Stand der Arbeiten macht, fühlt sich um etliche Jahre zurückversetzt - ins Frühjahr 2007, als die Arbeiten am neuen Aufzug des mittleren Bahnsteigs nicht enden wollten.

Immerhin kam die Bahn bei einer anderen Maßnahme erkennbar voran, doch auch hier ist sie nicht am Ziel: "Die Sanierung des Daches ist noch nicht in allen Bereichen abgeschlossen", erklärte die Konzernsprecherin gegenüber dem TV, weshalb das Empfangsgebäude nach wie vor in weiten Teilen eingerüstet ist. "Witterungsbedingt müssen die Arbeiten bis zu frostfreien Perioden ausgesetzt werden." Wer nun gehofft hatte, das Gerüst könne eventuell noch für einen neuen Anstrich gebraucht werden, wird enttäuscht: Das Erdgeschoss des Empfangsgebäudes werde "zunächst nicht neu gestrichen, aber es werden noch kleinere notwendige Ausbesserungsarbeiten im Putz vorgenommen", heißt es. Aber auch hierfür müssten frostfreie Perioden absehbar sein.

Unterdessen sind auch die beiden geplanten Wetterschutzhäuschen am Gleis 10 Nord noch nicht in Sicht. In diesem Bereich hatte die Bahn im Herbst das Bahnsteigdach komplett entfernt und angekündigt, dieses durch zwei Wetterhäuser ersetzen zu wollen (wir berichteten). Zur Begründung hieß es seinerzeit, dass der Trierer Hauptbahnhof verglichen mit anderen Bahnhöfen über sehr viel Dachfläche verfüge und der "Hauptaufenthaltsbereich" ohnehin vor dem Empfangsgebäude liege, also am Gleis 11. "Mit dem Bau der Wetterschutzhäuschen werden wir voraussichtlich Ende März beginnen", kündigte die Bahn auf Nachfrage jetzt an. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.Extra

Der Trierer Hauptbahnhof Der erste Bahnhof der Stadt stand im Westen und trug bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Bezeichnung "Trier links der Mosel". Doch längst konzentriert sich das Bahngeschehen Triers auf die Osttrasse und den heutigen Standort des Hauptbahnhofs. Dort fand sich zunächst ein schlichter Fachwerkbau, wie dem kürzlich erschienenen "Architekturführer Trier" zu entnehmen ist. Bis 1896 ein historistischer Neubau errichtet wurde, der 1944 bei Luftangriffen zerstört wurde. Der dritte "Neubau" stammt aus der ersten Hälfte der 50er Jahre, und den Charme jener Zeit versprüht auch das großflächige Moselpanorama im Innern der Empfangshalle. Das wohl 1953 als Werbung angelegte Wandgemälde steht wie der gesamte Gebäudekomplex des Hauptbahnhofes unter Schutz, weshalb sich Überlegungen der Deutschen Bahn, den Innenbereich der Halle komplett zu erneuern, zerschlugen. Seit dem Wegfall der letzten IC-Verbindungen im Dezember vergangenenen Jahres fungiert die Station nicht mehr als Fernbahnhof. mst