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Vom Volontär zum Chefredakteur: TV-Urgestein Norbert Kohler tot

Trier. Trauer um Norbert Kohler: Der frühere TV-Chefredakteur und Vorsitzende der Nikolaus-Koch-Stiftung ist am Donnerstag im Alter von 88 Jahren nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Kohler war einer der letzten Protagonisten aus der Zeit des TV als Familienunternehmen. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Hans König (1916 bis 1999), von 1957 bis 1975 Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Trier, sagte einmal über Norbert Kohler, er könne etwas, das die meisten Stadtratsmitglieder nicht beherrschten, nämlich den städtischen Haushalt lesen und verstehen. Wohl wahr. Kommunalpolitiker konnten Kohler in aller Regel nichts vormachen. Nicht zuletzt deshalb war er für Nikolaus Koch (1908 bis 1982), Verleger des Trierischen Volksfreunds, so wichtig. Der aus Brauneberg stammende Lehrersohn war so ganz und gar nicht der Typ Journalist, der gerne auf Pressekonferenzen herumscharwenzelte - er war ein eifriger Schaffer, einer mit Autorität, der um die Macht des geschriebenen Wortes wusste. Und viel schrieb.

Das provozierte Widerspruch. "Zar Nikolaus' Sprachrohr", höhnten Kritiker. Doch die kannten die verzwickten TV-Interna nicht. "Schnellfeuerer" Koch setzte den ganz und gar nicht bedingungslos fügsamen Kohler zwei Mal vor die Tür - um ihn jeweils tags darauf reumütig wieder einzustellen. Es sollen Kochs einzige Rückholaktionen gewesen sein. Wer es sich einmal mit dem Verleger verscherzt hatte, war weg vom TV-Fenster.
Nach Kochs Tod avancierte Kohler zum großen Zeitungs-Macher. Zeitweilig stand er mit vier Funktionen im Impressum: stellvertretender Chefredakteur, Chef der Lokalredaktion Trier/Trier-Saarburg, Verantwortlicher für die Regionalausgaben sowie für die Rheinland-Pfalz-Seite.

Dabei legte er ein strammes Arbeitspensum hin. Wenn das Team der Lokalredaktion so gegen 9.30 Uhr eintrudelte, saß der Chef meist schon seit einer Stunde am Schreibtisch, und auch am Ende des Arbeitstages war er oft der letzte aus seiner Truppe, der Feierabend machte.
Keine Frage: Norbert Kohler, Spitzname "Noko", wollte die Zügel in der Hand halten. 1991 der berufliche Höhepunkt: Er wurde Chefredakteur der Zeitung, in der er als Volontär seine Karriere begonnen hatte.
Am 1. April 1994 ging Norbert Kohler nach 44 Berufsjahren in den Ruhestand. Doch mit der Ära Koch hatte der "personifizierte Volksfreund", wie er sich widerspruchslos bezeichnen ließ, noch lange nicht abgeschlossen. Kohler wurde Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Nikolaus-Koch-Stiftung, die Luise Koch (1907 bis 1993), letzte Verlegerin des Trierischen Volksfreunds, kurz vor ihrem Tod gegründet hatte. "Noko" hatte fortan die gleichermaßen ehren- wie verantwortungsvolle Aufgabe, den Einsatz der Stiftungsgelder - jährlich rund 2,5 Millionen Euro für Soziales und Bildung - zu koordinieren.

Mit 77 gab Kohler den Vorsitz an Manfred Bitter (damals Polizei-, heute Handwerkskammer-Präsident) ab und wechselte auf den Stellvertreterposten und in ein anderes Büro im Stiftungsdomizil zwischen Dietrichstraße und Nikolaus-Koch-Platz. Da habe sich, wie er einmal sagte, "der Kreis geschlossen". Sein Schreibtisch stand genau dort, wo Nikolaus Koch am 18. Februar 1950 den Nachwuchsjournalisten eingestellt hatte: "Se können morjen anfangen."

Am Donnerstag ist Norbert Kohler nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt Frau Hermine, zwei Kinder und zwei Enkel.