| 17:19 Uhr

Kolumne
WC-Ente statt Schweden-Mode?

FOTO: TV / Werhan, Michael
Polyester-T-Shirts für 5,99 in Triers guter Stube? Als 1999 der H&M am Hauptmarkt eröffnete, noch dazu im – zumindest ehemals – ehrwürdigen Ensemble des Palais Walderdorff, war das für die ganz alten Trierer schon ein kleiner Kulturschock.Für die nicht ganz so alten wurde Trier damit zur Großstadt.

Die schwedische Modekette brachte die große, weite Modewelt in die Stadt. Plötzlich sahen die Studenten auf der Sim aus, als würden sie in Köln oder Frankfurt studieren, und nicht im bis dato größten Dorf der Eifel.
Am heutigen Samstag macht H&M die Schotten dicht. Das Modehaus hat sich nicht mit dem Besitzer der Immobilie, der Nikolaus-Koch-Stiftung, über eine angemessene Miete für den Laden einigen können. In Zeiten der Internetriesen Zalando, Amazon und Co. ist es im Klamotten-Einzelhandel offenbar selbst für einen Markt-Riesen nicht mehr so einfach, die Pacht in der 1a-Lage zu bezahlen.
Ich find’s schade, dass H&M geht. O.k., mittlerweile gibt’s weitere modische Günstigläden in Trier, Zara und Mango oder wie sie alle heißen. Die Trierer Teenies und Studenten werden also auch ohne H&M nicht in die Zeit der Rüschenblusen zurückfallen (obwohl: alles kommt ja wieder, sagt Bärbel immer!). Der Nachmieter, die Drogeriekette dm, will erst Mitte nächsten Jahres einziehen. Bis dahin werden die Schaufenster an der Ecke zum Dom also leer stehen? Vielleicht gar keine sooo schlechte Sache. Denn was soll eine Drogeriekette schon in die Auslage stellen? Metallregale voller Essigreiniger, Haarentfernungscreme und Klosettsteine, so wie der Drogeriemarkt im Jakobsspitälchen? Da kann man nur hoffen, dass dm sich was Besseres einfallen lässt und die Fenster würdig gestaltet – Klopapier und WC-Ente fände ich unpassend im größten Schaufenster an Triers bester Stube, findet euer Jupp..