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Warum Denkmäler Heimat bedeuten

Die ausgezeichneten Gebäude: Die Stadtvilla in Wittlich (links), ein Trierer Quereinhaus in Köwerich (Bild oben) und das Back- und Schmiedehaus des Hetzgenhofes in Jucken (Eifelkreis Bitburg-Prüm).TV-Fotos (3): Eva-Maria Reuther
Die ausgezeichneten Gebäude: Die Stadtvilla in Wittlich (links), ein Trierer Quereinhaus in Köwerich (Bild oben) und das Back- und Schmiedehaus des Hetzgenhofes in Jucken (Eifelkreis Bitburg-Prüm).TV-Fotos (3): Eva-Maria Reuther FOTO: (h_st )
Trier. Die Handwerkskammer Trier hat historische Gebäude in der Region ausgezeichnet. Drei Häuser sind besonders gut gelungen. Eva-Maria Reuther

Trier Handwerkskammerpräsident Rudi Müller macht keinen Hehl daraus: "Wenn ich in ein altes Gebäude komme und dort alte Holzböden, Haus- oder Zimmertüren sehe, geht mir das Herz auf", bekannte der gelernte Schreinermeister anlässlich der Verleihung des Denkmalpreises 2017 der Handwerkskammer Trier.
Tatsächlich ist die Erhaltung und angemessene Restaurierung von denkmalwürdigen Gebäuden eine Herausforderung an Herz, Verstand und handwerkliches Können. Mit ihrem Denkmalpreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, würdigt die Handwerkskammer Trier private Eigentümer und Nutzer von Denkmälern, die denkmalgerecht zur Erhaltung ihres historischen Gebäudes beigetragen haben sowie Handwerker, die fachgerecht dabei mitwirkten. Denkmalwürdige Bauten sind nicht allein historische Bausubstanz. "Denkmäler bedeuten Heimat", stellte einmal mehr Joachim Streit als Festredner klar. Ihr gebautes Erbe präge das Bild von Dörfern und Städten und sei Bestandteil der Identität der Region und ihrer Bewohner, erklärte der Landrat des Kreises Bitburg-Prüm.
Die Region Trier ist reich an Denkmälern weltkultureller, nationaler und regionaler Bedeutung. Unter den regionalen Bauten ist es vor allem die sogenannte Alltagsarchitektur der Wohnhäuser, Wirtschafts- oder gewerblich genutzten Gebäude, bei deren Erhaltung das ideelle wie finanzielle Engagement ihrer privaten Eigentümer gefragt ist.
In der Teamarbeit mit Denkmalpflegern und Architekten sind bei der Sanierung und Instandsetzung zudem Handwerker nötig, die historische Techniken beherrschen und in der Lage sind, moderne Technik mit Fingerspitzengefühl anzuwenden und notwendige moderne Infrastrukturen zur künftigen Nutzung sensibel den Gebäuden einzupassen. Einmal mehr wurde bei der Preisverleihung deutlich, dass allein eine sinnvolle Nutzung das Überleben der historischen Gebäude garantiert. Es gehe nicht darum, historische Kulissen zu schaffen, betonte Streit. "Die Denkmalpflege will historische Substanz mit Leben erfüllen und in die Zukunft integrieren", sagte der Festredner.
Das demonstrieren auch die drei ausgezeichneten Objekte. Sie lassen zudem Verständnis der Eigentümer für den kulturellen Wert der historischen Gebäude in ihrem Besitz und ihre Verbundenheit damit erkennen. Allesamt haben die Bauten ihr überkommenes Erscheinungsbild erhalten.
Die Bausubstanz wurde saniert, historische Bestandteile wie historische Holzböden erhalten und instandgesetzt. Stilgerecht wurden Türen und Fenster, wo nötig, neu eingebaut.
Moderne Haustechnik und Sanitäranlagen sowie energetische Maßnahmen überführen die alten Bauten in ihre neue Zeit und machen sie auch für heutige Nutzer attraktiv.
Drei Gebäude hat die Jury, der die Denkmalpfleger der Kreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg sowie der Stadt Trier angehörten, für die mit jeweils 1000 Euro dotierte Auszeichnung ausgewählt. Eine Anerkennung in Form einer Urkunde erhielten zwei Handwerker.
Diese Gebäude wurden von der Handwerkskammer ausgezeichnet:

Stadtvilla Wittlich
Eigentümer Wolfgang Hau, Jürgen Vellen GbR.
Bei dem Objekt handelt es sich um eine ehemalige Villa mit Gartenanlage in der Wittlicher Friedrichstraße, die für eine Arztfamilie gebaut wurde. Das 1905 errichtete Gebäude in der Nachbarschaft weiterer historischer Stadtvillen ist eine Mischung aus Jugendstil und Historismus. Bei der sehr aufwendigen Sanierung wurde sorgfältig auf den Erhalt des ursprünglichen Erscheinungsbildes geachtet. Das Dach wurde mit Schiefer neu eingedeckt. Der rückwärtige Eingang - heute Haupteingang der im Haus tätigen Steuerkanzlei - wurde behindertengerecht angebaut. Erhalten und restauriert wurden die ganz unterschiedlichen dekorativen Stilelemente und historischen Bauteile wie Stuckdecken, Treppengeländer, historische Heizkörper oder Fliesenböden- und wände. Stilgerecht erneuert wurden die Fenster. Entstanden ist dabei ein repräsentatives, funktionsfähiges Bürogebäude, das sein historisches Flair erhalten hat. Der Architekt ist Thomas Donath aus Trier.

Trierer Quereinhaus Köwerich
Eigentümer Hans-Josef Ludes.
Das Gebäude von 1905, das die örtliche Kirche umbaut, ist in seiner Gestalt ein typisches Trierer Quereinhaus, das als Handwerkerhaus unter einem Dach Wohnhaus, Arbeitsstätte und Ökonomiegebäude verband. Auch hier wurde vorbildlich das Erscheinungsbild erhalten oder wiederhergestellt, wie beim Rückbau der Rollläden, dem Einbau von stilgerechten Fenstern und Haustür, der Restaurierung und Freilegung des Treppenhauses und der alten Holzböden. Das ehemalige Scheunentor wurde durch eingefügte Glaselemente zum großzügigen bodenhohen Wohnraumfenster des heute als Wohnhaus genutzten Gebäudes. Erhalten war im Haus zudem noch ein Rest der historischen Schablonenmalerei, der als sogenanntes Zeitfenster sprich Wandausschnitt sichtbar geblieben ist. Erneuert wurde mit Natursteinen und regionaltypischer Bebauung zudem die Außenanlage.
Die Architekten sind Architektur-und Ingenieurbüro Bläsius, Longuich

Back-und Schmiedehaus des Hetzgenhofs, Jucken
Eigentümer Alice und Hans-Wilhelm Schares.
Bei dem Gebäude, das bereits den Baukulturpreis des Kreises Bitburg-Prüm 2015 gewann, handelt es sich um ein Backhaus mit Schmiede aus dem 19. Jahrhundert, das Teil der Streuhofanlage Hetzgenhof ist. Das kleine, ehemals marode Gebäude, das heute als Ferienwohnung dient, wurde umfassend saniert.
Dabei wurden die Lehmdecken restauriert und der Lehmputz erneuert, Toiletten und Bad eingebaut. In einem kleinen Anbau wurde eine moderne Einbauküche untergebracht. Stilprägend blieb die Vergangenheit des Gebäudes als Backhaus und Schmiede vor allem in Gestalt des Backofens und mächtigen Kamins sichtbar. Der einstige Arbeitsbereich wurde durch Sichtmauerwerk markiert. Die Architektin ist Mechthild Kohl-Heck.
Extra: ANERKENNUNGEN:


Je eine Anerkennung in Form einer Urkunde für ihre denkmalpflegerische Leistung erhielten die Kunstschmiede Hans-Jörg Bender, Schweich Bauunternehmung Christof Setz, Idar-Oberstein Schreinermeister Ludwig Fuxen, Wolsfeld Thielen Bau GmbH, Lauperath Schreinerei Johann Kauth, Ammeldingen Heizungsbau Krewer GmbH, Wittlich Schreinerei Metzdorf, Neumagen-Dhron

FOTO: (h_st )
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