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Trier
Die neue Bahnlinie für die Region Trier muss noch warten

Moderne Doppelstocktriebzüge vom Typ Kiss der Firma Stadler sollen auch auf der reaktivierten Weststrecke in Trier fahren.
Moderne Doppelstocktriebzüge vom Typ Kiss der Firma Stadler sollen auch auf der reaktivierten Weststrecke in Trier fahren. FOTO: Stadler Kiss / Stadtler Kiss
Trier. Die neue Bahnlinie von Trier-Ehrang nach Saarburg kommt deutlich später. Nach Luxemburg geht es mindestens zwei Jahre auf Umwegen. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Die mehr als 45 Millionen Euro teure Reaktivierung der Bahnstrecke im Trierer Westen für den Personennahverkehr ist ein ambitioniertes Projekt. Zwei neue Regionalbahnlinien mit modernsten Zügen sollten dort ab Dezember 2020 jeweils im Stundentakt fünf neue Haltepunkte bedienen. Doch daraus wird vorerst nichts. Mindestens ein Jahr länger als geplant wird der Ausbau der Strecke dauern. „Der Zweckverband SPNV-Nord bedauert die absehbaren Verzögerungen, die infolge der leidigen Diskussion über die ,richtige’ Bahnsteighöhe unvermeidlich erscheinen“, verpackt Verbandsdirektor Thomas Geyer seinen Ärger in diplomatische Worte.

Müssen alle Bahnsteige in Deutschland eine Höhe von 76 Zentimetern haben, wie es das Bundesverkehrsministerium als neue Vorgabe formuliert hat? Oder kann es bei der Vereinbarung aus dem Jahr 2011 bleiben, dass auf bestimmten Nebenstrecken 55 Zentimeter zulässig sind? Bevor diese Frage nicht geklärt ist, kann das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau der Strecke nicht abgeschlossen werden. Dieses ist allerdings Voraussetzung für den Baubeginn der neuen Haltepunkte.  Mindestens zwölf Monate, so eine Einschätzung der Deutschen Bahn AG, wird sich das gesamte Planungs- und Bauverfahren verzögern (der TV berichtete). Nach Aussage von SPNV-Chef Thomas Geyer ist nach heftigem Protest auch durch diverse Bundesländer inzwischen ein Ausnahmekatalog in Bearbeitung, um Abweichungen von der allgemeinen Vorgabe auf einzelnen Strecken doch ermöglichen zu können.

Auf der Weststrecke ist die geringere Höhe vor allem deshalb sinnvoll, weil sie Teil der neuen Regionalbahnlinie 83 (Wittlich-Luxemburg) ist, auf der moderne Doppelstocktriebzüge unterwegs sein werden, die von der staatlichen Eisenbahngesellschaft CFL  bereitgestellt werden. Die Züge sind auf das Luxemburger Schienennetz  abgestimmt, wo nahezu alle Bahnsteige mit einer Höhe von 55 Zentimetern gebaut werden.

Die Bahnlinie 83 soll nun wie geplant ab Dezember 2019 fahren. Sie wird aber zunächst mindestens zwei Jahre den Umweg über die Oststrecke und Trier-Hauptbahnhof fahren. Vorerst um mindestens ein weiteres Jahr verschoben ist der Start der Linie 84. SPNV-Chef Geyer: „Diese Linie, die zwischen Saarburg, Konz und Trier-Hafenstraße verkehren soll, wird erst dann ihren Betrieb aufnehmen, wenn die Weststrecke tatsächlich nutzbar ist.“

Ob das tatsächlich Ende 2021 sein wird, ist allerdings nicht sicher. „Wir sind bereit und werden die städtischen Maßnahmen bis zur Inbetriebnahme der Strecke umsetzen“, sagt Triers Baudezernent Andreas Ludwig mit Blick auf die Verzögerung. Glücklich sei er darüber nicht, denn mit der fünf Millionen Euro teuren Gestaltung des Umfelds  der neuen Haltepunkte Hafenstraße, Kaiser-Wilhelm-Brücke, Euren und Zewen könne erst begonnen werden, wenn die Bahnsteige gebaut seien. „Davor werden die Flächen von der Bahn für die Einrichtung der Baustellen benötigt.“ Lediglich an der Römerbrücke soll bereits in diesem Jahr die Umgestaltung des westlichen Brückenkopfes starten. Denn das ist auch Teil des Förderprogramms Stadtumbau West, das wegen zeitlich begrenzter Förderzusagen keine Verzögerungen erlaubt.

Teil der Reaktivierung ist auch ein zusätzlicher Bahnsteig am KreuzKonz, der ebenfalls von der Deutschen Bahn gebaut wird. Von den Diskussionen um die Bahnsteighöhen ist der allerdings nicht betroffen. Weil dort nur Fahrzeuge mit einer Einstiegshöhe von 80 Zentimetern des Elektro-Netzes-Saar halten werden, war von Beginn an die vom Bund verlangte Einheitshöhe vorgesehen.

Das Modell zeigt, wie der Westkopf der Römerbrücke und der nahe gelegene Haltepunkt für die Weststrecke einmal aussehen könnte.
Das Modell zeigt, wie der Westkopf der Römerbrücke und der nahe gelegene Haltepunkt für die Weststrecke einmal aussehen könnte. FOTO: Rainer Neubert