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Kommunalwahl
Weil zu wenig Junge für die Grünen kandidieren, tritt einer zurück

 Die Topkandidaten für den Kreistag. Vordere Reihe: Sabina Quijano, Martina Wehrheim, Marianne Rummel, Alfred Wirtz, mittlere Reihe: Karl-Georg Schroll, Paul Port, hintere Reihe: Boris Bulitta, Maria Saxen, Matthias Reimann, Heike Gleißner.
Die Topkandidaten für den Kreistag. Vordere Reihe: Sabina Quijano, Martina Wehrheim, Marianne Rummel, Alfred Wirtz, mittlere Reihe: Karl-Georg Schroll, Paul Port, hintere Reihe: Boris Bulitta, Maria Saxen, Matthias Reimann, Heike Gleißner. FOTO: Jan Söfjer
Trier. Der Kreisverband Trier-Saarburg hat seine Kandidaten für die Kreistagswahl bestimmt. Sprecher Safak Karacam ist damit nicht zufrieden. Von Jan Söfjer

Safak Karacam war am Freitagabend im Bürgersaal Trierweiler-Fusenich nichts anzumerken. Der Grünen-Kreisverband Trier-Saarburg wählte die Kandidaten für die kommende Kreistagswahl am 26. Mai. Karacam wirkte bis zum Ende sehr gelassen, doch das täuschte.

Am Sonntag erklärte er gegenüber dem Trierischen Volksfreund seinen Rücktritt als Sprecher – wegen „müheloser Verjüngungsversuche im Kreisverband“.„Ein Blick auf die Gesamtliste offenbart uns, dass die jüngste Person auf Platz 21 mit 32 Jahren steht“, sagt Karacam. „Insgesamt gibt es nur vier Personen zwischen 30 und 40 Jahren. Unter den ersten acht Plätzen ist die Jüngste 49 Jahre alt. Der Bundestrend der Grünen, sich zu verjüngen, ist bei uns im Landkreis nicht angekommen.“ Karacam kritisiert sich damit auch selbst.

Er ist seit fünf Monaten mit Martina Wehrheim als Sprecher im Vorstand des Kreisverbandes. Er ist 33 Jahre alt. Er hätte selbst kandidieren können, wollte es aber aus persönlichen Gründen nicht. „Ich habe versucht, jüngere Mitglieder zu gewinnen, die für einen Listenplatz kandidieren, hatte aber keinen Erfolg. Aus diesen Gründen werde ich als Sprecher zurücktreten. Ich hoffe, dass meine Nachfolger es besser machen werden.“ Zugleich möchte er seine Kritik nicht an der Arbeit der älteren Parteifreunde verstanden wissen. „Ich bin überzeugt davon, dass sich Erfahrung auszahlt und unsere Ratsmitglieder stets gute Arbeit vollbracht haben.“

Bislang haben die Grünen vier Vertreter im Kreistag: Marianne Rummel, Sabina Quijano, Paul Port und Stephanie Nabinger. Quijano (56) aus Kanzem ist Fraktionsvorsitzende im Kreistag, hat sich aber nicht wieder für den ersten Listenplatz aufstellen lassen, sondern für den fünften (23 Ja-Stimmen von 34). Sie sagt: „Ich bin seit zehn Jahren im Kreistag. Ich bin dort die Strategin. Ich arbeite die Themen aus und sorge dafür, dass sie gehört werden.“ Das kostet viel Zeit. Künftig kann sie das nicht mehr mit ihren beruflichen Verpflichtungen in einem Forschungsunternehmen in Esch/Alzette vereinbaren.

Auf den ersten Listenplatz wurde Martina Wehrheim (53) aus Konz mit 24 von 33 Stimmen gewählt. Die Juristin arbeitet beim Familienministerium in Luxemburg, ist seit 2004 Mitglied bei den Grünen und seit zehn Jahren im Konzer Stadtrat Fraktionsvorsitzende. „Ich würde gerne einmal etwas anderes machen und andere Aufgaben übernehmen im Kreis.“ Sie möchte sich vor allem für einen besseren öffentlichen Personennahverkehr einsetzen sowie die Belange von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus bringen.

Auf Listenplatz zwei wurde Paul Port, 70, aus Reinsfeld mit 20 Stimmen gewählt. Der pensionierte Elektroingenieur Port sitzt seit 1994 für die Grünen im Kreistag und engagiert sich für erneuerbare Energie und alles, was mit Technik und Bauen zu tun hat. Auf Platz drei wurde Marianne Rummel, 69, aus Mertesdorf mit 25 Stimmen gewählt. Sie ist seit 2004 Fraktionsvorsitzende im Verbandsgemeinderat und seit 2009 im Kreistag. Die Themen der Innenarchitektin und Baubiologin sind Abfallwirtschaft, Bauwirtschaft, Minderheiten und integrative Schule.

Auf Platz vier ist Boris Bulitta, 52, aus Ralingen. Der Projektmitarbeiter des Landes Rheinland-Pfalz für die Betreuung von Dorfläden war bereits Sprecher im Kreisverband. Er engagiert sich für den Breitbandausbau und eine Verbesserung des Personennahverkehrs.

Bis zum achten Listenplatz läuft alles glatt. Dann werden vier Frauen gefragt, ob sie kandidieren wollen. Sie wollen nicht. Schließlich findet sich eine Kandidatin – mit 38 Jahren die jüngste soweit – via Handychat.