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Weltreise durch den Meulenwald

Einer von rund 40 imposanten Mammutbäumen am Trierer Forstamt in Quint. Foto: Forstamt Trier
Einer von rund 40 imposanten Mammutbäumen am Trierer Forstamt in Quint. Foto: Forstamt Trier
Trier. Nur knapp vier Kilometer Strecke, aber trotzdem eine richtige Weltreise: Nahe des Trierer Forstamts in Quint lockt ab Herbst ein neuer Naturlehrpfad, der an 24 Baumarten aus aller Herren Länder vorbeiführt. Der sogenannte Fremdländerwald ist einzigartig in Rheinland-Pfalz. Christiane Wolff

Trier. So gut integriert waren in den vergangenen 60 Jahren die belaubten Migranten in den heimischen Meulenwald bei Trier-Quint, dass die ausländischen Raritäten kaum einem der vielen Jogger und Spaziergänger aufgefallen sind. Dabei wachsen mehr als 350 fremdländische Bäume zwischen den einheimischen Fichten und Buchen. Die Einwanderungsgeschichte der fremden Bäume ist landesweit einzigartig: Schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und verstärkt nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gelände am Rothenberg in Trier-Quint Biologen und Forstleuten als Experimentierfeld. Welche ausländischen Bäume gedeihen im Moseltal und wie ist deren wirtschaftlicher Nutzen?, lautete die leitende Frage der Forscher.
Das Experiment hat sich gelohnt: "Die schnell wachsende Douglasie, die aus dem westlichen Nordamerika stammt, ist in den vergangenen 60 Jahren zum wichtigsten Wirtschaftsnadelbaum in der Moselregion geworden", erklärt Forstamtsleiter Gundolf Bartmann. Die mehr als 30 im Jahr 1952 in Quint gepflanzten Douglasien sind mittlerweile bis zu 65 Meter hoch und haben auf Brusthöhe einen imposanten Durchmesser von bis zu 1,20 Metern. "Das dürften die höchsten Bäume in Rheinland-Pfalz sein", schätzt Experte Bartmann.
Mammutbäume am Wegesrand


Auch der Anbau von 26 Exemplaren der im Kaukasus beheimateten Nordmanntanne im Quinter Staatswald blieb nicht ohne Folgen: Der gleichmäßige Nadelbaum avancierte in den letzten Jahrzenten zum beliebtesten Weihnachtsbaum der Deutschen.
An dem rund 3,8 Kilometer langen Rundweg sind aber auch Raritäten zu sehen, die sich in Mitteleuropa nicht durchgesetzt haben. Die keilförmigen Kronen von rund 40 in den 1950er Jahren gepflanzten Mammutbäumen wiegen sich im Wind. Die Riesen aus Nordamerika werden bis zu 80 Meter hoch und mehr als acht Meter dick. Das Holz des größten Exemplars, das in den USA steht, hat ein Gesamtvolumen von 1500 Kubikmetern - was 50 LKW-Ladungen entspricht. Die ältesten lebenden Mammutbäume sind 3200 Jahre alt.
Der aus China stammende Urweltmammutbaum, von dem es im Quinter Wald zwei Exemplare gibt, galt bis 1941 gar als ausgestorben. "Es ist die einzige Baumart, die es auch schon zu Zeiten der Dinosaurier gegeben hat", erklärt Förster Bartmann.
Damit die Raritäten von den Spaziergängern erlebt werden können, haben die Förster sie freigestellt, wofür etliche andere Bäume gefällt werden mussten. Viele Leute hätten sich über die Fällungen gewundert, aber man habe vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sehen können, sagt Bartmann. Vom Rundweg, der gut ausgebaut ist und kaum Steigungen hat, führen mehrere Trampelpfad-Schleifen hinein in die Bestände.
Befreit vom umwachsenden Gehölz entfalten die Fremdländer ihre ganze Schönheit. 24 nordamerikanische Thuja-Lebensbäume, gestutzt eine beliebte Heckenpflanze, wachsen hier 30 Meter in die Höhe. Ausladende Äste mit blaugrünen Nadeln strecken 20 japanische Lärchen aus, die in ihrem Heimatland auch noch in 2700 Metern Höhe wachsen. Und auch drei Exemplare des mythenreichen asiatischen Ginkgobaums können bestaunt werden.
Eröffnet werden soll der Pfad noch in diesem Jahr. Zurzeit erstellt das Forstamt die Info-Tafeln und eine ausführliche Begleitbroschüre. Der landesweit einmalige Bestand an alten, ausländischen Bäumen soll dann nicht mehr nur Botanikern, die regelmäßig den Quinter Raritäten-Wald zu Studienzwecken besuchen, ein ganz besonderes Walderlebnis verschaffen.
Die Arten des Baumweltpfads und ihre Ursprungsländer: 32 Douglasien, 24 Edeltannen, elf westliche Hemlocktannen, neun Kolorado-Tannen, 22 Küsten-Tannen, 24 Riesenlebensbäume, 18 Weihrauchzedern (alle westliches Nordamerika), fünf Gelbbirken, mehr als 40 Riesenmammutbäume, eine Robinie, 38 Roteichen, vier Tulpenbäume (alle östliches Nordamerika), 21 Edelkastanien (Mittelmeerraum), 26 Nordmanntannen (Kaukasus), drei Ginkgobäume (Asien), 20 Japanische Lärchen (Japan), sechs Korea-Tannen (Korea), 17 Kuchenbäume (Ostasien), 12 Urweltmammutbäume (China), 19 Braunmaserbirken (sibirische Tundra). Auf einer größeren Lichtung sind zusätzlich zu den Altbeständen jeweils drei Jungbäume von allen aufgeführten Arten gepflanzt. Der Baumweltkindergarten ist speziell für junge Besucher des Lehrpfads gedacht. Mit 5000 Euro hat der Waldbauverein Trier-Saarburg die Anlage des neuen Baumlehrpfads mitfinanziert. Die restlichen Mittel stammen vom Land, in dessen Besitz der Staatswald bei Quint ist. woc