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Was nun, Frau Dreyer?

Eine Ministerin mal hautnah zu erleben und ihr Fragen zu stellen - diese Gelegenheit hatten Schüler des Trierer Humboldt-Gymnasiums (HGT). Ministerin Malu Dreyer versprach den Jugendlichen, bei der Bildung nicht zu sparen. Von unserem Mitarbeiter Tobias Thieme

Trier. Wie soll ich mich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten? Was ist später mit meiner Rente? Was bedeutet Solidarität? Fragen, die Schülern des HGT unter den Nägeln brannten. Malu Dreyer (SPD), rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, stand im Rathaussaal Rede und Antwort.

"Soll ich meinem Wunsch folgen, einen musischen Beruf zu ergreifen, wenn als erstes immer bei der Kultur gespart wird?", fragte eine Schülerin. "Niemand weiß, wie es in fünf bis zehn Jahren aussieht. Man sollte immer seinen Neigungen folgen", antwortete Dreyer und warnt davor, den Berufswunsch an scheinbaren Erfordernissen des Arbeitsmarktes auszurichten.

Berufswunsch Ärztin, Lehramtsstudium, Jurastudium, Politikerin: Ihre eigene Karriere zeige, dass man sich nicht auf ewig festlegen müsse.

Was die Ministerin abseits politischer Parolen konkret für die Jugendlichen tue, wollten die Schüler wissen und spielten damit auch auf die jüngsten Äußerungen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch an. "Wir sparen nicht bei der Bildung", sagte Dreyer. Beitragsfreie Kitas und gebührenfreies Studium etwa seien konkrete Jugendförderung. Tatsache sei aber auch, dass Jugendliche aus Migrantenfamilien immer noch schlechtere Abschlüsse machten als Deutschstämmige. Das Gespräch zeigte, dass sich sehr junge Menschen bereits darüber Gedanken machen, ob sie später genug Rente bekommen werden. Dreyer gab dazu einen Rat: "Auch wenn es noch weit weg scheint: Fangt an zu sparen, sobald ihr einen Beruf habt!"

Was Dreyer tun würde, wenn sie Bundeskanzlerin wäre? "Ich würde Banken und Spekulanten wegen der Finanzkrise zur Verantwortung ziehen."

Souverän und gut vorbereitet moderierten Hannah Treis und Jakob Moggia von der Redaktion der Schülerzeitung "Humburg" die Diskussionsrunde. Auf der Wunschliste für das nächste Gespräch steht der Trie rer Bischof.