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Villa Reverchon: Bundesfreiwilligendienst zieht im Frühjahr 2016 nach Saarburg – Besitzer Triwo äußert sich noch nicht zu eigenen Plänen

Trier-Pallien. Die Villa Reverchon als Schulungszentrum – das ist bald Vergangenheit. Nach dem Auszug des Bundesfreiwilligendienstes will das Immobilienunternehmen Triwo AG die ihm gehörende Villa ab 2016 selbst nutzen. Roland Morgen

Es war ein denkwürdiges Ereignis: Am 9. Mai 1980 kamen mehr als 100 Würdenträger aus Politik und Gesellschaft in der Villa Reverchon zusammen, um dem Festakt zur Eröffnung der Zivildienstschule beizuwohnen. Einem nicht unumstrittenen Ereignis: Denn warum sollte die Nobelimmobilie in bester Lage oberhalb Palliens ausgerechnet "Kriegsdienstverweigerer", also "Drückeberger", beherbergen? Doch gerade diese Nutzung wurde zum Erfolgsmodell. Fast 47?000 Teilnehmer besuchten Seminare in der wohl schönsten der 17 Zivi-Schulen Deutschlands. Viele von ihnen kamen später als Touristen wieder, um Deutschlands älteste Stadt, die ihnen dort oben quasi zu Füßen gelegen hatte, näher kennenzulernen.

2011 war Schluss mit der Wehrpflicht und damit auch mit dem Zivildienst. Seither dient die Villa Reverchon als Bildungszentrum für den Bundesfreiwilligendienst. Aber nur noch für gut vier Monate: Der Mietvertrag zwischen dem Bezirksverband Rheinland der Arbeiterwohlfahrt (Awo; Träger des Schulungszentrums) und dem Trierer Immobilienunternehmen Triwo AG, dem die Villa gehört, läuft zum Jahresende aus. Das Bildungszentrum wird nach Saarburg-Beurig umziehen. Die Awo Rheinland hat einen Block der dortigen früheren französischen Kaserne de Lattre gemietet. Ab März 2016 soll es dort weitergehen mit Schulungen für Frauen und Männer aus der ganzen Republik, die den Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr absolvieren. Das Programm bleibt wie gehabt - auch räumlich. "Wir werden rund 60 Übernachtungsplätze haben, dazu Seminar- und Freizeiträume", sagt Klaus F. Schmitt (63), der das Bildungszentrum seit zehn Jahren leitet. Er rechnet auch im neuen Domizil mit rund 2000 Teilnehmern jährlich. Das seien rund 10?000 Seminartage und etwa 7000 Übernachtungen, die künftig Saarburg zugute kämen.

Zu ihren Plänen mit der Villa Reverchon will sich Triwo noch nicht offiziell äußern, da diese mit einer Umnutzung einhergingen, die erst noch genehmigt werden müsse. Vorstand Peter Adrian (58) spricht von "Eigenbedarf". Was im Klartext wohl heißt, dass die Triwo, die bundesweit aktiv ist und Anfang des Jahres den Flughafen Zweibrücken gekauft hat, ihren Firmensitz in die repräsentative Villa verlegen will. Eine naheliegende Lösung. Denn bislang residieren Adrian und seine rund 30 Trierer Mitarbeiter (von insgesamt 50) relativ beengt und ohne Expansionsmöglichkeiten im Alleencenter in der Ostallee. Und das zur Miete. Denn das 2001 eröffnete Alleencenter hat die Triwo zwar gebaut, aber fünf Jahre später verkauft. Heute gehört es der Deka-Bank, die wiederum Teil des Sparkassen- und Giroverbandes ist.
Extra

Die Villa Reverchon zählt zu Triers bedeutendsten Villen. Sie wurde von 1909 bis 1912 nach Plänen des Mannheimer Architekten Rudolf Tillessen im neoklassischen Stil als Wohnhaus für den Bankier Adrian Reverchon (1863-1923) erbaut. 1941 beschlagnahmte die Wehrmacht das Gebäude und die ebenfalls der Familie Reverchon gehörende Nachbarvilla Bellevue (Ruine 2012 abgerissen). Die Villa Reverchon diente nach dem Krieg mehr als 20 Jahre lang als Eisenbahnerkurheim Moselland und Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Nach längerem Leerstand richtete die Awo 1980 dort das Bildungszentrum ein. Nach der Insolvenz der Awo Trier im Jahr 2000 kam die Villa samt Park in den Besitz einer privaten Trierer Grundstücksgesellschaft, heute gehört sie der Triwo AG. rm.