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Integration
Weltbürgerfrühstück auf dem Trierer Kornmarkt

Alle Leckereien am Stand von Food-Sharing sind aus Lebensmitteln zubereitet, die Geschäfte normalerweise aussortieren.
Alle Leckereien am Stand von Food-Sharing sind aus Lebensmitteln zubereitet, die Geschäfte normalerweise aussortieren. FOTO: Martin Recktenwald
Trier. Lachs aus Norwegen und Erdbeeren rund ums Jahr: Organisationen und Initiativen hinterfragen Essgewohnheiten kritisch. Von Dirk Tenbrock

Zum zwölften Mal hat auf dem Kornmarkt das Weltbürgerfrühstück stattgefunden, diesmal ging es vor allem um das Thema Ernährung.

Mit einem erdachten Restaurant-Menü veranschaulichte der städtische Umweltdezernent Andreas Ludwig (CDU), wie viel Globales auf unsere Teller kommt: „Räucherlachs aus Norwegen, argentinisches Rumpsteak und Erdbeeren zu jeder Jahreszeit.“ Das zu verurteilen sei der falsche Weg. Aber zum Nachdenken über die Entstehungsbedingungen dieser Lebensmittel und die Auswirkungen in anderen Ländern, rate er dringend, sagte Ludwig.

An 40 Ständen rund um den Marktbrunnen boten sich vielfältige Gelegenheiten, diese und weitere Fragen zu klären.

Hungrig musste dabei kein Besucher bleiben: Vom selbst gebackenen Kuchen über die iranische Linsensuppe bis zur vegan gefüllten Empanada lockte ein internationales Speisenangebot. Doch dem Charakter des Weltbürgerfrühstücks entsprechend waren alle Köstlichkeiten mit einer Botschaft verbunden. Fairer Handel und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen – das sind die großen Leitmotive der vom Verein Lokale Agenda 21 und dem Netzwerk Weltkirche organisierten Veranstaltung.

Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigte das Team am Stand von Food-Sharing. Zahlreiche Leckereien vom veganen Schnittchen bis zum Frucht-Smoothie gab’s dort zu probieren. Zubereitet wurde alles aus „geretteten“ Lebensmitteln. „Wir arbeiten mit Supermärkten, Restaurants, Cafés zusammen und übernehmen Lebensmittel, die von diesen aussortiert werden“, erläutert Leonie Zang von der Food-Sharing-Gruppe in Trier.

Statt im Abfall zu landen, werden diese Waren dann verteilt auf öffentliche Food-Stationen unter anderem an der Universität, am Kornmarkt und beim Unverpackt-Laden, der demnächst von der Paulinstraße an die Porta Nigra umzieht.

Was übrig bleibt, wird von den Aktiven unter den rund 700 Anhängern der Gruppe im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz weitervermittelt.

Rund 75 000 Kilogramm Lebensmittel habe man bei rund 8000 Abholaktionen in Geschäften so bereits vor der Abfalltonne bewahrt. Gründe, etwas wegzuwerfen, gebe es im Handel viele. „Es reicht schon, wenn in einer Packung mit drei Paprikas an einer eine kleine dunkle Stelle ist. Wir schneiden die stattdessen einfach weg und haben wieder ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel“, gibt Zang ein Beispiel. Mitmachen können bei den Food-Sharern alle: Eine kurze Anmeldung unter www.foodsharing.de genüge.

Während hierzulande Essbares teilweise im Müll landet, greifen andernorts Menschen aus Hunger zu Extremen. So sind in Indien oder Pakistan viele Familien gezwungen, ihre Kinder zum Arbeiten zu schicken. „Das ist zwar vom Gesetz verboten, aber Korruption macht es trotzdem möglich und die Familien werden mit falschen Versprechungen geködert“, berichtete Eva Schneider am Stand des Netzwerks Weltkirche.

Nicht nur eine Ausstellung und ein Dokumentarfilm zeigten, was Kinderarbeit für die Betroffenen bedeutet. Es konnten sogar Original-Arbeitsgeräte getestet werden. „Ganz schön schwer“, urteilte der sechsjährige Niklas beim Anheben eines massiven Hammers mit Meißel.

Das Foto eines Mädchens in Indien belegte daneben, wie sie mit solchem Werkzeug Steine zerkleinern muss. „Sie muss es tun, um nicht zu verhungern. Auch hier geht es um Ernährung“, schlug Schneider den Bogen zum übergeordneten Thema der Veranstaltung. Unter ähnlichen Bedingungen würden übrigens auch viele Fußbälle von Kindern genäht. Augen auf beim Kauf von Billig-Produkten mit unklarer Herkunft, laute daher die Devise.