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Stadtentwicklung
Trierer Walzwerk: Die Anwohner wollen mitreden

Pläne geändert: Die alten Industriehallen des ehemaligen Walzwerks in Trier-Kürenz werden nun doch zumindest teilweise abgerissen. Eine neue Bürgerinitiative fordert Mitspracherecht bei der Entwicklung des Areals.
Pläne geändert: Die alten Industriehallen des ehemaligen Walzwerks in Trier-Kürenz werden nun doch zumindest teilweise abgerissen. Eine neue Bürgerinitiative fordert Mitspracherecht bei der Entwicklung des Areals. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Die Bürgerinitiative „Quartiersentwicklung Walzwerk Kürenz“ hat sich formiert und gleich mit der Arbeit losgelegt. Die größten Sorgen: Der viele Verkehr und die Angst vor zunehmendem Lärm. Von Katja Bernardy

Obwohl vom Investor Triwo angekündigt, kam der Abriss eines Teils der großen alten Werkshallen auf dem fünf Hektar großen Walzwerk-Areal für viele Kürenzer offenbar überraschend – und hat bei einigen Widerstand geweckt. Rund 60 Bürger kamen zur Gründungsversammlung der neuen Bürgerinitiative (BI) ins Gasthaus Ternes. Und Lars Kollmann von der Trierer Triwo AG. Vor dreieinhalb Jahren hat das Unternehmen das Walzwerk gekauft, Hunderte Wohneinheiten sollen auf dem brachliegenden, ehemaligen Industriegelände zwischen Brühl-, Domänen- und Nellstraße entstehen (der TV berichtete).

Erklärtes Ziel der BI: mitreden und mitgestalten. Pascal Schubbe wurde beim Gründungsabend zum vorläufigen ersten Vorsitzenden gewählt, Ole Seidel – Stadtratsmitglied der Grünen – zu seinem Stellvertreter. Mit einer vorläufigen Satzung wurde die BI arbeitsfähig.

Bürger verschafften sich während der Gründungsversammlung Luft, und Kollmann beantwortete viele Fragen: Was genau wird abgerissen? Momentan bleibe die Tanzwerkstatt stehen, und die Energiezentrale solle längerfristig erhalten bleiben, sagte Kollmann. Mit einer schwachen Bausubstanz begründete er die Entscheidung, einen Großteil des Walzwerks abzureißen. Schubbes Frage, ob der Architektur- und Städtebeirat der Stadt Trier zuvor einbezogen worden sei, verneinte Kollmann. Schubbe reagierte mit Unverständnis. Bei einem Bürgerinformationsabend im Januar 2016 sei noch der weitgehende Erhalt der historischen Werkshallen angekündigt und einhellig begrüßt worden.

„Wann wird der Bebauungsplan offengelegt?”, wollte die BI nun wissen. Kollmann räumte ein: „Wenn ich das wüsste. Derzeit ringen wir noch in vielen Punkten mit der Stadt.” Josef Malat, Anwohner der Domänenstraße, sagte, er sei empört, und es mache ihn sprachlos, dass ohne Bebauungsplan abgerissen werde.

Die größten Sorgen der Bürger: die Verkehrsentwicklung und dass sie nicht ausreichend vor Lärm geschützt würden. Seit Jahrzehnten seien die Alt-Kürenzer durch den vielen Verkehr gebeutelt, sagte ein Bürger. Eine Anwohnerin der Nellstraße schilderte, wie etliche Autos Tag für Tag viel zu schnell – manche sogar über Bürgersteige – führen. Eine Anwohnerin der Rosenstraße berichtete, dass sie oft verzweifelt einen Parkplatz suche.

Auch der Wunsch nach einem Zentrum fürs Quartier, in dem etwa eine Gastronomie mit Biergarten oder Geschäfte Platz finden könnten, wurde geäußert.

Bernd Michels, Ortsvorsteher von Kürenz, scheint bereits mehr zu wissen. „Viele Dinge, die sie ansprechen, stehen bei der Triwo ganz oben bei der Planung”, sagte er. Das hätten Gespräche, die er mit Triwo-Chef Peter Adrian geführt habe, ergeben. Michels sieht „durch diese Geschichte viel Entwicklungspotenzial für Kürenz”.

Kollmann signalisierte der BI am Ende des rund zweistündigen Treffens: „Wir haben Interesse daran, konstruktiv mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Aber wir werden nicht alle Probleme lösen können, die es seit Jahrzehnten im Stadtteil gibt.” Als Ansprechpartner stehe er allerdings bereit.

Gleich nach der Gründungsversammlung legten 14 aktive BI-Mitglieder in drei Arbeitsgemeinschaften zu den Themen Intern, Öffentlichkeitsarbeit und Pläne los.

Am 15. November will die BI im Trierer Rathaus eine Unterschriftenliste an Baudezernent Andreas Ludwig übergeben. „Wir wollen, dass die Abrissarbeiten unterbrochen und wir besser informiert und beteiligt werden”, fordert Schubbe.