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Weiberfastnacht: Unterricht statt feiern auf dem Hauptmarkt - Wachposten auf Schulgelände

Trier. Unterricht statt feiern auf dem Hauptmarkt: Viele Jugendliche in Trier werden den Weiberdonnerstag in der Schule verbringen, teils bis zum Nachmittag. Andere haben dagegen schulfrei. Der TV gibt einen Überblick. Marie-Cathérine Fromm

Trier. Die einen drücken bis zum Nachmittag die Schulbank, die anderen bis mittags - und wieder andere haben heute ganz frei. Die Trierer Schulen handhaben die Unterrichtsgestaltung am Weiberdonnerstag unterschiedlich. An Friedrich-Wilhelm- (FWG) und Humboldt-Gymnasium (HGT) sowie der Integrierten Gesamtschule Trier stehen heute Studientage im Terminkalender - was für Schüler einen unterrichtsfreien Tag bedeutet. Ob damit auch möglichen Schulschwänzern vorgebeugt wird? "Wer blaumachen will, lässt sich doch von einer Unterrichtsstunde nicht davon abhalten", meint Ralph Borschel, Leiter des HGT.

Das Friedrich-Spee-Gymnasium verzichtet heute nur auf den Nachmittagsunterricht. Schüler des Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasiums müssen dagegen - anders als noch 2012 - auch nachmittags am Unterricht teilnehmen. Ebenso wie die Schüler von Max-Planck- und Auguste-Viktoria-Gymnasium (MPG, AVG). Die Direktoren des gemeinsamen Schulgeländes treffen wie im Vorjahr allerdings noch eine besondere Maßnahme: An den Eingängen postieren sie Personal zur Aufsicht. "Wir wollen damit vermeiden, dass Schulfremde auf das Gelände kommen", begründet Bernhard Hügle, Leiter des AVG, die Maßnahme. Er betont, dass die Kontrollen keinesfalls wegen der eigenen Schüler angesetzt seien.

Und was sagen die Betroffenen dazu? "Ich habe nichts dagegen, Schule zu haben, aber das finde ich übertrieben", sagt die 13-jährige Katrin vom AVG. Sie hat mit ihren Mitschülern der Klasse 10b bis 16 Uhr Unterricht. Hanna, 14, sieht noch ein anderes Problem: "In den Dörfern wird auch Karneval gefeiert. Aber bis wir zu Hause sind, ist es da vorbei." "Ich hatte mich darauf gefreut, aber jetzt muss man damit leben", sagt Matthias, 16, vom MPG.
Keine Vorgaben von Behörden


Absprachen zu den Unterrichtszeiten haben erstmals die drei großen Berufsbildenden Schulen (BBS) in Trier getroffen - ab 12.15 Uhr haben die Schüler heute frei, der Nachmittagsunterricht entfällt. "Wir bedauern sehr, dass es keine einheitlichen Absprachen mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und der Stadt gegeben hat", sagt der Leiter der BBS Wirtschaft, Reinhold Hoffmann.

Die ADD hat im Januar einen Elternbrief zu den Fastnachtstagen herausgegeben. Hierin werden die Erziehungsberechtigten aufgefordert, Gespräche über übermäßigen Alkoholkonsum mit ihren Kindern zu führen. Im Papier wird betont, dass auch an Weiberfastnacht die Pflicht zum Schulbesuch besteht. Die Lehrer werden aufgefordert, die Anwesenheit ihrer Schüler heute besonders genau zu kontrollieren.
Extra: Großes Sicherheitsaufgebot

166 Polizisten werden am Weiberdonnerstag in Trier im Einsatz sein. Das sagte Innenminister Roger Lewentz am Mittwoch in Mainz. Zum Vergleich: Beim Rosenmontagsumzug in Trier werden es etwa 120 Polizisten sein. Allein in Mainz, Koblenz und Trier sollen mehr als 1.500 Polizistinnen und Polizisten für einen sicheren Ablauf der Karnevalsveranstaltungen sorgen. Lewentz: "Die Polizei wird konsequent gegen aggressives oder gewaltsames Verhalten vorgehen, auch in der ‚fünften Jahreszeit‘ herrscht für Störenfriede keine Narrenfreiheit", so Lewentz.
Was in Trier heute verboten ist

Blumen und Orden für Petrus, Selters statt Sekt für die Narren

Umfrage und Protestaktionen

"Narrenfreiheit! Nein zum Alkoholverbot!" Das fordern die Jungen Liberalen aus Trier. Heute wollen die Julis sogar in der Ostallee eine Protestaktion gegen das Alkoholverbot starten. "Die Entscheidung, ob man Alkohol trinkt oder nicht, sollte jeder erwachsene Mensch selber treffen und keine selbst ernannten Erziehungsbeauftragten im Stadtrat", argumentieren die FDP-Nachwuchs-Politiker. Die Piraten-Partei, ebenfalls gegen das Alkoholverbot - will das sogar zum Thema im Landtag machen - im Saarland. Viele Trierer sind in dieser Frage aber offenbar anderer Meinung. Der TV hat 537 zufällig ausgewählte Trierer kürzlich telefonisch befragt. Das Ergebnis: eine klare Mehrheit, 79,33 Prozent, hält das Verbot für angemessen, rund 15 Prozent sind dagegen und rund 5 Prozent haben dazu keine klare Meinung. mic
Trierer Alkoholverbot an Weiberfastnacht soll saarländischen Landtag beschäftigen

Extra für Kinder: Weiberfastnacht
Heute ist Weiberfastnacht - habt ihr auch schon gehört, dass darüber in Trier ganz viel diskutiert wird? Das liegt daran, dass der Weiberdonnerstag vor einem Jahr gar nicht schön war. Ganz viele Erwachsene, Jugendliche und Kinder haben nämlich nicht nur auf der Straße gefeiert, sondern sie haben dabei ganz viel Alkohol getrunken. Dabei weiß doch jeder, dass Kinder auf keinen Fall Alkohol trinken dürfen - das ist ungesund und sogar richtig gefährlich. Prompt mussten auch ganz viele junge Leute ins Krankenhaus gebracht werden, weil sie betrunken waren. Deshalb hat der Stadtrat ein Alkoholverbot für heute beschlossen, damit das nicht wieder passiert. In der Innenstadt darf auf Straßen und Plätzen kein Alkohol getrunken werden. Hoffentlich hilft das, und die Jugendlichen trinken nicht so viel. Feiern kann man schließlich auch ohne Alkohol. mic