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Wenn die Hauswand auf dem Feld wächst

Stolze Bauherren: Susanne und Christoph Weber sind von der Strohbauweise überzeugt und freuen sich auf ihr Therapiezentrum. TV-Foto: Manuel Beh
Stolze Bauherren: Susanne und Christoph Weber sind von der Strohbauweise überzeugt und freuen sich auf ihr Therapiezentrum. TV-Foto: Manuel Beh
Trier. Energetisches und nachhaltiges Bauen: Im Gewerbegebiet Trier-Irsch entsteht ein Therapiezentrum aus Stroh. So wollten sie Energie- und Baukosten sparen und künftigen Patienten ein besonderes Ambiente bieten, sagen Diplom-Therapeutin Susanne Weber und ihr Mann Christoph - und erklären, warum sie keine Angst vor erhöhter Brandgefahr und Mäusen haben. Manuel Beh

Trier. Radfahrer steigen interessiert von ihren Fahrrädern, Fußgänger bleiben stehen und staunen: Im Gewerbegebiet Trier-Irsch entsteht zurzeit ein Therapiezentrum aus Stroh. Susanne und Christoph Weber haben sich entschieden, auf nachhaltige Bauweise zu setzten. Bereits 2005 hat Weber mit seinem Vater auf dem Bodenhof ein Strohhaus gebaut: "Das Konzept gefiel uns so gut, dass auch wir unbedingt mit Stroh bauen wollten."
Seit rund zweieinhalb Jahren läuft die Planung. Probleme bei den Genehmigungen habe es nicht gegeben, sagen die Webers. Im Juli wurde der Grundstrohballen gelegt. Für den Bau kommen allein trockene Monate in Frage: "Unser größtes Problem ist Feuchtigkeit, die den biologischen Zerfall des Materials beschleunigt", sagt Weber. Wenn das Stroh aber mit Lehm verputzt sei, sei diese Gefahr vorüber.
Besonderes Stroh ist für den Bau eines Strohhauses nicht erforderlich. Von den regionalen Feldern kommend wird das Material gepresst und zu Wänden aufgeschichtet. "Unser Konzept basiert auf regionalen Produkten und einfachen Mitteln", meint Weber.
Um die Statik des Hauses zu gewährleisten, tragen Holzpfosten zwischen den Strohwänden die Decke. Mit dem Gebäude auf dem Bodenhof gibt es zwar schon ein Haus, in dem Stroh das Dach trägt, aber bei Gewerbeflächen gelten andere Auflagen. Insgesamt überspannt das Satteldach eine Fläche von etwa 380 Quadratmeter, die später durch Strohplatten in sechs bis sieben Räume unterteilt werden. Die Platten bestehen aus hochverdichtetem Stroh, in die auch Schrauben gebohrt werden können.
Für die innerstädtische Wohnung ist Stroh jedoch keine Alternative. Die Wände des Strohhauses haben eine Dicke von 1,30 Meter: "Wer so viel Fläche wie möglich nutzen möchte, sollte auf Stroh verzichten", sagt der Bauherr. Energetisch gesehen bringe das Haus einige Vorteile, sagt Susanne Weber, die sich als Diplom-Physiotherapeutin mit einem Zentrum für neurologische Behandlungen selbständig machen möchte. Die Strohwände wirkten nicht nur als Lärmschutz, sondern auch als Dämmung. "Es gibt andere Strohhäuser, die ohne Heizung auskommen. Was mir mehr Sorgen bereitet als die Kälte, ist die Wärme." Wenn viele Menschen bei sommerlichen Temperaturen ins Therapiezentrum kommen, erhitzt sich innen die Luft und wird vom Stroh gehalten. Um dem entgegenzuwirken, gibt es ein Erdrohr, das die einströmende Luft auf natürliche Weise abkühlt. Eine Klimaanlage kommt für die Webers aus energetischen Gründen nicht in Frage.
Keine Brandgefahr


Künftige Patienten müssten keine Angst vor einer erhöhten Brandgefahr haben, sagt Christoph Weber. Durch die Verdichtung des Strohs und den Lehmputz komme kein Sauerstoff an die Halme heran, ein Brand sei so ausgeschlossen. Auch die Einnistung von Mäusen werde auf diese Weise verhindert. Auch für Allergiker gitb der Bauherr Entwarnung: "Im Stroh sind keine Pollen zu finden. Ich denke sogar, dass durch die Wände, die Wasser aufnehmen und abgeben, die Luft besonders rein wird."
Mit der Strohbauweise lasse sich viel Geld sparen, sagt Weber. Für einen Ballen zahle er 30 Euro, damit entstünden zwei Quadratmeter Wand samt Dämmung: "Wir werden im Vergleich zu einem normalen Haus beim Bau zehn bis zwanzig Prozent sparen", schätzt Weber. Später seien die Energiekosten niedriger als bei herkömmlichen Gebäuden.