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Karneval
Seit der ATK-Gala ist Trier ein Stadtteil von Waldrach (Fotos/Video)

Das Prinzenpaar hat Waldrach eingemeindet. Triers abgesetzter Oberbürgermeister Wolfram Leibe scheint sich darüber zu freuen - ebenso  Stephanie Nickels (rechts) , Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Ruwer.
Das Prinzenpaar hat Waldrach eingemeindet. Triers abgesetzter Oberbürgermeister Wolfram Leibe scheint sich darüber zu freuen - ebenso Stephanie Nickels (rechts) , Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Ruwer. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Zum ersten Mal stellt ein Verein außerhalb Triers das Prinzenpaar - und schon steht alles Kopf. Stargast Verona Pooth wird für ihr soziales Engagement geehrt und amüsiert sich prächtig.
Benedikt Laubert

Mal ehrlich, man hätte es ahnen können: Wenn die Waldracher einmal an der Macht sind, stellen sie den Laden komplett auf den Kopf. Trierer, die die Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) verpasst haben, sind vergangenes Wochenende in Waldrach wieder aufgewacht. Denn das neue Prinzenpaar Peter I. von Hagatec (Peter Peters) und Anja I. von Hagatec (Anja Meyer) kommt aus Waldrach und hat einen nicht ganz ernstgemeinten Vorschlag eines Volksfreund-Kolumnisten – nun ja: auf ihre eigene Weise interpretiert.

Verona Pooth wird für ihr soziales Engagement für Kinder geehrt.
Verona Pooth wird für ihr soziales Engagement für Kinder geehrt. FOTO: Friedemann Vetter

Die Figur Viez-Jupp hatte nämlich nach der Abstimmung über die Tankstelle in der Trierer Ostallee vorgeschlagen, Waldrach per Abstimmung einzugemeinden. Und jetzt? Ist Trier nur noch ein Stadtteil der Universitätsstadt Waldrach. Das haben die Trierer  davon, wenn zum ersten Mal in der Geschichte der ATK „Landeier“ zum Prinzenpaar gekrönt werden. „Landeier“ – das ist die liebevolle Bezeichnung des ATK-Präsidenten Andreas Peters für die neuen Herrscher.

Doch die neuen Herrscher sind gütig. Alle Narren sind vor ihnen gleich, sagen sie. Und dem lauten Applaus nach zu urteilen kommt das richtig gut an bei den Untertanen. Als Peter I. seine Antrittsrede mit zitternder Stimme beginnt, spüren die Gäste, wie aufgeregt und gerührt ihr neuer Herrscher ist. Und genau das macht ihn und seine Mitregentin so sympathisch. Ex-Narrenpräsident Peter Pries macht seine Tollität und ihre Lieblichkeit ein Willkommensgeschenk: Sie dürfen am närrischen Empfang der Bundeskanzlerin Angela Merkel am 23. Januar in Berlin teilnehmen.

Aus dem Publikum verfolgt die künftige Ordensträgerin Verona Pooth den Machtwechsel und amüsiert sich offensichtlich köstlich. Zwischen den 835 Gästen sitzen auch ihr Ehemann, der Unternehmer Franjo Pooth, und zahlreiche bekannte Politiker, wie Bundesministerin Katarina Barley, Bundespolitiker Andreas Steier und Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist wegen Krankheit nicht gekommen.

ATK-Gala in Trier FOTO: Friedemann Vetter

Apropos krank: Das Schicksal scheint auch ein wenig närrisch aufgelegt zu sein. Verona Pooth hätte bereits 2017 den Kaiser-Augustus-Orden bekommen sollen. Da sie aber während der Verleihung krank war (der TV berichtete), bekommt sie ihn erst dieses jahr verliehen. Für sie war der Sportmoderator Florian König eingesprungen – der dieses Jahr dafür krank ist und nicht dabei sein kann.

Doch vor der großen Ordensverleihung wird noch ordentlich Sport gemacht. Garden wie die Onner Ons, die Waldracher Garde oder die Roten Funken unterhalten mit äußerst kreativen, lustigen und vor allem physisch aufwendigen Einlagen. Die akrobatischen Stars des Abends sind wohl die Tanzkorps der Stadtgarde Augusta Treverorum. Mehr als zwei Mann hoch fliegen drei Tänzerinnen über die Köpfe der anderen Tänzer in die Luft. Im Spagat. Lächelnd.

In einer Pause zeigen ATK-Präsident Andreas Peters und Vizepräsident Stefan Feltes, dass Karneval auch ernst geht – wenn es angemessen ist. Gemeinsam mit den Gästen gedenken sie der im vergangenen Jahr gestorbenen Schatzmeisterin Christa Bölte und des ATK-Mitglieds Markus Ziegelmayer. Sie beiden fehlen. Peters sagt: „Christa Bölte und Markus Ziegelmayer hätten gewollt, dass wir heute Abend richtig Spaß haben.“

Monika Urbanek singt stimmgewaltig – die Gäste klatschen und singen mit. Die Bitburger Band Kamelle Kapelle macht ordentlich Krach, und das kommt sichtlich gut an im Saal. Als Helmut Leiendecker und seine Männer von der Leiendecker Bloas „Mir wackelen mit de Uuhren und klatschen mit de Hend“ singen, schunkeln mehr als 800 Menschen gleichzeitig. Und dann ist Verona Pooth an der Reihe. In ihrer Laudatio sagt die Politikerin und ehemalige Miss Germany Dagmar Wöhrl: „Verona Pooth hat es geschafft, vielen Kindern Hoffnung zu geben.“ Sie würdigt Pooth als „starke, selbstbewusste Frau, die sich für das Richtige einsetzt“. Pooth bedankt sich für den Preis und sagt, sie wolle ihren Besuch in der Stadt nutzen, um noch etwas durch Trier zu schlendern. Ein Anfängerfehler. Wahrscheinlich meint sie Waldrach.

Die Stadtgarde zeigt dem Publikum, dass Karneval großer Sport ist.
Die Stadtgarde zeigt dem Publikum, dass Karneval großer Sport ist. FOTO: Friedemann Vetter