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Wege aus der Einsamkeit

TRIER. Theorie ist gut, praktische Erfahrungen sind es nicht minder. Das dachte sich auch der 30-jährige Psychologie-Student Berndt Ebler. Er organisiert Gesprächs- und Begegnungskreise, in denen Menschen neue Kontakte knüpfen und mit Gleichgesinnten reden können. Einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten, ist Eblers Ansinnen. ARRAY(0x127841608)

"Sich streiten können und sich deswegen aber nicht entzweien" sei etwas, dessen die Menschen heute oft nicht mehr fähig seien, sagt Berndt Ebler. Der Verlust einer gesunden "Gesprächskultur" führe immer häufiger zu Isolation, Einsamkeit, Vereinzelung. Ebler organisiert und moderiert deshalb Gesprächskreise, bei denen sich Menschen aller Altersgruppen zu "lebensnahen Themen" neu unterhalten lernen können. Häufig seien die Teilnehmer Alleinlebende, sagt Ebler, Menschen, die durch Tod oder Trennung ihren Partner verloren haben. Dennoch möchte der Student sein Angebot nicht als Partnervermittlung, Single-Börse oder Selbsthilfegruppe, sondern als eine Möglichkeit, als Wegweiser verstanden wissen, der Menschen helfe, aktiv zu werden und sich, vielleicht auch mit der Gruppe, außerhalb der Gesprächskreise im eigenen Leben zurecht zu finden. "Man wird hier nicht am ersten Abend den Partner fürs Leben finden. Das ist nicht das Ziel", sagt Ebler. Im Vordergrund stehe das Bedürfnis nach Geselligkeit, zu der die Gelegenheiten durch Umbrüche im Lebensverlauf abgenommen haben. "Einsamkeit, Neuorientierung, Neuanfang sind spezifische Themen, die für die Altersgruppe der mehr als 35-Jährigen eine Rolle spielen", berichtet Ebler aus den Gesprächskreisen, die jedoch nicht zu einer "Ersatzlebenswirklichkeit" werden sollen. Im Gegenteil: Ebler wolle den Menschen mit den Treffen zeigen, dass es andere Individuen mit gleichen Erlebnissen gibt, und sie motivieren, mutig und optimistisch die eigene Zukunft neu zu gestalten. Nicht nur Lebenskrisen oder Konflikte würden besprochen, ein Stück weit bewältigt und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Genauso wichtig sei der Austausch über Positives, Lebensfreude und Leidenschaft. Dazu müsse niemand in der Gruppe "seine Seele erst auf links drehen", sagt Ebler. Jeder könne selbst dosieren, wie viel er von sich preisgebe. "Man kann daran zerbrechen, wenn man nicht lebt, was man ist", weiß Ebler auch aus eigener Erfahrung. Lebenswege verliefen nicht immer geradlinig, könnten durch Richtungswechsel aber auch neue Perspektiven bieten. Bevor Berndt Ebler in Trier sein Psychologie-Studium aufnahm, strebte er eine Offizierslaufbahn bei der Luftwaffe der Bundeswehr an. Aber er habe "langfristig auf andere Art mit Menschen arbeiten" wollen, fern des "Kommandotons", sagt er, und er habe "gespürt, dass das Leben im Militär keine Zukunft ist. Das war dort zwar nicht richtig schlecht, aber auch nicht optimal für mich". Im nächsten Jahr will Berndt Ebler sein Diplom in der Tasche haben und eine Therapie-Ausbildung beginnen. Um diese zu finanzieren und auch, um eventuelle Scharlatane oder Voyeure ausschließen zu können, erhebt er eine Teilnahme-Gebühr für die Gruppentreffen. Beweggrund für das Gesprächskreis-Angebot sei zwar nie gewesen, "das im Sinne der Forschung auszuwerten". Mittlerweile könne er sich aber vorstellen, das Thema seiner Diplom-Arbeit darauf auszurichten. "Ich betrachte den Menschen jedoch nicht als Versuchskaninchen", sagt Ebler. Wenn er eine Befragung durchführe, sei die Teilnahme daran freiwillig. Für seine spätere therapeutische Arbeit allerdings hofft er, aus den Gesprächskreisen viel "an Lebenserfahrung, Alltagsleben, Facettenreichtum des Lebens mitnehmen" zu können. Weitere Informationen zu den Gesprächskreisen auf Band unter Telefon 0651/9916693. Eine Anmeldung zu den Treffen ist erwünscht unter Telefon 0173/4453418.