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Vorsicht, Satire: So wird 2015 (bestimmt nicht) - Ein sehr unernster Ausblick auf das neue Jahr in Trier

“Gerüstet„ für die Zukunft: Unesco-Weltkulturerbe Porta Nigra.
“Gerüstet„ für die Zukunft: Unesco-Weltkulturerbe Porta Nigra. FOTO: Roland Morgen
Trier. 2015 – aus jetziger Sicht 365 Tage voller Ungewissheit und potenzieller Überraschungen. Der TV verrät schon einmal vorab, was im neuen Jahr garantiert nicht auf die Triererinnen und Trierer zukommt. Roland Morgen

Januar: Am Rande des Neujahrsempfangs seiner früheren FDP-Parteifreunde lüftet Wirtschafts- und Kulturdezernent Thomas Egger das Geheimnis um sein neues Aussehen, das an Karl Mays bärtigen Orient-Schurken "Der Schut" erinnert: "Ich will zumindest optisch darauf vorbereitet sein, wenn ich in die Wüste geschickt werde."

Februar: Beim inoffiziellen Ü-18-Vorglühwettbewerb parallel zur offiziellen Weiberfastnachtsfete auf dem Hauptmarkt siegt die Gruppe "Chantal & die anner Bitsches" mit einem Durchschnittspegel von 1,18 Promille knapp vor "Justin unn sein Gängster-Gäng" (1,13).

März: Den Comedy-Slam gewinnt überraschend ein gewisser Marflow Ebiel. Der wahrhaft überragende Newcomer säuselt sich mit dem Beitrag "Acht goldene Jahre für Trier" zum Sieg. Jury und Publikum merken erst hinterher, mit wem sie zu tun haben - als sie seinen Namen rückwärts lesen.

Jan Eitel wird neuer Vorsitzender der CDU Trier. Der Manager der Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP) überzeugt die Delegierten mit seiner Leistungsbilanz: "Ich habe schon ganz andere Brachen auf Vordermann gebracht."

April: "Ab sofort wieder Fernzüge von und nach Trier", "Klaus Toppmöller neuer Eintracht-Trainer", "Angelika Birk wirft als Bürgermeisterin hin" - Die Nachrichtensprecherin eines privaten Rundfunksenders verkündet Knüllernachrichten zuhauf. Dumm nur, dass sie wieder mal auf die Aprilscherze anderer Medien hereingefallen ist und erneut keine Quelle nennt. Böses Mädchen!

Der frisch in Ruhestand gegangene Oberbürgermeister Klaus Jensen wird aus Dankbarkeit zum Ehrenobermeister der Tischlerinnung ernannt. In seiner achtjährigen Amtszeit sei die Nachfrage nach runden Tischen sprunghaft angestiegen. Die Laudatio hält das neue Stadtoberhaupt Wolfram Leibe.

Mai: Der Stadtverwaltungskomplex am Augustinerhof wird zu "Deutschlands Passivhaus des Jahres" gekürt. Die Jury urteilt: Die Größe der Gebäude und die Anzahl der sich darin aufhaltenden Menschen stünden in einem beeindruckenden Missverhältnis zur Produktivität.

Juni: Auf einem kleinen CDU-Parteitag im Bürgerhaus Filsch kündigt Landeschefin Julia Klöckner Ausnahmen beim von ihr angestrebten Burkaverbot an. In manchen Fällen sei "auch bei Einheimischen eine Vollverschleierung aus ästhetischen Gesichtspunkten wünschenswert oder sogar dringend geboten".

Wie bereits die Kaiserthermen und die Igeler Säule werden die Porta Nigra und die Konstantin-Basilika eingerüstet, obwohl dort keine Sanierungsarbeiten anstehen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Mainz will ein "einheitliches Erscheinungsbild" der Unesco-Weltkulturerbemonumente in ihrem Zuständigkeitsbereich bieten.

Juli: Eine ältere Frau aus Trier-Nord wird beim Anblick des frisch gestrichenen Turms der Paulinkirche farbenblind.

Der Trierer Immobilienunternehmer Harry Gergen kauft nach dem ehemaligen Holiday-Inn-Hotel am Verteilerring auch das ausrangierte Polizeipräsidium in der Südallee. Im IAT Tower 2 soll ebenfalls ein Mix aus Eigentumswohnungen und Hotelzimmern entstehen.

August: Der neue Theaterintendant Karl M. Sibelius gibt den Machern des Kleinen Volkstheaters Trier einen Beratervertrag. Gabi Hahn, Reiner Kuring und Helmut Leiendecker sollen ihm zeigen, wie es möglich ist, ohne öffentliche Zuschüsse seit mittlerweile 25 Jahren erfolgreich zu sein.

September: Der Trierer Unternehmer und Kaufmann Peter Brommenschenkel ist als neuer Geschäftsführer des Hauptstadtflughafens BER im Gespräch. Dessen Aufsichtsrat ist angetan von Brommenschenkels Macherqualitäten und seinem stets positiven Verhältnis zu Baubehörden.

Linke und Piraten scheitern im Stadtrat mit einem Petitionsantrag, der die Seligsprechung von Karl Marx (1818-1883) zum Ziel hat. Freie Wähler und AfD finden für ihren Alternativvorschlag, der weltberühmteste aller gebürtigen Trierer solle scheinheilig gesprochen werden, ebenfalls keine Mehrheit. Bischof Stephan Ackermann zeigt sich erleichtert.

Oktober: Die KG Heuschreck 1848, Triers älteste Karnevalsgesellschaft, gibt ihr Motto für die Session 2016 bekannt: "Schunkelcamp".

Schauspieler-Debüt für SPD-Vormann Sven Teuber - und das gleich mit einer Doppelrolle: In der Verfilmung der Biografie von Malu Dreyer spielt er den jungen Klaus Jensen und sich selbst.

November: Das Tiefbauamt bläst wie bereits im Vorjahr zur Herbstoffensive gegen Gefahrenstellen in der Fußgängerzone. Erneut werden Sonnenschirme-Bodenhülsen vor Eiscafé-Filialen mit Bitumen gefüllt.

Dezember: Die schwarz-grüne Stadtratskoalition hat doch noch einen neuen Job für Angelika Birk gefunden. Die bisherige Bürgermeisterin bekommt auf dem Weihnachtsmarkt eine Doppelfunktion: Glühweinkönigin und gute Fee (jeweils in Teilzeit).

Peter Brommenschenkel, der Überflieger?
Peter Brommenschenkel, der Überflieger? FOTO: Roland Morgen
Selig oder scheinheilig? Karl Marx.
Selig oder scheinheilig? Karl Marx. FOTO: Roland Morgen
Neue Nutzung für das alte Polizeipräsidium?
Neue Nutzung für das alte Polizeipräsidium? FOTO: Roland Morgen
Thomas Egger.
Thomas Egger. FOTO: Roland Morgen
Marflow Ebiel alias Wolfram Leibe.
Marflow Ebiel alias Wolfram Leibe. FOTO: Roland Morgen