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Wahl-Verwandtschaften und das Ende einer Ära

Eine der letzten guten Taten des alten Ortsbeirats: Mit Geld aus dem Stadtteil-Budget wurde der Ortseingang an der Domänenstraße neu gestaltet und erhielt unter anderem eine Fahrrad-Abstellanlage.Foto: Marcus Stölb
Eine der letzten guten Taten des alten Ortsbeirats: Mit Geld aus dem Stadtteil-Budget wurde der Ortseingang an der Domänenstraße neu gestaltet und erhielt unter anderem eine Fahrrad-Abstellanlage.Foto: Marcus Stölb
KÜRENZ. Heftig umworben sieht sich das Wählervolk in Kürenz. Vier Listen stellen sich mit insgesamt 45 Kandidaten zur Ortsbeirats-Wahl, darunter erstmals die Wählergruppe Lebenswertes Kürenz (WLK). Für die Nachfolge des scheidenden Ortsvorstehers Manfred Maximini gibt es drei Bewerber. ARRAY(0x201548518)

Die Nachricht verfehlte ihre Wirkung nicht. Als UBM-Chef und Multifunktionär Manfred Maximini zu Jahresbeginn verkündete, er wolle mit der Kommunalwahl am 13. Juni als Ortsvorsteher abdanken, reichten die Reaktionen von "Na endlich!" bis "Wie soll es denn ohne ihn weitergehen?". So sehr der 67-Jährige auch polarisiert, so effektiv arbeitet er für seinen Heimatstadtteil (8500 Einwohner). In dem Vierteljahrhundert seiner Amtszeit bewegte Ortsvorsteher Maximini eine ganze Menge; jetzt sollen Jüngere ran, damit er sich auf den Stadtrat konzentrieren kann.Daniel Lübeck jüngster Ortsbeirats-Kandidat

Des Altmeisters Kronprinz, UBM-Listenführer Karl Lübeck (44), bekommt es mit zwei Mitbewerbern ums Ortschef-Amt zu tun. Für die CDU tritt Karl-Rainer Heiderich (57), bisher Vize-Ortsvorsteher, an. Die SPD bietet Erik Lehnert (39) auf. Dieses Trio bewirbt sich ebenfalls um Plätze im Stadtrat. Nachdem bereits Manfred Maximini 1999 in die Stichwahl musste (wo er sich mit 76,1 Prozent der Stimmen gegen den SPD-Kontrahenten Helmut Deininger durchsetzte), sieht es heuer erst recht so aus, als könnte keiner der drei Kandidaten auf Anhieb die absolute Mehrheit erreichen. Dann hätten die Kürenzer zwei Wochen später (27. Juni) die Wahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Mit ebenfalls großer Spannung wird das Abschneiden der neu gegründeten Wählergruppe Lebenswertes Kürenz e.V. (WLK) beobachtet. Hervorgegangen aus der Bürgerinitiative Kürenz, will die WLK "frischen Wind in den Ortsbeirat" bringen und strebt "mehrere Sitze" in dem 15-köpfigen Gremium an. "Unser Ziel ist es, nachhaltig die Ideen und Vorstellungen der Bürgerinitiative, verbunden mit den Themen-Schwerpunkten des Bürgergutachtens aus dem Jahr 2002, zu vertreten", erklärt Spitzenkandidat Richard Haas (53). Grüne, die sich für die Grünen zur Wahl stellen, sucht man - überraschender Weise - auf der Kürenzer Ortsbeirats-Liste vergebens. Josef Malat, zuletzt einziger Mandatsträger der Öko-Partei, wollte nach zwei Legislaturperioden nicht mehr antreten. Allerdings taucht mit Michael Zupan (43) ein Grüner auf der WLK-Bewerberliste auf. Ansonsten geht es auf dem Ortsbeiratswahl-Zettel bemerkenswert familiär zu. Das zwölfköpfige Personalaufgebot der UBM besteht zu einem Viertel aus Familien-Angehörigen des Ortsvorsteher-Kandidaten Karl Lübeck: Mit von der Partie ist neben Gattin Karin (43) auch Sohn Daniel, mit 19 Jahren der jüngste aller Ortsbeirats-Aspiranten in den 19 Stadtteilen Triers. Bei den Sozialdemokraten kandideren drei Ehepaare (Detlef und Renate Schieben; Sabine Kernbach und Christian Kernbach-Kreuder, Tanja und Raoul Machalet); bei der WLK (Richard und Katharina Haas), den Christdemokraten (Uwe und Roswitha Matthis) und Maximinis Freien Wählern (Rolf und Helga Röpke) ist es jeweils eins. Die Namen Heiderich und Maximini gibt es Listen-übergreifend zweimal: Die Herren sind weitläufig miteinander verwandt. Unabhängig von verwandtschaftlichen Beziehungen und politischen Zugehörigkeiten dürfte auch die künftigen Ortsbeiräte eines einen: die Auffassung, dass ihr Stadtteil von viel zu viel Durchgangsverkehr belastet wird. Die WLK fährt schweres Geschütz auf: Sie will durch das Oberverwaltungsgericht die weitere Bebauung auf dem Petrisberg stoppen lassen. Eine Radikal-Forderung, die sich nach Auffassung von Beobachtern im Wahlkampf auch als Boomerang erweisen kann.