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Weltrekord für Wein erzielt
Teure Spitzenweine locken Genießer und Spekulanten (Fotos)

Prominenter Winzer bei der Weinversteigerung Großer Ring in Trier: Fernsehmoderator Günther Jauch.
Prominenter Winzer bei der Weinversteigerung Großer Ring in Trier: Fernsehmoderator Günther Jauch. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Weingut Egon Müller erzielt in Trier Weltrekord bei Versteigerung der Weingüter-Vereinigung Großer Ring. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Der warme und sonnige Sommer lässt die Winzer frohlocken. Nicht nur die Erntemenge wird in diesem Jahr mit 9,75 Millionen Hektolitern Wein in Deutschland deutlich üppiger ausfallen als in den Jahren davor. Das Deutsche Wein­institut geht auch von einem Jahrgang  mit besonderer Qualität aus.

Für die privaten und kommerziellen Liebhaber hochwertiger Rieslingweine, die in Trier und Bernkastel-Kues bei den jährlichen Versteigerungen der wichtigsten Weingüter-Vereinigungen dabei sind, ist das noch Zukunftsmusik. Bei der 131. Prädikatsweinversteigerung Großer Ring in Trier galt am Freitag die Konzentration den nachweislich exquisiten Produkten des vergangenen Jahres.  Mit 200 Euro netto erzielte ein Scharzhofberger „Alte Rebe“ des Weinguts Egon Müller, Wiltingen, einen neuen Weltrekord für einen Kabinett-Wein.

Wer so viel Geld für eine Flasche Wein ausgibt, bleibt der Öffentlichkeit in der Regel verborgen. Denn die Gebote können ausschließlich  über sogenannte Kommissionäre abgegeben werden. Einer von ihnen ist Johannes Selbach, der nach eigenen Angaben einige Hundert Bieter aus der ganzen Welt vertritt. „In der Regel sind das passionierte Weinliebhaber und ihre Händler“, sagt Selbach. Studenten und Politiker, Normalverdiener und Millionäre. „Die kaufen, um zu genießen, zu bewirten oder – manchmal – um anzugeben.“ Nur ein ganz kleiner Teil kaufe Wein, um ihn als Geldanlage zu nutzen.

Exklusive Rotweine aus Bordeaux oder dem Burgund werden im Internet für Tausende Euro pro Flasche angeboten. Beim Weißwein hält eine 0,75-Liter-Flasche 2003er Trockenbeerenauslese aus dem Keller Egon Müllers zu Scharzhof für 12 000 Euro netto den Weltrekord. Stolz darauf ist auch Großer-Ring-Vorsitzender Carl von Schubert. „Raritäten sind zunehmend für Sammler und Restaurants interessant. Vor allem Kabinett steigt durchaus im Wert.“

Impressionen von der 131. Prädikatsweinversteigerung Großer Ring FOTO: Rainer Neubert

In Zeiten niedriger Zinsen sei Wein als Geldanlage interessant. Von Schubert weiß von einer Kölner Weinhandlung, die in größerem Umfang hochwertige Weine kauft. „Dort gilt eine Jahresrendite von fünf bis 15 Prozent als sicher.“  Die Lagerfähigkeit der Riesling-Weine in dieser Klasse nennt er legendär. „Das ist weltweit einmalig.“ Spitzenwinzer Egon Müller, dessen Weingut seit Beginn bei der Weinversteigerung des Großen Rings dabei ist, freut sich über solches Lob. „Für das Renomee als Winzer ist ein so hohes Gebot wichtig. Aber wenn das eine einmalige Sache bleibt, bringt das nicht viel.“ Zudem sei auch Glück mit im Spiel. „Ich benötige immer mindestens zwei interessierte Bieter.“

Weltrekord beim Festival der Weingourmets